Seniorpartner Martin Haag, Staatssekretärin Marion von Wartenberg, Schulleiter Gerald Mandl, Lehrerin Ilaria Schütz und Thomas Schenk vom Kultusministerium (v.l.). Foto: Friedel

Staatssekretärin Marion von Wartenberg informierte sich über die Berufsorientierung an der Bismarckschule in Feuerbach. Dort steht der Aufbau eines Netzes zu Ausbildungsbetrieben ganz oben auf der Liste.

Feuerbach - Marion von Wartenberg, die Staatssekretärin im Kultusministerium, war bereits im Frühjahr in Feuerbach beim Christlichen Jugenddorf (CJD) zu Gast. Am Montag besuchte sie die Feuerbacher Bismarckschule. Die frühere stellvertretende DGB-Landesvorsitzende informierte sich vor Ort über Themen wie Berufsorientierung und die Zusammenarbeit der Werkrealschule mit mehreren Bildungspartnern. So kooperiert die Bismarckschule in Sachen Ausbildung mit Bosch und Porsche. Weitere Bildungspartnerschaften wurden mit dem Gewerbe- und Handelsverein und dem Feuerbacher Richard-Bürger-Heim, einer Einrichtung für die Pflege von alten Menschen, geknüpft.

Auf dem Weg zu einer dualen Schulausbildung

Weil viele Schüler konkrete Hilfen bei der Berufsorientierung brauchen, kümmern sich an der Feuerbacher Werkrealschule zudem verschiedene sogenannte Seniorpartner im Rahmen des ehrenamtlichen Projektes „startklar“ darum, die Neunt- und Zehntklässler schrittweise an den Arbeitsmarkt heranzuführen. „Die Bismarckschule ist ausgerichtet auf die Hinführung zu einer dualen Ausbildung der Schüler. Das alles läuft in stark verzahnter Form mit den Bildungspartnern ab“, betonte Seniorpartner Martin Haag. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, benötige die Schule allerdings in Zukunft mehr Unterstützung und Manpower. Und eine Zukunftsperspektive. „Als Werkrealschule gehören wir ja praktisch zu einer aussterbenden Art“, sagte Schulleiter Gerald Mandl. Deshalb habe man den Antrag gestellt, Gemeinschaftsschule zu werden. „Aber die Stadt zögert noch“, sagte der Rektor.

Die berufliche Orientierung der Schüler steht ganz oben

Aus Mandls Sicht wäre es ein Frevel, dieses Netzwerk an beruflicher Orientierung, das im vergangenen Jahrzehnt geschaffen wurde, aufzugeben. Nun hofft er auf Unterstützung auf hoher ministerialer Ebene: „Da rennen Sie bei mir offene Türen ein“, sagte von Wartenberg. Sie betonte allerdings auch, dass sie ihre Aufgabe nicht darin sehe, dem Schulträger und den politischen Entscheidungsträgern in irgendeiner Weise „reinzureden“. In der neu erarbeiteten Bildungsplanreform der Landesregierung sei die berufliche Orientierung einer der zentralen Schwerpunkte. Geplant sei bereits ab der 5. Klasse in allen Schularten als neues Fach „Wirtschaft und Berufs- und Studienorientierung“ einzuführen. „Wir müssen in Zukunft die Berufsorientierung allgemein im Schulsystem implementieren, auch an den Gymnasien“, sagte von Wartenberg.

Es herrscht kein Gleichgewicht bei der Schulartwahl

Schreinermeister Tobias Rehder, der sich beim GHV Feuerbach um die Bildungspartnerschaft mit der Bismarckschule kümmert, merkte an, dass ein „krasser Mangel an ausbildungsbereiten Jugendlichen“ bestehe. Einer der Gründe dafür ist, dass inzwischen immer mehr Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium schicken. 60 Prozent beträgt momentan die Übergangsquote. Das führe zu einem Verdrängungswettbewerb zwischen den Schularten, erläuterte von Wartenberg.

Schulleiter Gerald Mandl sieht trotz schwindender Akzeptanz seiner Schulart bei der Politik seine Einrichtung bei der Berufswegeplanung sehr gut aufgestellt. Im Lehrerkollegium der Bismarckschule ist Ilaria Schütz für diesen Bereich zuständig. Sie hat zuletzt selbst bei Porsche ein Praktikum absolviert. Momentan sei man gerade damit beschäftigt, ein Curriculum für die Klassen 5 bis 10 zu entwickeln, sagte Schütz. Ansonsten kenne sie kaum eine andere Schule, die so ein schlüssiges Konzept der Berufswegeplanung vorzuweisen habe.

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