Das Haus der Geschichte Der RAF-Terror kommt ins Museum

Von Steffen Rometsch 

Der Terror der Roten-Armee-Fraktion in den 1970er Jahren ist untrennbar mit dem Südwesten verknüpft. Nun stellt das Stuttgarter Haus der Geschichte die Gewalt der RAF erstmals in einer historischen Ausstellung dar.

Stuttgart - Splitter fliegen durch die Luft, eine Bombe reißt einen tiefen Krater in die Wand. Bei genauer Betrachtung zeigt das Loch in der Wand die Konturen Baden-Württembergs, die Umgebung ist rot, blutrot. Das ist das Plakat, mit dem das Landesmuseum für seine neue Sonderschau wirbt, und die Grundlage für die Architektur der bundesweit ersten großen historischen Ausstellung zur Roten-Armee-Fraktion (RAF).

„Baden-Württemberg ist das Land, das am stärksten vom Terror der RAF betroffen war“, begründet Museumsleiter Thomas Schnabel, warum sich sein Haus des umstrittenen Themas annimmt. 34 Morde gehen auf das Konto der Terrorgruppe. „Es ist eine Stärke vom Haus der Geschichte, dass es sich mit Dingen auseinandersetzt, die heute noch wehtun und aufwühlen.“ Der Kampf gegen den Terror und dessen „weitgehend rechtsstaatliche Bewältigung – bei allen Problemen, auch in Stammheim – war eine wichtige Etappe für das Erwachsenwerden der Bundesrepublik und ihre Stabilität“, unterstreicht Schnabel.

Sonderschau auf 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche

Wie entsteht die Gewalt der RAF? Wie wird man Terrorist? Wie reagiert der Staat auf die Gefährdung seines Gewaltmonopols? Wie traumatisiert die Gewalt die Opfer und ihre Angehörigen? Und wie gelingt der Ausstieg aus der Gewalt? Auf all diese Komplexe will die Sonderschau auf 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche Antworten geben. Mehr als 200 Exponate – Originalgegenstände, Film- und Tondokumente – haben die beiden Kuratoren Sabrina Müller und Rainer Schimpf dafür zusammengetragen. Zu sehen ist ein Wrackteil des Autos, in dem der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts 1986 in Straßlach bei München Opfer eines Bombenanschlags wurde. An einen der blutigsten Anschläge erinnert eine Kranzschleife. Sie stammt von der Beerdigung des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Zu den Exponaten gehört auch einer der ersten Roboter, der Bomben entschärfen konnte. Die in den 1970er Jahren ursprünglich für die Kernforschung entwickelte Maschine war mit Kamera und Greifarmen ausgestattet.

Ganz am Ende der Ausstellung steht ein Motorrad. Es ist jene Maschine, von der aus am 7. April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe erschossen wurde. Vor zwei Jahren stand die Suzuki GS 750 nur wenige Hundert Meter vom Haus der Geschichte entfernt im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts – als Beweisstück im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker, die sich für den Mord an Buback verantworten musste. Für Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger hat das Motorrad eine besondere Symbolik. Es gebe die Antwort auf die zentrale Frage: Ist die RAF 15 Jahre nach ihrer Selbstauflösung Geschichte? „Nein“, sagt Lutum-Lenger, „es gibt bis heute noch eine Reihe unaufgeklärter Taten der RAF. Solange wir nicht wissen, wer beim Anschlag auf Buback auf diesem Motorrad saß und wer geschossen hat, so lange ist die RAF nicht Geschichte.“

Nicht unter den Exponaten zu sehen sind daher auch die Motorradhelme, die die Attentäter beim Angriff auf den Generalbundesanwalt verwendet hatten – die sind noch in der Asservatenkammer des Bundeskriminalamts unter Verschluss.

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