Mit dem sportlich angeschlagenen VfB Stuttgart leidet Sami Khedira, helfen will er vorerst aber anderen. Mit einem Benefizspiel will der Weltmeister im kommenden Jahr Geld für soziale Einrichtungen sammeln.

Stuttgart - Für dieses eine Mal werden die Rollen vertauscht sein. Der eigentliche „Boss“ legt sein sportliches Schicksal in die Hände seines eigentlichen Schützlings. „Vielleicht sorgst du ja dafür, dass ich auch eingewechselt werde“, sagte Joachim Löw am Donnerstag in einer Videobotschaft. Der Adressat war Sami Khedira. Gemeint: dessen Spiel des Jahres.

Nun findet im kommenden Jahr zwar kein großes Fußballturnier statt, reich an Höhepunkten wird für den 27-Jährigen aber auch 2015 werden. Mit Real Madrid etwa könnte Sami Khedira erneut das Finale der Champions League (in Berlin) erreichen. Sein Spiel des Jahres ist dennoch ein anderes, die Bühne ein wenig beschaulicher, die Teilnehmer aber sind kaum weniger namhaft. Zumindest teilweise.

Sami Khedira lädt zum Benefizspiel, es steigt am 14. Juni 2015 im Stuttgarter Gazi­stadion auf der Waldau – und die Zusagen, die der Mittelfeldmann von Real Madrid bereits eingesammelt hat, sind so zahlreich wie prominent. Didier Drogba (FC Chelsea) wird kommen, Michael Essien (AC Milan) und Luka Modric (Real Madrid) reisen nach Stuttgart, auch Andrea Pirlo (Juventus Turin) hat sich angesagt. Aus der deutschen Nationalmannschaft werden Jérome Boateng, Julian Draxler und Benedikt Höwedes dabei sein, Joachim Löw und Oliver Bierhoff wollen die Kickstiefel schnüren, und auch vom VfB werden einige Profis auflaufen. ­Sami Khedira war sichtlich stolz, als er die Teilnehmerliste am Donnerstag in der Mercedes-Benz-Arena präsentierte. Er sagte aber auch: „Im Mittelpunkt stehen die Kinder und Jugendlichen.“ Schließlich geht es nur zweitrangig um ein nettes Beisammensein aktueller und ehemaliger Fußballgrößen. Vor allem geht es: um die gute Sache.

Khedira ist das wichtig rüberzubringen. Auch wichtig ist ihm, dass sein geplanter Kick im Gazistadion nicht als gewöhnliches Benefizspiel daherkommt. „Wir wollen nicht eine Woche lang was machen und dann wieder abhauen“, sagte er, „unser Projekt ist auf sechs Monate angelegt.“ Und Regionalität ist für den fußballerischen Globetrotter mindestens ebenso bedeutend wie die Dauer seines Engagements. „Mir liegt die Region Stuttgart immer noch sehr am Herzen“, sagte er. Und meinte nicht nur den VfB.

Mit seinem Ex-Club, bei dem er einst vom Talent zum Nationalspieler reifte, leidete ­Sami Khedira in den vergangenen Monaten besonders. „Das tut schon manchmal weh“, sagte er, betonte aber auch: „Ich bin mir ­sicher, dass der VfB wieder nach oben kommt.“ Helfen wird er dabei aber wohl nicht. Zwar endet sein Vertrag bei Real im kommenden Jahr, eine Rückkehr zu den Roten sieht sein Karriereplan aber (noch) nicht vor. „Ich bin nicht abgeneigt, in Madrid zu bleiben“, sagte der 27-Jährige und sendete dann noch einen Lockruf an Marco Reus, an dessen Verpflichtung Real angeblich interessiert sein soll. „Ich wünsche mir, dass die Besten mit mir spielen – und Marco ist einer der Besten.“ Doch das nur am Rande.

Schließlich war Sami Khedira nicht nach Stuttgart gekommen, um über mögliche Neuzugänge oder die Weltfußballerwahl („Ich habe zwei Favoriten: Manuel Neuer und Cristiano Ronaldo“) zu reden. Es ging ihm um sein soziales Engagement, das über seine neu gegründete Sami-Khedira-Stiftung läuft. Einerseits soll sieben- bis zwölfjährigen Kindern aus Kinderheimen ein regelmäßiges Fußballtraining angeboten werden. Andererseits können B-Jugend-Mannschaften am Sami’s Cup in Oeffingen teilnehmen. Aus beiden Projekten qualifizieren sich einzelne Kinder und Jugendliche für das Spiel des Jahres – die einen als Einlauf- und Ballkinder, die anderen als Mitspieler der Topstars. In der Halbzeitpause wird der Stuttgarter Rapper Cro für Stimmung sorgen. Dass dieser nicht in der Mercedes-Benz-Arena singt, liegt an Helene Fischer. Für deren Konzert läuft am 14. Juni 2015 bereits der Aufbau, deshalb geht es ins Gazi-stadion. Das beim Benefizspiel gesammelte Geld kommt vier sozialen Einrichtungen sowie der Jugend des TV Oeffingen zugute.

„Nach der WM ist mir klargeworden, wie viel ich allen, die mich unterstützt haben, zu verdanken habe“, sagte Khedira, „es ist mir ein Herzenswunsch, etwas zurückzugeben.“ Vermutlich gilt das auch für den Bundestrainer – und Jogi Löw kann tatsächlich mit seiner Einwechslung rechnen.

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