Vor allem für den Textilhandel ist die Maskenpflicht eine schwere Bürde. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Der Handelsverband fordert das schnelle Ende der Maskenpflicht. Doch Stuttgarter Händler wie Florian Henneka oder Citymanager Sven Hahn raten dazu, kühlen Kopf zu bewahren.

Stuttgart - Im Land herrscht offenbar auf politischer Ebene Einigkeit beim Thema Maskenpflicht. Die baden-württembergische Landesregierung lehnt ein Ende der Maskenpflicht oder Lockerungen der Vorgabe strikt ab. Auch das Stadtoberhaupt Fritz Kuhn warnt davor. „Bitte jetzt bloß keinen Wettbewerb der Länder, wer zuerst die Maskenpflicht bei den Geschäften aufgibt. Das ist Leichtsinn pur und unverantwortlich“, twitterte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) am Sonntagabend.

Im Handel kommen diese Signale unterschiedlich an. Florian Henneka, Inhaber des Stuttgarter Traditionsgeschäftes Korbmayer, betrachtet die Maskenpflicht sehr differenziert: „Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Einzelhandel unter der Maskenpflicht leidet. Aber man muss auch feststellen: Unsere Mitarbeiter fühlen sich mit Maske wohler und sicherer.“ Sollte es in den kommenden Tagen zu einer Neuregelung kommen, wünscht sich der Unternehmer „eine bundesweit einheitliche Richtlinie“. Auch Dorit Schmuchel, Verkäuferin und Betriebsratsvorsitzende bei Galeria Kaufhof in der Königstraße, bestätigt, „dass die Schutzmasken gerade für Kunden im Textilbereich ein großes Hemmnis darstellen“. Sie glaubt: Viele kommen daher erst gar nicht in die Stadt, um einzukaufen. Aus diesem Grund fordert Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg, unter dem Primat der Sicherheit das Ende der Maskenpflicht. Zumal es keine Gleichbehandlung in den unterschiedlichen wirtschaftlichen Bereichen gebe. So werde etwa bei Fitnessstudios die Maßnahmen lockerer gehandhabt, als im Handel: „Bei uns gilt die Maskenpflicht von der ersten bis zur letzten Sekunde im Laden – auch in den Umkleidekabinen.“ Wie sehr sich die Abschaffung der Maskenpflicht auf den Handel auswirke, zeige das Beispiel Österreich: „Dort machten die Händler nach dem Ende der Pflicht 15 Prozent mehr Umsatz.“ Auch in der Schweiz, die lockerer mit der Pandemie umgehe, seien andere Passantenströme sichtbar, als in Deutschland.

Handelsverband pocht auf Gleichbehandlung

Eine andere Meinung zum Thema hat Citymanager Sven Hahn: „Die Maske gibt allen Sicherheit. Zudem sieht man ja überall dort, wo man laxer damit umgeht, wie die Zahlen sind.“ Natürlich weiß auch Hahn, dass das Tragen der Maske nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist: „Aber ich bin mir sicher, dass andere Gründe zur Kaufzurückhaltung führen.“ Damit spricht er einerseits das Thema Kurzarbeit an, andererseits die grundsätzliche Unlust, sich in der Stadt ohne das Zusammenspiel von Gastronomie, Handel und Kultur zu bewegen: „Die Umsatzzahlen beweisen das. Die meisten Umsätze werden vormittags gemacht.“ Daher warnt er davor, die Erfolge in der Coronakrise nun aufs Spiel zu setzen: „Eine zweite Welle wäre eine Katastrophe.“

Aktuelle Meldungen, wissenswerte Hintergründe und nützliche Tipps – in unserem Dossier bündeln wir alle Artikel zu Corona.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: