Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ mit Tom Schilling ist für den Auslands-Oscar nominiert – hat aber starke Konkurrenz mit Alfonso Cuaróns Mexiko-Drama „Roma“. Foto: Disney

„A Star is born“, „Green Book“, „Black Panther“, „Bohemian Rhapsody“, „The Favourite“, „Roma“, „BlacKkKLansman“ und „Vice“: Die acht Oscar-Kandidaten für den besten Film dominieren auch in den anderen Kategorien.

Stuttgart - Es wird immer augenfälliger: Hollywood produziert rund zehn Weltklassefilme pro Jahr, die die Oscars unter sich ausmachen – der Rest ist schnell aus den Augen, aus dem Sinn. Die Nominierten aber haben es in sich, in ihnen lebt die Magie weiter, die das Kino zu einem besonderen Ort macht. Sie bieten auch den besten Serien die Stirn, weil es ihnen gelingt, große Dramen auf Spielfilmlänge zu verdichten.

2019 könnte ein Jahr der Afroamerikaner werden, die sich bis vor Kurzem – zu Recht – unterrepräsentiert fühlten und die Oscars zeitweise sogar boykottierten. „Green Book“, bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet, erzählt die Geschichte eines einfachen italo-amerikanischen Türstehers, der in den frühen 60er Jahren einen kultivierten afroamerikanischen Pianisten durch eine Südstaaten-Tournee chauffiert, wo der offene Rassismus in voller Blüte steht. Viggo Mortensen und Mahershala Ali glänzen in ihren Rollen zweier sehr unterschiedlicher Männer, die sich aneinander abarbeiten und einander immer näher kommen – beide sind auch als Darsteller nominiert.

Zwei Musicals sind nominiert

Der Bürgerrechtler Spike Lee ist im Rennen um den besten Film und die beste Regie mit seinem klugen Rassismus-Drama „BlacKkKlansman“ , in dem ein Afroamerikaner den Ku-Klux-Klan zu infiltriert.

„Black Panther“, der erste afroamerikanische Superheldenfilm, wurde zum Welthit und auch in Afrika gefeiert, weil er schwarzer Identität und schwarzen Traditionen eine Plattform bietet, wie es sie im Kino kaum je zuvor gegeben hat. Nun könnte er als bester Film Oscar-Geschichte schreiben.

Gleich zwei Musicals buhlen um den Preis für den besten Film, das Queen-Bandporträt „Bohemian Rhapsody“ und Bradley Coopers Country-Drama „A Star is born“. Rami Malek ist für seine intensive Verkörperung des Queen-Sängers Freddy Mercury nominiert wie auch Cooper und seine Filmpartnerin Lady Gaga für ihre Darstellung eines Musikerpaares.

George W. Bush – ein kleines Licht?

Ein sehr amerikanisches Thema scheint „Vice“ zu behandeln, ein Drama um den früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Cheney war von 2001 bis 2009 der heimliche Herr im Weißen Haus und hatte eine Machtfülle wie noch kein Vize vor ihm. Christan Bale hat für diese Rolle viele Pfunde zugenommen und spielt einen skrupellosen, letztlich korrupten Zyniker der Macht, der zusammen mit dem damaligen Verteidigungsminister Rumsfeld den Irakkrieg und die Folgen maßgeblich zu verantworten hat. Bale is ebenso als Darsteller nominiert wie Sam Rockwell, der George W. Bush als überfordertes kleines Licht vorführt.

Ein großer Kostümfilm immerhin ist im Rennen um den besten Film und die beste Regie, „The Favourite“ von Giorgos Lanthimos. Er zeigt das böse Intrigenspiel am englischen Hof im frühen 18. Jahrhundert – ein Gegenstück zu den „Gefährlichen Liebschaften“ am französischen Hof zu jener Zeit. In Stephen Frears’ Film von 1988 war unter anderen Glenn Close zu sehen, die nun nach dem Golden Globe auf einen Oscar hoffen kann für ihre Rolle als „Frau des Nobelpreisträgers“.

Die Amerikaner lieben deutsche Diktaturen

Ebenfalls als bester Film nominiert ist Alfonso Cuaróns Mexiko-Drama „Roma“, ein anmutiger Bilderreigen in Schwarzweiß, der ihm auch eine Regie-Nominierung eingebracht hat und seiner Hauptdarstellerin Yalitza Aparicio eine als beste Hauptdarstellerin. Gleichzeitig konkurriert Cuarón bizarrerweise um den Auslands-Oscar, auf den sich auch Florian Henckel von Donnersmarck Hoffnungen mit „Werk ohne Autor“ Hoffnung macht. Sein atemraubender historischer Streifzug durch drei deutsche Staaten, mitproduziert von der ARD-Tochter Degeto, ist angelehnt an das Leben des Kunstmalers Gerhard Richter. Es wäre Donnersmarcks zweite Trophäe nach derjenigen für „Das Leben der anderen“ 2007 – die Amerikaner lieben deutsche Diktaturen.

Selten war das Oscar-Rennen so offen und das Feld so dicht wie in diesem Jahr. Eines zumindest ist jetzt schon sicher: Wer sich die Kandidaten anschaut, kann keinen Fehler machen.

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