Das Rebleutehaus in Sipplingen stand kurz vor dem Einsturz – es wurde fast in letzter Minute gerettet und ist heute ein Schmuckstück. Unsere Bilderstrecke zeigt, wie schlimm das Haus vorher aussah... Foto: Sebastian Schmäh

Aus unserem Plus-Archiv: Der Schwäbische Heimatbund und weitere Verbände haben fünf sanierte Häuser privater Besitzer ausgezeichnet. Mit dabei: Ein Café aus den 1920er Jahren in und ein Rebleutehaus am Bodensee. Besonders bei dem Gebäude ist der Vorher-Nachher-Effekt beeindruckend.

Stuttgart - Das ist ungewöhnlich: Sipplingen am Bodensee hat gleich zwei Mal hintereinander beim Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg abgeräumt. Beim letzten Wettbewerb vor zwei Jahren gewann das ehemalige Kelterhaus des Klosters Salem in Sipplingen einen der fünf Preise, jetzt bei der neuen Verleihung sind Sebastian Schmäh und Irmgard Möhrle-Schmäh, die Besitzer eines Rebleutehauses aus dem 17. Jahrhundert, ausgewählt worden. Kaum 300 Meter entfernt voneinander liegen die beiden Häuser in Sipplingen.

 

Mut beim Rebleutehaus in Sipplingen

Belohnt werden mit dem Denkmalschutzpreis grundsätzlich der Mut und das private Engagement von Bürgern oder Unternehmen, die ein historisch bedeutsames Gebäude erhalten und sanieren.

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Und gerade bei dem Rebleutehaus in Sipplingen gehörte schon sehr viel Mut dazu: Denn das Gebäude stand 15 Jahre lang leer und war so heruntergekommen, dass akute Einsturzgefahr bestand. Im Gemeinderat sei damals ziemlich über sie gelacht worden, erzählt Irmgard Möhrle-Schmäh: „Hast du gehört, irgendein Verrückter hat das Eckteil 24 gekauft. So blöd kann man gar nicht sein“, soll es geheißen haben. Aber nein, blöd waren sie und ihr Mann überhaupt nicht – als Zimmermann und Kenner historischer Gebäude konnte Sebastian Schmäh die Substanz des Hauses sehr gut einschätzen; zudem wurde die denkmalerfahrene Architektin Corinna Wagner aus Überlingen ins Boot geholt.

Die große Festveranstaltung ist abgesagt worden

Die Jury des Denkmalpreises Baden-Württemberg, die aus Vertretern des Schwäbischen Heimatbundes, der Badischen Heimat, der Wüstenrot-Stiftung, der Landesdenkmalpflege, des Städtetags und der Architektenkammer Baden-Württemberg bestand und 88 Vorschläge zu begutachten hatte, würdigte in Sipplingen auch die größtmögliche Schonung der Originalsubstanz. Der Juryvorsitzende Gerhard Kabierske sagt: „Dies ist ein Beispiel dafür, dass bei der richtigen Einstellung und entsprechendem Know-how selbst unrettbar scheinende Objekte eine Chance haben.“

Eigentlich hätten die fünf Preise am 28. April in einer Festveranstaltung in Stuttgart verliehen werden sollen, pandemiebedingt wird es nun im Frühsommer nur kleinere Übergaben jeweils vor Ort geben.

Fachwerkkonstruktion war um 50 Zentimeter abgesackt

Die Überbringer werden dabei eine große Tour de Baden-Württemberg vor sich haben, denn die Preisträger sind über das ganze Land verstreut. Ganz im Norden in Bad Mergentheim wurde das Haus des Architekten Rolf Klärle in der Ochsengasse 13 ausgezeichnet. Es ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und stammt aus dem Jahr 1460. Teils war die Fachwerkkonstruktion um bis zu 50 Zentimeter abgesackt, und manche Wände waren ganz verrottet, weshalb die Sanierung ebenfalls sehr aufwendig war. Bernd Langner, der Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbundes, betont: „Die Sanierung war eine Intensiv-OP, aber das lag daran, dass von der Altsubstanz nur noch wenig übrig war – aber das, was übrig war, war sehr hochkarätig.“

Weiter geht es nach Kupferzell, wo die Architektin Birgit Theobold ein Gebäude aus dem Jahr 1882 mitten im Ort restauriert hat: Früher waren dort die Molkerei, ein Krämerladen und eine Weinwirtschaft untergebracht, jetzt ist Theobold mit ihrem Architekturbüro dort eingezogen.

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Im oberschwäbischen Biberach ist als dritte Station das ehemalige Salzstadl ausgezeichnet worden. Es stammt aus dem Jahr 1501, gehört zu den dominanten Gebäuden am Marktplatz und wurde tatsächlich als Salz- und Weinlager der ehemaligen Reichsstadt genutzt. Die drei Brüder Schmid aus Baltringen, die sonst ein Bauunternehmen führen, kauften das Gebäude, nachdem auch in diesem Fall die Architektin Corinna Wagner ein Nutzungskonzept erstellt hatte. „Der wertvolle Bau ist zwar stärker genutzt als zuvor, hat aber von seinem historischen Aussagewert nichts verloren“, heißt es in der Begründung der Jury.

Die Stammkunden engagieren sich selbst für das Café

Über Sipplingen und das Rebleutehaus führt die Reise zuletzt nach Lahr in die Rheinebene, wo ein ganz besonderes Haus einen Preis erhielt: Es ist ein Café in der Friedrichstraße, das lange im Volksmund und jetzt auch ganz offiziell Süßes Löchle heißt. Schon seit 1887 gab es in dem Gebäude, dessen Kern ins 17. Jahrhundert zurückreicht, ein Kaffeehaus. Die verschiedenen Betreiber unterließen es aber über Jahrzehnte hinweg, in das Café zu investieren, und so war dort zuletzt eine Art Museum entstanden, das allerdings sehr viele Stammkunden hatte.

Als letztlich eine Sanierung unausweichlich wurde, übernahmen zunächst rund hundert nostalgisch gesinnte Bürger von Lahr in einer GmbH das Gebäude, später erwarben es die beiden Stammkunden Adelheid und Robert Wagner, die das Café erneuerten, aber viel Inventar samt Lichtschaltern, Ventilatoren und Backformen erhielten.

„Der Charakter eines Cafés der 1920er und 30er Jahre in einer südwestdeutschen Kleinstadt ist gewahrt geblieben, ohne dass sich der Eindruck von falschen Kulissen einstellt“, lobt die Jury, die sich sicherlich nach ihrer Rundreise zu Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte im Süßen Löchle niederlässt.