In der Tennisszene hagelt es Kritik an Fußballprofi Gerard Piqué und dessen Investment in den Daviscup. Dabei liegen die Probleme des Daviscups sehr viel tiefer als im Engagement des Spaniers.
Madrid - Niki Pilic spricht von einem „Skandal“, Boris Becker hält es für „einen Witz“, und Roger Federer nennt es nur den „Piqué-Cup“. Die Rede ist vom umstrittenen neuen Daviscup-Format, das der Fußballprofi Gerard Piqué, der neue Buhmann der Szene, und seine schwerreiche Investorengruppe aus Asien aus der Taufe gehoben haben.
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Nun muss keinem das einwöchige Format gefallen. Die fehlende Atmosphäre ist – abgesehen von den Partien der spanischen Gastgeber – offensichtlich, das Zuschauerinteresse in der Halle und vor den TV-Schirmen ist weltweit überschaubar. Was aber alle Piqué-Kritiker zu vergessen scheinen: Die Probleme des Daviscups sind nicht neu. Im Gegenteil: Seit Jahren kämpft der traditionsreiche Länderkampf um Aufmerksamkeit beim Publikum und Anerkennung bei den Stars der Szene. Die Zeiten, in denen die deutsche Mannschaft die größten Arenen des Landes für ein Daviscup-Duell füllen konnte, sind ebenso lange her wie die epischen Matches von Boris Becker auf dem heiligen Rasen von Wimbledon.
Piqué hat nicht den Tenniszirkus gekapert
Zudem hat der spanische Fußballstar Piqué nicht die Tennisszene gekapert – es waren die nationalen Tennisverbände selbst, die den Weg zur Zentralisierung des in die Jahre gekommenen Daviscups freigemacht hatten. Drei Milliarden Dollar in 25 Jahren für Verbände und Spieler versprachen Piqué und seine Investoren. Die Dollarzeichen in den Augen ließen die Herren der Filzbälle alle Bedenken über Bord werfen. Seit über einem Jahr segelte der Daviscup deshalb in sein jetziges Fiasko.
Ion Tiriac, zu seiner Zeit als Becker-Manager nicht gerade für Gemeinnützigkeit berühmt, sagt, der Tennisweltverband ruiniere 120 Jahre Tradition – „nur für Geld“. Dieses Geld haben Piqué und Co. nur angeboten – gezwungen, es auch anzunehmen, war im Tenniszirkus niemand.