Die Felsengärten in Hessigheim eigenen sich hervorragend zum Klettern. Es gibt viele Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die Aussicht ist fantastisch. Die Kletterei ist gratis, aber man sollte Vorkenntnisse mitbringen.
Mächtige, bizarre Felsgebilde, hohe Türme, tiefe Spalten und Schluchten. Sie werden auch die schwäbischen Dolomiten genannt: die Felsengärten in Hessigheim. Mit der Höhe der Dolomiten können sie bei weitem nicht mithalten. Aber beeindruckend und wunderschön sind sie dennoch. Und klettern kann man dort auch. Gratis noch dazu.
Aber Obacht. Für blutige Anfänger ist das nichts. Und auch diejenigen, die nur mal in der Halle ein bisschen Klettern waren, sind hier fehl am Platz. Klettern in den Hessigheimer Felsengärten ist durchaus anspruchsvoll. Jeder bewegt sich in dem Gelände auf eigene Gefahr, Ausrüstung muss selbst mitgebracht werden. Dazu gehören unter anderem Seil, Expressschlingen, Klettergurt, Kletterschuhe und gegebenenfalls ein Helm.
Jens Ulbrich klettert, seit er zehn oder elf Jahre alt war
„Ein bisschen Erfahrung und Ahnung vom draußen Klettern sollte man schon haben“, sagt Jens Ulbrich. Er empfiehlt, einen entsprechenden Kurs zu machen, etwa beim Deutschen Alpenverein. Ulbrich hat diese Erfahrung. Mehr als das. Er klettert, seit er zehn oder elf Jahre alt war. Damals, vor etwas mehr als 30 Jahren, hat ihn sein Onkel in die Felsengärten mitgenommen.
Das Klettern wurde Jens Ulbrichs Leidenschaft, die Felsengärten sind so etwas wie sein zweites Wohnzimmer. Der 42-Jährige wohnt im nahe gelegenen Neckarwestheim und arbeitet als Weinbautechniker in der Felsengartenkellerei gleich um die Ecke. Jens Ulbrich kommt mindestens einmal die Woche zum Klettern in die Felsengärten. „Zum Warmmachen“, sagt er augenzwinkernd. Er war schon auf der ganzen Welt zum Klettern unterwegs – in Norwegen und Portugal, in Südafrika und im ganzen Alpenraum. „Ich mache gerne die großen Touren“, sagt er und berichtet von 900 bis 1000 Meter hohen Wänden, in denen er geklettert ist.
Da geht es in Hessigheim überschaubarer zu. Die Felswände sind nur bis zu 18 Meter hoch. Die meisten der insgesamt 130 Kletterrouten so um die zehn Meter. Die Schwierigkeitsgrade gehen von drei bis neun. Haken sind zwar grundsätzlich in ausreichender Zahl vorhanden, aber insgesamt recht spärlich gesetzt, sagt Jens Ulbrich. „Es kann schon sein, dass der erste Haken erst auf vier Metern ist.“
Hinzu kommt, dass der Fels – es ist Muschelkalk – an vielen Stellen recht glatt ist. Was daran liegt, dass hier schon Generationen von Kletterern die Steine abgegriffen haben. Die ersten Kletterer in den Felsengärten gab es wohl schon in den 1920er Jahren. Auch sie bereiteten sich hier auf große Touren in den Alpen vor. „Teilweise ist der Fels wie Marmor poliert“, so Ulbrich.
An den Wochenenden ist sehr viel los
Für ihn ist das offensichtlich kein großes Problem. Routiniert und scheinbar mühelos klettert der 42-Jährige eine der Wände hinauf, greift in eine kleine Felsspalte hier, findet Tritt an einem Vorsprung dort. Für Anfänger, die bislang nur in Hallen geklettert sind, ist das ein ziemlich mühsames Unterfangen. Schließlich ist man nur die knallbunten Griffe gewöhnt, die man hier vergeblich sucht. Vom Grip an den teils glatten Wänden einmal ganz zu schweigen.
An den Wochenenden im Sommer, erzählt er, ist arg viel los. Viele Kletterer, aber auch viele Spaziergänger kommen dann in die Felsengärten. Und manchmal hapere es mit der gegenseitigen Rücksichtnahme.
Rücksichtnahme fordert Jens Ulbrich aber vor allem im Bezug auf die Landschaft, immerhin sind die Felsengärten Naturschutzgebiet. Als solches wurden sie bereits 1942 ausgewiesen. Mit diesem Schritt wurde es auch verboten, an den vom Neckar aus sichtbaren Wänden der Felsen und Felstürme zu klettern. Das ist auch heute noch so.
Zudem darf man keine neuen Routen erschließen, neue Haken nur in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde anbringen und Magnesia nur äußerst sparsam einsetzen. Hin und wieder werden Kletterrouten wegen der Vogelbrut gesperrt. Auch das sollte beachtet werden. Und dass man seinen Müll wieder mit nach Hause nehmen muss, sollte sich eigentlich von selbst verstehen.
„Es ist wichtig, dass sich die Leute dementsprechend verhalten, sonst wird das hier irgendwann mal gesperrt“, befürchtet Jens Ulbrich. Und das wäre nicht nur für ihn schade. Immerhin kommen Kletterer aus der gesamten Region Stuttgart nach Hessigheim. Was unter anderem daran liegt, dass es etwas Ähnliches in der Nähe sonst nirgends gibt. In Bad Urach kann man noch draußen klettern oder auf der Ostalb und im Schwarzwald. Dann geht erst in der Heidelberger Region wieder was.
Und einzigartig sind die Hessigheimer Felsengärten allemal. Die Aussicht auf den Neckar und die Weinberge ist wirklich atemberaubend schön. Eine echte Belohnung, wenn man es vielleicht nicht ganz so mühelos wie Jens Ulbrich nach oben schafft.
Geklettert wird hier übrigens vor allem in den Sommermonaten. Praktisch: Auch bei großer Hitze ist es zwischen den Felsen und in der Schlucht angenehm schattig. Vor allem sollte es aber trocken sein. „Wenn es nur ein bisschen regnet, wird es gleich noch rutschiger“, weiß Jens Ulbrich. Er selbst ist in den Felsengärten aber auch schon mal an Weihnachten geklettert – bei entsprechender Witterung, versteht sich.
Felsengärten Hessigheim
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Anfahrt
Wer mit Bus und Bahn anreist, muss einiges an Fußweg auf sich nehmen, um in die Felsengärten zu gelangen. Einfacher geht es mit dem Auto. Oberhalb der Kletterfelsen gibt es den Wanderparkplatz an der Bergwacht (Im Fetzer, Hessigheim). Von dort geht es circa 300 Meter einen Feldweg entlang, an der Bergwacht vorbei über einem Pfad in die Felsengärten.
Verpflegung
Praktisch, weil gleich um die Ecke, ist die Felsengartenkellerei in Hessigheim. Dort wird auf dem Hof an den Wochenenden Wein ausgeschenkt. Kleinere und größere Snacks gibt es außerdem. Ein besonderer Pluspunkt: Wer sich dort niederlässt, hat einen hervorragenden Blick auf die Felsengärten.