Gilt als Favorit auf den Trainerstuhl beim VfB: Lucien Favre Foto: dpa

Diskutieren Sie mit - Alexander Zorniger ist Geschichte beim VfB Stuttgart – wer wird neuer Trainer? Lucien Favre gilt als beste Lösung. Sicher ist nur: Der nächste Schuss muss sitzen. Erstens aus sportlichen Gründen. Und zweitens, weil sonst die Luft auch für Sportvorstand Robin Dutt dünn wird.

Stuttgart - Es war eine reichlich absurde Situation, als die VfB-Profis am Dienstag um 10 Uhr den Trainingsplatz betraten. Mit dabei war auch Trainer Alexander Zorniger (48), der zu diesem Zeitpunkt bereits der Ex-Trainer des VfB war – allerdings noch nicht offiziell. Das geplante Frühstück mit der Mannschaft war abgesagt worden, um acht Uhr setzte sich der Coach mit Sportvorstand Robin Dutt (50) zusammen. Knapp zwei Stunden lang steckten die beiden Strategen die Köpfe zusammen und suchten nach einem Weg aus der sportlichen Krise mit zehn Punkten aus 1. Bundesligaspielen und Platz 16 in der Tabelle. Im Laufe des emotionalen Gesprächs bahnte sich die Trennung an. Als sich die beiden auf die Zeit nach dem Training vertagten, war sie für Dutt bereits beschlossene Sache. „Alexander Zorniger ist auf den Platz gegangen in dem Wissen, dass ich nach dem Training mit keiner anderen Entscheidung auf ihn zukommen würde“, sagte der Sportvorstand.

Die Spieler ahnten von all dem nichts, drinnen im Clubheim besprach sich Robin Dutt derweil mit Präsident Bernd Wahler und informierte den Aufsichtsrat. „Letztlich habe ich die Konsequenz gezogen, nach dem Gespräch mit Alexander Zorniger hatte ich keine Handlungsoption“, sagte er.

Zorniger habe rasch erkennen lassen, dass er die vom Verein gewünschten Antworten auf die sportliche Krise nicht liefern konnte oder wollte. „Es war eine Mischung aus der sportlichen Situation und den Lösungsmöglichkeiten, die der Trainer angeboten hat“, sagte Dutt. Das kompromisslose Festhalten am erfolglosen Spielsystem mit extremem Pressing und Gegenpressing war für Zorniger trotz der immer kopfloser agierenden Defensive bis zuletzt alternativlos – auch noch am Dienstagmorgen, als es um seinen Job ging. „Ich stehe für eine bestimmte Spielweise und hätte teilweise gegen meine Überzeugung handeln müssen“, erklärte er. Die Konflikte mit einzelnen Spieler und das psychologische Moment, dass zumindest Teile der Mannschaft Zornigers Philosophie nicht (mehr) mitzutragen bereit waren, bestärkten beide Seiten zusätzlich, die Trennung zu vollziehen. „Darüber bestand hundertprozentiger Einklang“, erklärte Dutt.

Mit Zorniger muss das ganze Trainerteam gehen

Zusammen mit Zorniger informierte er die ahnungslose Mannschaft und skizzierte die nähere Zukunft: Mit Zorniger mussten die Co-Trainer Andre Trulsen (50) und Armin Reutershahn (55) sowie Torwarttrainer Andreas Menger (43) ihre Sachen packen. „Uns war es wichtig, in so einer Ausnahmesituation eine grüne Wiese zu schaffen“, sagte Dutt. Tabula rasa also. Jürgen Kramny (44) rückt als Interimstrainer vom VfB II zu den Profis auf, sein bisheriger Co-Trainer Walter Thomae (49) übernimmt vorerst das U-23-Team. Als Torwarttrainer ist Ex-Kickers-Keeper Marco Langner (46) im Gespräch, der mit Dutt in gleicher Position schon beim SC Freiburg und bei Werder Bremen zusammengearbeitet hat. Zorniger, der einen Vertrag bis 2018 besaß, erhält eine festgeschriebene Abfindung, alles in allem dürfte den VfB das Revirement rund 1,5 Millionen Euro kosten.

Kramny sitzt erstmals im Spiel bei Borussia Dortmund am Sonntag (15.30 Uhr) bei den Profis auf der Bank. Wie lange er dort bleiben darf, hängt ­davon ab, wie schnell Dutt einen neuen Cheftrainer findet. Das Anforderungsprofil engt den Kreis der Kandidaten ein. Der VfB wird an seiner sportlichen Konzeption mit Offensivfußball und einer engen Verzahnung zwischen Profis, Nachwuchs und Scouting festhalten. „Die rote Linie soll bleiben“, sagte Dutt, „es gibt Leitplanken, die jeder Trainer unterschreiben muss. Aber jeder hat seine eigene Note.“

Auf fast ideale Weise erfüllt Lucien Favre (58) die Wunschvorstellungen des VfB. Der Ruf des Schweizers hat nach dessen abruptem Abgang bei Borussia Mönchengladbach zwar gelitten, als er den Verein nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen zu Saisonbeginn verließ, generell gilt Favre als schwieriger Charakter, doch sportlich ist er über jeden Zweifel erhaben – spätestens, seit er die Borussia als Abstiegskandidat übernommen und in die Champions League geführt hat. Und nach allem, was zu hören ist, scheint Favre nicht generell abgeneigt, in Stuttgart einen Neubeginn zu wagen. Schon vor einem halben Jahr, so verlautet aus zuverlässiger Quelle, hat er sich wohlwollend über den VfB sowie dessen Umfeld und Perspektiven geäußert. Zurzeit ist Favre in Urlaub, ein Engagement wäre wohl erst zur Winterpause möglich, was kein Hinderungsgrund wäre. „Die Interimslösung mit Kramny ist zeitlich nicht beschränkt“, sagte Dutt.

Zu den Kandidaten zählen auch Markus Gisdol und Tayfun Korkut

Mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, wäre auch Markus Gisdol ein geeigneter Kandidat. Allerdings zählt er offenbar nicht zum engeren Favoritenkreis. Gisdol hatte zuletzt die TSG Hoffenheim sportlich wiederbelebt, zumindest für geraume Zeit. Dann hatte sich die Beziehung zu einzelnen Spielern und zur Vereinsführung jedoch relativ rasch abgenützt. Auch Markus Kauczinski (45/zurzeit Karlsruher SC) und Tayfun Korkut (41/von 2013 bis 2015 Trainer von Hannover 96) würden sportlich passen. Der gebürtige Stuttgarter Korkut konnte als Profi zwar von renommierten Trainern wie Javier Clemente und Vicente del Bosque lernen, als Trainer verfügt er aber über wenig Erfahrung, zudem hat er in Hannover keine Bäume ausgerissen. Gehandelt wird auch Thomas Schaaf (54), der von 2014 bis 2015 Eintracht Frankfurt trainiert hat. Allerdings hat das Bremer Urgestein trotz seiner Mannheimer Abstammung Probleme mit der südlichen Mentalität. Zurzeit vereinslose Trainer wie Jos Luhukay (52/von 2012 bis 2015 Trainer von Hertha BSC), Christoph Daum (62), Felix Magath (62) und Mirko Slomka (48) sind dagegen kaum vorstellbar.

 
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