Findet der Dornröschenschlaf der Rappenbaumschule bald ein Ende? Foto: Archiv/Thomas Bischof

Was passiert mit der Grundschule im Darmsheimer Birkleweg? Die Stadt Sindelfingen rechnet für den Teilort mit steigenden Schülerzahlen und bevorzugt den Umzug der Schule an den Rappenbaum.

Fast genau zehn Jahre ist es nun her, dass in der Rappenbaumschule zum letzten Mal die Schulklingel ertönte und Scharen von Schülern durch die Flure zwischen den Klassenzimmern hin- und herwanderten. Abgesehen von einem Intermezzo als Flüchtlingsunterkunft im Jahr 2015 steht das asbestbelastete Gebäude seit dieser Zeit leer. Wenn es nach den Verantwortlichen der Stadt Sindelfingen und dem Ortschaftsrat Darmsheim geht, könnte auf dem Gelände wieder Leben einziehen.

 

Auf einer Pressekonferenz am Dienstag im Rathaus bekräftigten die Sindelfinger Verwaltung den Wunsch, die Grundschule im Birkleweg auf eben dieses Rappenbaum-Gelände zu verlegen. Dazu hatte die Verwaltung eine Schülerzahlprognose, Musterraumplanungen, Machbarkeitsstudien und Grobkostenschätzungen für drei Varianten in Auftrag gegeben.

Neue Schule und neue Sporthalle am Rappenbaum?

Variante eins sieht den teilweisen Abbruch, eine Sanierung und eine Erweiterung der Grundschule Birkleweg vor. In der zweiten Variante würde die Schule abgerissen und an derselben Stelle mit einem Neubau ersetzt werden. Die dritte Option spielt auf dem Rappenbaum-Areal. Dort könnte ein neuer Schulkomplex samt Sporthalle gebaut werden. Die jetzige Grundschule würde, entsprechend dem Gemeinderatsbeschluss von Juli 2021, dorthin umziehen. Auch der Schulverband, in dem mit Böblingen und Sindelfingen beide Städte mitberaten, hat sich im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen.

Erfreulich aus Sindelfinger Sicht fallen die Prognosen über die zu erwarteten Schülerzahlen aus. Ein Gutachten sagt nämlich steigende Zahlen voraus. „Die Nachverdichtung in dem Teilort hat sich in die Richtung entwickelt. Immer mehr Familien haben sich in den vergangenen Jahren dort angesiedelt. Damit erhöht sich auch die Anzahl der Kinder, die in den kommenden Jahren eingeschult werden“, erklärte der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer. Das Melderegister zeige jetzt schon an, dass ab dem Schuljahr 2024/25 drei statt aktuell zwei Eingangsklassen zu organisieren sind. Dann wären drei Klassen pro Jahrgangsstufe vorhanden.

Da die Räumlichkeiten schon jetzt zu beengt und die Erstklässlerzahlen weiter ansteigen, müsse man ohnehin überlegen, wo es für die Grundschüler weitergehen kann. Nach Ansicht der Verwaltung bietet die dritte Variante, die Verlagerung vom Birkleweg an den Rappenbaum, die beste Perspektive. Auch der energetische Aspekt, der bei einem Neubau Teil der Planungen wäre, spreche für den Bau an der Gemarkungsgrenze zwischen Sindelfingen und Böblingen. Die Rappenbaum-Variante würde mit 17,5 Millionen Euro zwar auch finanziell spürbar ins Gewicht fallen, wäre aber im Vergleich zu den anderen Optionen dennoch die günstigste. Während die erste Variante mit Teilabbruch, Sanierung und Erweiterung des Gebäudes nach Schätzungen zwischen 18,7 und 19,2 Millionen Euro kosten würde, beziffert die Stadt die zweite, die Schule komplett abzureißen und neuzubauen, auf Kosten von 20,3 Millionen Euro. Ebenfalls Teil der Planungen sind die Sporthallen im Birkleweg und am Rappenbaum. Jene im Birkleweg könnte bei der Lösung „Schulneubau am Rappenbaum“ abgerissen werden. Dafür könnte sich zu der jetzigen, sanierungsbedürftigen Rappenbaum-Sporthalle eine größere Halle hinzugesellen. Ebenso möglich wäre eine große Halle, die die beiden „alten“ ersetzen würde.

Stadt favorisiert Rappenbaum-Lösung

Wie geht es mit den Sporthallen weiter?

In der Frage der Sporthallen wie auch eines möglichen Schulneubaus sind weitere Abstimmungen mit dem Schulverband vorgesehen – die nächste am Freitag. Misstöne aus der Nachbarstadt erwarten die Sindelfinger jedenfalls nicht. „Wenn wir hier gegen die Interessen Böblingens agieren würden, hätte ich diesen Vorschlag nicht gemacht“, unterstreicht Vöhringer.

Schule als Zankapfel

Schülerrückgang
 Die Rappenbaum-Hauptschule Dagersheim/Darmsheim wurde 1974 eröffnet. Über die Jahre sanken die Schülerzahlen so stark, dass die Einrichtung im Sommer 2012 schließen musste.

Notunterkunft
 Von Frühjahr 2015 bis Ende 2016 waren in den Klassenzimmern Flüchtlinge untergebracht.

Konflikt
 Ab Anfang 2017 stand die Schule leer und wurde zum Zankapfel zwischen den Städten und ihren Teilorten. Denn Träger der Einrichtung sind Böblingen und Sindelfingen im Zweckverband gemeinsam. Was immer wieder zu einem großen (und unbeliebten) Abstimmungsbedarf führt.

Pläne
 Die Darmsheimer forderten früh, dass ihre sanierungsbedürftige Birkleweg-Grundschule dorthin verlagert wird. Im Sindelfinger Rathaus plädierte man lange eher für eine Sanierung am Birkleweg. Die Dagersheimer wiederum sähen lieber eine weiterführende Schule am Rappenbaum, was wiederum nicht vom Schulamt unterstützt wird.

Abriss
 Im Juli 2021 beschloss der Schulzweckverband schließlich den Abriss der Rappenbaumschule. Mehrzweckhalle und Hallenbad sollen für einen Millionenbetrag saniert oder neu gebaut werden.