Die Kosten infolge der Pandemie sind hoch, die Ausfälle bei den Einnahmen groß. Nun muss die reiche Landeshauptstadt besser zu unterscheiden lernen, was wirklich wichtig ist und was nicht so sehr, kommentiert Josef Schunder.
Stuttgart - Der Bedarf an Rettungsschirmen wird immer größer. Nun hat auch der Stuttgarter OB noch einen angefordert, obwohl die Landeshauptstadt ja bisher zu den Reichen zählte. So verheerend wirkt sich das Coronavirus also auch in den Kassen der Kommunen aus, vom Haushalt des Bundes und vieler schwer getroffener Wirtschaftsunternehmen ganz zu schweigen.
Ein Loch von 557 bis 856 Millionen Euro in der Finanzrechnung kommt auch für Stuttgart einer riesigen Herausforderung gleich. Und man sollte sich nichts vormachen: Das ist der Anfang, vielleicht bis zum Jahresende der Löwenanteil, aber nicht der Schlusspunkt der Pandemiefolgen. Die Schleuderspuren werden länger zu sehen sein. Das lassen auch die Worte von LBBW-Chef Rainer Neske erwarten, der am Mittwoch eher turnusmäßig über die Lage der LBBW berichten sollte. Seine Botschaft: Es fühlt sich an wie die Krise 2008/2009, ist aber ganz anders – „und viel schlimmer“. Er rechnet auf einige Zeit mit bleibenden Schäden in der Wirtschaft.
Glücklicherweise war zuletzt vor der Coronakrise nicht nur der Stadthaushalt gut aufgestellt, sondern auch die LBBW sturmfester als 2008. Gleichwohl werden auch die Stuttgarter jetzt wieder stärker gewichten müssen, was ihnen in ihrem Gemeinwesen besonders wichtig ist – und was eher nachrangig.
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