Bambi fühlt sich in seinem Zuhaue wohl. Foto: Salzer

Am Kaiserstuhl zieht eine Familie mit der Hilfe ihrer Hündin ein verstoßenes Rehkitz groß.

Ihringen - Wer gedacht hat, dass Bambi im Zeichentrickfilm daheim ist, der hat sich getäuscht. Bambi lebt nämlich seit Mai am Kaiserstuhl. Genauer gesagt auf dem Hof der Flubachers in Ihringen.

Erika Flubacher erinnert sich: "Sechs Tage war Bambi alt, als es zu uns kam." Das Rehkitz war von der Mutter verstoßen worden. Unüberlegte Menschen hatten das Tierbaby nicht nur angefasst, sondern sogar mit nach Hause genommen. Als sie merkten, dass sie nichts mit dem Kitz anfangen konnten, brachten sie es wieder zurück in die Reben bei Ihringen. Dort hatte Armin Flubacher es schon Tage vorher beobachtet. Armin Flubacher ist Landwirt und Jäger. Aber Bambi wird nicht im Kochtopf enden, betont Ehefrau Erika. "Nie im Leben könnte ich einen Bissen davon runter bekommen."

Kein Wunder, denn Bambi ist kein Reh wie andere. Als es zu den Flubachers gebracht wurde, war es fast schon verhungert. Mit Ferkelmilch wurde es langsam aufgepäppelt. Keine einfache Aufgabe. Dass es dennoch funktionierte, verdankt Bambi ausgerechnet Jagdhündin Emmi. Sie wusste, was zu tun ist, um die Verdauung eines Rehs in Gang zu bringen und so das Überleben des Tiers zu sichern. Emmi leckte und massierte dem Rehkitz den Bauch.

Heckenrosen und Topfpflanzen sind vor Bambi nicht sicher

Die Hündin, deren Sohn Eiko und die kleine Terrierhündin Ronja adoptierten das Rehkitz sofort und kümmerten sich rührend um das neue Rudelmitglied. "Sie sehen mich als Rudelchef", erklärt Erika Flubacher. "Und als ich ihnen sagte, dass sie sich um das Kitz kümmern müssen, haben sie das wohl gleich verstanden." Sogar das Körbchen teilen Kitz und Hunde liebevoll miteinander. "Unsere Emmi hat Erfahrung mit Fundtieren", erzählt ihr Frauchen. "Sie hat auch schon eine Stockente aufgezogen, die heute noch auf unserem Hof lebt."

Für Bambi haben die Flubachers ein Stück Garten gepachtet und nach dem Geschmack des Rehs eingesät. Dort kann es grasen. Die Heckenrosen und Topfpflanzen sind vor Bambi trotzdem nicht sicher. "Es wächst ja alles wieder nach", sagt Flubacher seufzend und verfüttert Trauben und einen Apfel an das Rehkitz, das ihr frech bis in die Küche folgt. Auch die Jagdhunde beißen kraftvoll zu, wenn es Obst gibt. Um die letzte Rosenblüte im Garten balgt Bambi sich erfolgreich mit Hund Eiko.

Auswildern kann man Bambi nicht mehr: Es kommt neugierig auf Besucher zu, liebt seine Streicheleinheiten und kuschelt gern auf Frauchens Arm. Und Bambi ist, ganz wie sein Namensvetter im Zeichentrickfilm, ein richtiger Star geworden: Zweimal war das Fernsehen schon da. Die Einladung zu Günther Jauchs Jahresrückblick bei RTL hat Erika Flubacher dann aber abgelehnt. Sie will dem Reh den Reisestress ersparen.

  
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