Das Birkacher Feld ist wieder als Baugebiet in den Blickpunkt geraten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel erklärt, warum sie es für richtig hält, gleich Flagge gegen die Bauüberlegungen fürs Birkacher Feld zu zeigen. Denn genau das macht ein Aktionsbündnis seit Kurzem.

Birkach - Nachdem das Thema lange Zeit vom Tisch war, ist das Birkacher Feld 2020 wieder auf der Tagesordnung – und zwar bei der Stadt als mögliche Fläche zur Wohnbebauung und bei den Bürgern in Plieningen und Birkach als Aufregerthema. Ziemlich schnell hat sich ein Aktionsbündnis zusammengetan, das gegen die Bebauung des Naherholungsgebiets kämpft. Auch die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel will die Fläche lieber der Landwirtschaft als dem Wohnungsbau überlassen, erklärt sie im Interview.

Frau Lindel, für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass das Birkacher Feld bebaut wird?

Das muss man abwarten. Bisher lehnt es der Gemeinderat ab, aber jetzt wurde ein Oberbürgermeister gewählt, der sich für die Bebauung des Birkacher Felds ausgesprochen hat. Dass das Thema in der Analyse immer wieder auftaucht, ist normal. Da werden alle Flächen aufgelistet, die man bebauen könnte. Und selbst wenn sich alle einigermaßen einig wären, wäre das Birkacher Feld noch sehr lange nicht bebaut. Bis der Prozess ins Rollen kommt, dauert es lange. Eine tatsächliche Bebauung würde der neue Oberbürgermeister in seiner Amtszeit bestimmt nicht mehr erleben.

Ist der Protest, der aus der Bevölkerung kommt, gerechtfertigt oder angesichts der Vagheit des Projekts eher übertrieben?

Nein, dieser Druck muss schon kommen. Sonst denkt die Politik, es wäre mittlerweile okay für die Bürger. An der Haltung hier vor Ort hat sich aber nichts geändert. Deshalb ist es wichtig, gleich Flagge zu zeigen.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Bebauung?

Dass die Fläche Begehrlichkeit weckt, kann ich verstehen. Am Wochenende waren wieder richtige Menschenmassen dort unterwegs – es ist einfach eine schöne Fläche mit irre guter Sicht. Ich finde, es wäre wirklich Frevel, wenn man die bebauen würde. Stattdessen sollte sie für die Landwirtschaft bewahrt werden, weil es einfach ein Privileg ist, dass wir direkt vor der Haustür so viele Landwirte haben. Diese Arbeit irgendwo anders hin zu verlagern und hier nur zu wohnen, macht für mich keinen Sinn. Wir haben hier den fruchtbaren Boden und die Menschen, die die Erzeugnisse kaufen. Deshalb sollte beides eine Daseinsberechtigung haben.

Also soll eher Nachverdichtung die Lösung für den Wohnraummangel sein?

Es geht, glaube ich, darum, den bestehenden Platz effizienter zu nutzen. Früher gab es sehr viele Einzimmerwohnungen, die vermieten sich heute nur noch schlecht. Viele Leute wohnen mittlerweile – zum Beispiel nach dem Auszug der Kinder – nur noch zu zweit in einem Haus; die Ansprüche sind gestiegen. Es gibt zwar auch die Tiny-House-Bewegung, aber das ist noch nicht die Masse, die da mitmacht. Vielleicht sollten manche Leute überlegen, ob sie ihr Haus nicht für mehrere Wohnungen zur Verfügung stellen. Das ist eher die Richtung, in die man denken sollte. Denn was man innerorts noch an Wohnraum rausholen könnte, läppert sich schon. Wenn das Birkacher Feld mal bebaut ist, reicht das ja auch nicht aus. Dann stellt sich die Frage: Wo geht es weiter?

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