Achtung, sperriges Wort, aber schöner Abend: das 2DirtyOldCoolWomenProject macht das Degerlocher Garnisonsschützenhaus zur Performancebühne.
Hier wurde geschossen, zur Übung und auf Menschen. Am Rande des Dornhaldenfriedhofs steht ein Schützenhaus, alt, verloren und verwinkelt, erbaut für die königliche Garnison Stuttgart. An einem solchen Ort kann ein Song von Kurt Cobain schon mal symbolische Wirkung entfalten: „And I swear that I don’t have a gun“ heißt eine Liedzeile aus „Come as you are“.
Mit klirrenden Gitarren und dem Bekenntnis zur Waffenlosigkeit beginnt die Performance, die Petra Weimer und Andrea Leonetti am Garnisonsschützenhaus in Degerloch inszenieren. Band und Schauspieler stehen im verwilderten Garten. Bald beginnt eine Reise, die in ein Totenreich führt. „Are you William Blake?“, ruft eine Stimme. „Do you have Tobacco?“ Dann, gesprochen von einem Chor, ein Gedicht von Dylan Thomas: „Geh nicht zufrieden in die gute Nacht“.
Spiel mit Vorbildern
Als 2DirtyOldCoolWomenProject kündigen Petra Weimer und Andrea Leonetti einen Abend an, der sich dem Schmerz, dem Tod widmen will; Erfahrungen von Vergänglichkeit und Verlust werden beim Gang durch die geschichtsbeladene Landschaft erlebt und ausgedrückt. Weimer und Leonetti stellen sich dabei nicht in den Mittelpunkt – Jürgen Kärcher, Alexandra Mahnke, Valentina Sadiku, Julia Schmutz und Jonathan Springer spielen mit, bringen sich ein mit derselben Konsequenz.
Die beiden schmutzigen, coolen alten Frauen lehnen sich auf, gegen das Schweigen, gegen den Tod. Und sie spielen mit ihren Vorbildern, zitieren Pionierinnen der Performanceszene, Dichter und Filme. Jim Jarmuschs „Dead Man“ (1995) ist ständiger Bezugspunkt; die Gitarre klirrt ein wenig wie jene von Neil Young, und auf einer Wiese nahe dem Schützenhaus wird man Musikern begegnen, die das Lied vom alten Mann singen, der dem jungen Mann so ähnelt. Der Weg führt zum Waldsee nahe dem Schützenhaus, zu einer Lichtung. Überall erlebt das Publikum intensive, knappe Szenen: Tanz, Performance und Musik.
Am Un-Ort
Herz des Labyrinthes aber muss der „Un-Ort“ sein, der alte Lagerplatz, auf dem zur Zeit des Nationalsozialismus Todesurteile vollstreckt wurden. Dort sprechen die Spieler von sich selbst, von ihren Wunden, körperlichen, seelischen: Momente, in denen Grenzen überschritten werden, Schmerz sich löst. „Nie war uns weniger nach Theater zumute als heute Abend“, versprechen Andrea Leonetti und Petra Weimer dem Publikum zu Beginn dieser ungewöhnlich intensiven Begegnung.
2DirtyOldCoolWomenProject. Garnisonsschützenhaus, täglich bis 18. August, 18.30 Uhr