Dirk Nowitzki wurde 2007 in der NBA zum MVP gewählt. Foto: AP

Galten Europäer früher als zu soft für die NBA, dominieren sie bei der diesjährigen Preisverleihung der nordamerikanischen Basketball-Liga. Dass das möglich wurde, ist auch der Verdienst eines großen Deutschen.

Stuttgart - Dirk Nowitzki ist in den USA eine lebende Legende. Für den Würzburger dürfte zeitnah eine Statue vor der Arena in Dallas aufgestellt werden, schließlich hat das „German Wunderkind“ den Sport verändert.

 

Allerdings nicht nur mit seiner unnachahmlichen Art Basketball zu spielen – mit dem Titelgewinn 2011 und seiner Auszeichnung als wertvollster Spieler der Saison (MVP) 2007 hat er in den USA Vorurteile gegenüber Europäern abgebaut, die über Jahrzehnte als zu soft, nicht gut genug ausgebildet und nicht athletisch genug galten, als dass sie die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA dominieren könnten.

Griechischer MVP

Bei der NBA-Gala, bei der die besten Spieler der Saison ausgezeichnet werden, ist der Würzburger nach seinem Rücktritt zwar kein Teilnehmer – und doch hat er einen großen Anteil daran, dass dort jetzt drei der vier wichtigsten Auszeichnungen an Europäer gingen. In Giannis Antetokounmpo wurde ein Grieche zum MVP gekürt. Luka Doncic, Slowene und Nowitzki-Teamkollege, wurde zum besten Neuling gewählt, und der französische Center Rudy Gobert darf ein weiteres Jahr den Titel „bester Verteidiger der Liga“ tragen.

Europe first. America second. Europa zuerst. Amerika an zweiter Stelle. Das ist dann doch eine besondere Ironie der Geschichte, wenn man bedenkt, dass die USA in den letzten Jahren unter US-Präsident Donald Trump eher auf Protektionismus als auf Internationalität Wert legten. Dass zudem der Preis für den am meisten verbesserten Spieler an Pascal Siakam, einen gebürtigen Kameruner, ging, passt nur ins Bild.

Petrovis – der Mozart des Basketballs

Endgültig vorbei scheinen die Zeiten, in denen nur eine Handvoll Europäer von den US-Medien ernst genommen wurden. Als Antetokounmpo 2013 mit gerade einmal 18 Jahren in die NBA kam, sagte Superstar Kevin Durant über ihn: „Er hat das Zeug, zu einem der besten Spieler der Geschichte zu werden.“ Solche Huldigungen waren früher undenkbar. Nachdem der geniale Kroate Drazen Petrovic (aka der Mozart des Basketballs) in den 90er-Jahren die NBA verzückt hatte, bezeichnete ihn der große Michael Jordan zwar als „einen der besten Spieler der Welt“ – aber erst, nachdem der damals 28-Jährige bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen war.

Mit Tony Parker, einem der besten Spielmacher der letzten zwanzig Jahre, wollten die damaligen Teamkollegen in San Antonio noch nicht mal sprechen. Der 19-jährige Franzose solle erst mal beweisen, dass er überhaupt etwas in der NBA verloren habe, gab sein Teamkollege Tim Duncan 2001 zu Protokoll. „Silent treatment“, nennen das die Amerikaner. Abstrafung durch aktive Ignoranz. Respekt hört sich anders an.

Tony Parkers langer Kampf

Dass die Spurs mit vier NBA-Meisterschaften zu den erfolgreichsten Teams im neuen Jahrtausend gehören, ist zwar auch ein großer Verdienst des Franzosen – gehuldigt wurde aber in aller Regel Superstar Duncan und dem kauzigen Coach Gregg Popovich. Von Teamkollegen und der Öffentlichkeit respektiert zu werden, war für niemanden schwerer als für junge europäische Basketballer.

Daher galt es über Jahrzehnte als nahezu undenkbar, junge, unbekannte Europäer in die NBA zu lotsen. Wenn, dann verpflichteten die Manager in den USA gestandene europäische Profis, die bereits seit Jahren in der Euro League und ihren Nationalmannschaften auf sich aufmerksam gemacht hatten. Erst Nowitzki, Parker und die spanischen Gasol-Brüder durchbrachen diesen Kreis.

Luka Doncic wird der rote Teppich ausgerollt

Als Luca Doncic im vergangenen Jahr vom langjährigen Nowitzki-Club Dallas Mavericks in die NBA geholt wurde, rollte man dem 18-jährigen Slowenen den roten Teppich aus. „Er ist eine Sensation und wird der neue Eckpfeiler dieses Clubs“, staunte Nowitzki schon nach wenigen Trainingseinheiten. Und auch der Mavericks-Besitzer Marc Cuban war sich sicher, „einen der größten Spieler der Geschichte“ nach Dallas geholt zu haben. „Wenn wir unsere Spieler so ausbilden würden wie die Europäer, wäre die Liga stärker“, sagt Cuban heute.

Die europäische Basketball-Ausbildung ist in seinen Augen „besser und vielfältiger. Die lernen das Spiel zu spielen während wir unseren Jungs zeigen wie man dunkt und gute Mixtapes für das Internet zusammen stellt.“ Damit machte sich der große Förderer von Nowitzki in Texas zwar keine Freunde. Die Zahlen belegen jedenfalls seine These. 1992 spielten 25 Ausländer in der NBA, 2002 waren es schon 51, zum Beginn der abgelaufenen Saison standen 108 internationale Spieler bei den 30 NBA-Clubs unter Vertrag. Davon 64 Europäer. Tendenz weiter steigend.

Die NBA auf dem Weg zum Weltmarktführer

„Die NBA ist eine globale Marke“, sagt Liga-Chef Adam Silver, der das Ziel ausgerufen hat, die US-Profiliga weltweit zur Nummer eins der Sportlandschaft zu machen. In Europa soll König Fußball vom Thron gestoßen werden – in den USA gilt es, den Footballern den Rang abzulaufen. Im Riesenreich China ist die NBA bereits die Nummer eins. Da hilft es natürlich, Spieler von allen Kontinenten zu Superstars aufzubauen. Dennoch zeigen die Auszeichnungen dieser Woche, dass europäische Weltklasse-Basketballer heute keine Ausnahme, sondern die Regel sind. Und dass sie als solche wahrgenommen werden, wird für immer ein Verdienst von Dirk Nowitzki sein.

In der Bildergalerie finden Sie die besten europäischen Basketballer der NBA-Geschichte.