In Stuttgart-Birkach braut sich Protest zusammen. Der Grund: die diskutierte Bebauung des Birkacher Feldes. Foto: privat/Günter Seyfferth

In der Debatte um die mögliche Bebauung des Birkacher Feldes liefert eine Initiative nun 48 Seiten mit Argumenten, die aus ihrer Sicht dagegen sprechen. Das Aktionsbündnis hat das Plädoyer weit gestreut.

Birkach - Allein die Fülle an Adressaten ist ein Statement. Vor Kurzem hat das Aktionsbündnis Birkacher Feld ein Plädoyer versandt – gegen die Bebauung des Gebietes. Im Adressfeld: die 60 Stuttgarter Stadträte, der neue OB Frank Nopper, der Baubürgermeister Peter Pätzold, 88 Regionalräte und natürlich alle Birkacher und Plieninger Bezirksbeiräte. Das Aktionsbündnis lässt nicht locker.

Die Initiative ist erst im Oktober 2020 gegründet worden, in dieser kurzen Zeit hat das Birkacher Bündnis bereits eine 48-seitige Broschüre zusammengeklopft, die nun als Plädoyer für den Erhalt des Birkacher Feldes großflächig verschickt worden ist. Die Federführung hatte Günter Seyfferth, und der ist wahrlich ein alter Hase bei diesem Thema. Denn es ist nicht das erste Mal, dass der Birkacher gegen die Bebauung des Gebietes mobil macht.

Das Aktionsbündnis ist in Birkach breit aufgestellt. Ansprechpartner ist zwar der Bürger- und Kulturverein, doch zahlreiche Vereine und Gruppierungen machen mit. Sie alle treibt das Ziel an, dass das Birkacher Feld möglichst schnell wieder von der Liste möglicher Baugebiete in Stuttgart gestrichen wird.

Nische für die Landwirtschaft

Gründe, warum die Initiative gegen eine Bebauung des Birkacher Feldes ist, gibt es reichlich. Das Plädoyer besteht aus, wie gesagt, 48 Seiten. Beschrieben wird die Historie, die Funktion als Naherholungsgebiet, aber auch als Nische für die Landwirtschaft mit bestem Filderboden. Das Aktionsbündnis führt zudem das Stadtklima an, dem das Birkacher Feld als Freifläche zuträglicher sei als als Neubaugebiet. Es hagelt in dem Plädoyer dann aber auch andere Argumente, zum Beispiel dass der Regionalplan eine Bebauung ja gar nicht zulasse. Zum Schluss geht es um Moralisches. Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen stünden auf dem Spiel, heißt es ab Seite 43.

Das Birkacher Feld war in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Überlegungen, um weiteren Wohnraum für die Landeshauptstadt zu schaffen. Diese Diskussion ist vergangenen Sommer erneut entflammt, weil Stadträte mehr Bewegung beim Wohnungsbau sehen wollen. Die Stadt Stuttgart hatte in ihrer Zeitstufenliste Wohnen 2018 insgesamt 20 000 bis 23 000 neue Wohnungen bis 2029 zum Ziel. Weil in Stuttgart inzwischen die Flächen ausgehen, gilt der Umgang damit als Herausforderung. Entsprechend wird auch kommunalpolitisch darum gerungen.

CDU-Fraktion stellt einen Antrag

Die CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat hatte am Dienstag den Antrag gestellt, dass die Verwaltung bis Ende Mai im Unterausschuss Wohnen die Ergebnisse einer Wohnungsbedarfsanalyse für Stuttgart vorlegen soll. „Dabei soll sowohl der aktuelle Wohnungsbedarf als auch der perspektivische Bedarf in zehn und zwanzig Jahren dargestellt werden“, heißt es in dem Antrag.

Fast zeitgleich versandten die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat eine Pressemitteilung zum Thema Wohnungsbau, die gleichzeitig als Appell an den neuen OB interpretiert werden kann: „Im Hinblick auf die Klimaanpassung und vor dem Hintergrund sinkender Einwohnerzahlen seit knapp anderthalb Jahren sollten Zeit und Kraft nicht in langwierige Flächenplanänderungen landwirtschaftlicher Flächen, die anderweitige wichtige Funktionen haben, gesteckt werden, sondern es sollte das Potenzial an Flächen, das schneller gehoben werden kann, auch vorrangig ausgeschöpft werden“, heißt es darin.

Die Frage, wo und wie Stuttgart noch wachsen kann, setzt auch die Debatte um Freiflächen wie das Birkacher Feld in Gang. Und hier will das Aktionsbündnis früh gegensteuern. „Da eine Entscheidung über die Zukunft des Birkacher Feldes von allergrößter Bedeutung für die gesamte Stadt ist, erwarten wir, dass Sie sich trotz vielfältiger anderer Anforderungen die Zeit für ein sorgfältiges Studium nehmen“, schreibt Günter Seyfferth im Namen des Bündnisses an die Stadträte. Und an die Bezirksbeiräte: „Da aber die Gemeinderatsfraktionen der SPD und der FW derzeit anderer Meinung sind, bitten wir Sie, die Bezirksbeiräte dieser Parteien, bei Ihren Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat auf eine Meinungsänderung hinzuwirken.“ Für alle, denen der Umfang von 48 Seiten Angst macht: Das meiste sind Fotos, darunter viele Luftbilder. Damit will das Aktionsbündnis das Birkacher Feld offenbar für sich sprechen lassen.

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