Am Holzmarkt hat Domenico Gallo die erste Bar in Ludwigsburg eröffnet, die sich ganz dem Aperitif verschrieben hat. Was erwartet die Gäste im Aperigallo?
Einen richtigen „Aperitivo“, das kennen die meisten hierzulande vielleicht aus dem Italienurlaub. Dort trifft man sich traditionell vor dem Abend-, manchmal auch schon vor dem Mittagessen, auf ein paar Drinks und Häppchen, um runterzukommen. In Deutschland ist eher das schnelle Bier am Tresen üblich, richtig entspannen können dabei wohl die wenigsten.
In Ludwigsburg hat Domenico Gallo mit dem Aperigallo nun die erste richtige Apero-Bar eröffnet. „Ludwigsburg ist von Norditalienern erbaut worden“, sagt der 37-Jährige, „also hat es auch italienisches Flair verdient“. Genau das möchte er in und vor seinem Laden bieten. Eingezogen ist er in eine alte Kneipe direkt am Holzmarkt, in der der vorherige Pächter fränkische Biere angeboten hatte. „Ich glaube das lief ganz gut“, sagt Gallo, der daran gerne anknüpfen würde. Das Interieur ist erhalten geblieben, es steht unter Denkmalschutz: viel dunkles Holz, mit rotem Stoff bezogene Bänke, kleine Hocker an ebenso kleinen Tischen sowie der obligatorische Tresen, auch wenn es eher rustikal zugeht, zu einer Apero-Bar passt es irgendwie trotzdem.
Eine Kleinigkeit zu Essen, dann klappt es besser mit dem Heimweg
Gallo hat sich mit der Bar einen Traum erfüllt. Er ist in Ludwigsburg geboren, in Italien zur Schule gegangen, seit 2005 ist er wieder zurück in der Barockstadt. Seine Mutter – die Familie stammt aus dem Gargano am Sporn des Stiefels – hatte hier ein kleines Bistro, die Gastronomie ist ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Der Figlio war neun Jahre lang – sechs davon als Barchef – im Bar-on am Marktplatz tätig. Aber eigentlich wollte er immer schon sein eigenes Ding machen, dem Gast „nicht die Standardprozedur“ angedeihen lassen.
Wer zu ihm kommt, soll sich wohlfühlen, das ist Gallos Anspruch. Nach Feierabend runterkommen, auch mal den Frust rauslassen können. Wie im Herkunftsland seiner Eltern auch gibt’s zum Drink kleine Snacks – mal ein paar Oliven, etwas Käse oder andere Knabbereien. Dahinter steckt Kalkül: „Niemand soll Slalom nach Hause laufen“, sagt Gallo, „und über solche Kleinigkeiten freuen sich die Leute einfach“.
Über eine Bolognese staunt auch niemand mehr
Vermutlich auch über die hübsch anzuschauenden Drinks in allen möglichen Farben, die Gallo zaubert. „Es braucht einen Wow-Effekt“, findet er. In den 1980er Jahren hätten die Deutschen schon über eine gute Bolognese oder Tortellini gestaunt, das sei inzwischen verpufft. Mit guten Drinks sei es ähnlich. Auf seiner Karte stehen „Bollicine“ – darunter fällt alles was blubbert –, daneben „Bitter“ – Drinks mit Aperol oder Campari –, Gin Tonic, Whiskey und Digestive wie Grappa und Limoncello. Wechselnde „Specials“ und mehrere Varianten „senza“, also ohne Alkohol, gehören auch zum Programm. Und was trinkt der Chef am liebsten? „Eigentlich Bier und Wein“, sagt Gallo und grinst. Die Tropfen bezieht er aus Italien von einem Händler in Modena. „Etwas besonderes“, verspricht Gallo.
Vor der Eröffnung hat er noch extra eine „Recherchereise“ in Italien gemacht. Was dort derzeit ankomme, dürfte auch nördlich der Alpen goutiert werden, vermutet er. „Die simplen Sachen, sind oft die besten.“ Apropos: Einfacher hätte es sich Gallo bei seinen Alkoholika und sonstigen Getränken machen können. Das räumt er selbst ein. Möglichst viel bezieht er von regionalen Herstellern, „alles geht leider nicht“.
Die Freundin gab ihm einen Schubs
Dass es Domenico Gallo letztlich überhaupt gewagt hat, die eigene Bar zu eröffnen, das sei auch seiner Freundin Nina Schaaf zu verdanken. Das betont der 37-Jährige immer wieder. „Er hat einen kleinen Schubs gebraucht“, sagt die Informatikerin, deren Bruder das Grävenitz in Ludwigsburg betreibt. Dorthin war Gallo spaziert, als er die „Florian-Stube“, die er nun pachtet, entdeckte.
Im Sommer bei gutem Wetter könnte der Laden ein Selbstläufer werden – und die Terrasse immer voll sein. Das ist gut vorstellbar. Aber im Herbst und Winter bei Schmuddelwetter? Gallo hat das keine Bedenken, sondern schon Pläne. „Dann mache ich Glühwein oder schöne Drinks mit selbst gemachten Sirups. Der Kachelofen funktioniere auch , das wird schön kuschlig“.
Fähnchen wehen am Holzmarkt
Bar
Das Aperigallo, Holzmarktstraße 1 in Ludwigsburg, öffnet dienstags bis freitags um 16 Uhr, am Samstag eine Stunde früher. Sonntags und montags ist Ruhetag. Änderungen werden im Netz und auf Instagram (@aperigallo_lb) bekannt gegeben. Die Drinks kosten fast durch die Bank 7,50 Euro, ein kleines Bier 3,60 Euro. Weine gibt es im Glas (ab 5,50 Euro) und in der Flasche.
Pop-up
Rund um den Obelisken am Holzmarkt haben der dort ansässige Unverpacktladen OhnePlaPla und das Restaurant Hofapotheke in Eigenregie Holzmöbel aufgestellt, vom Obelisken wehen nun bunte Fähnchen. Von der neuen Verweilmöglichkeit sollen die umliegenden Geschäfte profitieren. Bürger konnten sich für derartige Projekte bei der Stadt um einen Zuschuss bewerben. Domenico Gallo ist begeistert: „Der Holzmarkt ist wunderschön, ihn zu beleben ist super.“