Verschwindet das Wort „Zigeuner“ aus dem Stuttgarter Karneval? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Beim Wort „Zigeunerinsel“ hört bei vielen der Spaß auf. Seit 1910 heißt Stuttgarts größte Karnevalsgesellschaft so. Deren Ehrenpräsident Werner „Sloggi“ Find sagt, man denke jetzt über eine Namensänderung nach.

Die einen Mitglieder der 1910 gegründeten Karnevalsgesellschaft „Zigeunerinsel“ lehnen es seit Jahren strikt ab, den Namen zu ändern. Damit verleugne man die eigne Historie, ist zu hören, schließlich gehöre man „dem ältesten Bürgerverein des Stuttgarter Westens“ an und könne stolz darauf sein. Andere im Verein sind es aber leid, sich immerzu für den Namen, der als diskriminierend empfunden wird, rechtfertigen zu müssen. Nun kommt die Diskussion über eine Namensänderung in Fahrt.

 

Die Kritik von außen verstummt nicht. Wird aus der „Zigeunerinsel“ nun eine unverfängliche „Narreninsel“? Werner „Sloggi“ Find, der Ehrenpräsident des größten und zweitältesten Karnevalsvereins von Stuttgart, sagt gegenüber unserer Redaktion, dass die Verantwortlichen in Kürze über eine Änderung des Namens beraten werden. „In der Diskussion ist, dass wir unseren Namen künftig abkürzen“, berichtet Find, „also nur noch GZ heißen.“ GZ wie „Gesellschaft Zigeunerinsel“.

Thomas Haas, der Präsident der Gesellschaft, erklärt, man nehme die emotional geführte Diskussion „sehr ernst“. Doch für den Namen und die Historie könne man nichts. Einfach wolle man es sich nicht machen und verdeutlichen, dass der Verein gegründet worden sei, weil einst „Zigeuner“ diskriminiert wurden. Würden Vorschläge für andere Namen aus der Mitgliedschaft eingehen, werde man abstimmen. Einen Antrag für eine Namensänderung bei der Hauptversammlung im März gebe es bisher nicht.

Etlichen Karnevalisten ist es jedenfalls wichtig, nicht länger im Verruf zu stehen, eine gesellschaftliche Gruppe diffamieren zu wollen. Endlich wollen sie sich wieder auf die Pflege des karnevalistischen Brauchtums konzentrieren.

Unsere Redaktion verwendet den Begriff „Zigeuner“ nicht. Denn bei diesem Wort handelt es sich nicht um eine Eigenbezeichnung der Roma und Sinti, sondern um eine abwertende Fremdbezeichnung, mit der Sinti und Roma ausgegrenzt werden. Der Begriff ist mit der Verfolgung dieser Menschen während der NS-Zeit verbunden.

Kommt künftig die Abkürzung?

Bisher hat die Karnevalsgesellschaft „Zigeunerinsel“ historische Gründe genannt für ihre jahrelange Weigerung, den Namen zu ändern: Die Gesellschaft sei 1910 als Bürgerverein auf dem ehemaligen Spitalacker auf der Hoppenlau ins Leben gerufen wurde. Dort siedelten „Zigeuner“ an, wie man sie damals genannt habe, weil sie innerhalb der Stadtmauer nicht geduldet waren. Die Karnevalsgesellschaft erinnere damit an die Ausgrenzung dieser Menschen.