Zahlreiche Taxifahrer haben sich im vergangenen Jahr in Stuttgart und anderen deutschen Städten versammelt, um gegen neue Konkurrenten zu protestieren Foto: /Lichtgut/Leif Piechowski

Der Beförderungsmarkt ist in Bewegung. Noch kämpfen Taxibranche und der US-Anbieter Uber gegeneinander, da taucht schon der nächste Mitkonkurrent auf. Diesmal plant Daimler ein neues Angebot. Das sorgt für Aufregung.

Stuttgart - Es ist ein zähes Ringen um jedes Stück vom Kuchen. Wo es einstmals nur Taxis gab, tummeln sich jetzt jede Menge Anbieter. Sie kommen und gehen – und mancher muss wegen illegaler Angebote von den Gerichten ausgebremst werden. So wie zuletzt der US-Konzern Uber.

Der bietet seit November auch in Stuttgart und der Region seine Dienste an. Zum einen kann man über die Uber-App normale Taxifahrten buchen, zum anderen aber auch sogenannte Mietwagen bestellen. Die haben kein Taxi-Schild und dürfen keine Fahrgäste auf der Straße einsammeln. Sie müssen vorgebucht werden und nach der Fahrt zum Betriebssitz zurückkehren. Uber sieht sich dabei als reiner Vermittler – und ist vom Frankfurter Landgericht kurz vor Weihnachten gestoppt worden. Das Unternehmen trete als Personenbeförderungsunternehmen auf und brauche deshalb eine Erlaubnis. Das Mietwagenangebot wurde damit bundesweit untersagt.

Doch Uber fährt trotzdem weiter – auch in Stuttgart. „Wir bieten unseren Partnern und Nutzern weiterhin unseren Service an“, sagt ein Sprecher. Man habe noch einen Tag vor Weihnachten das Konzept geändert. Seither arbeite man nur noch mit einem Mietwagenpartner zusammen, Fahrgäste sollen vor jeder Fahrt darüber informiert werden, welches Unternehmen gerade den Auftrag übernommen hat.

58 Verstöße an einem Wochenende gezählt

In der Taxibranche sieht man das als Täuschungsversuch, der nicht greifen kann. „Die Vermittlung läuft nach wie vor über die bisherige App. Die machen illegal weiter“, sagt ein Sprecher von Taxi Deutschland. Der Zusammenschluss von Taxi-Zentralen hatte gegen Uber geklagt. Und sammelt jetzt Verstöße, um Bußgelder erwirken zu können.

Das ist auch in Stuttgart der Fall. „Besonders die Rückkehrpflicht an den Betriebssitz interessiert Uber nicht“, sagt Iordanis Georgiadis von der Taxi-Auto-Zentrale, die in der Stadt die meisten Taxifahrten vermittelt. Alleine am vorletzten Wochenende habe man 58 Verstöße von Uber gesammelt. Darunter sei auch das illegale Warten auf Fahrgäste an der Straße gewesen. „Wir haben die Verstöße sowohl an das Ordnungsamt als auch an Taxi Deutschland geschickt“, so Georgiadis.

Bei der Stadt bestätigt man, dass „seit der Betriebsaufnahme von Uber entsprechende Anzeigen eingegangen sind“. Das Problem dabei: Die betroffenen Subunternehmen sind allesamt nicht in Stuttgart gemeldet. Deshalb habe man Kontakt mit den jeweiligen Behörden vor Ort aufgenommen, um sich abzustimmen, wer die Anzeigen weiterverfolgt. Zudem sei für Mitte Februar ein Gespräch mit Uber angesetzt. Dabei wolle das Unternehmen sein umgestelltes Geschäftsmodell vorstellen.

Neuer Konkurrent sucht bereits Fahrer

Doch inzwischen kündigt sich auf dem Beförderungsmarkt bereits der nächste Konflikt an. Und dabei mischen zwei große deutsche Konzerne mit. Daimler und BMW betreiben inzwischen gemeinsam eine Taxi-App, die früher mal mytaxi hieß und sich jetzt Free Now nennt. Damit kann man bisher – auch in Stuttgart – Taxis bestellen. Doch seit kurzem betätigt sich die Konzerntochter mit dem neuen Angebot Free Now Ride auch als Mietwagenvermittler. Das Konzept ähnelt dem von Uber. Bisher läuft es in sechs deutschen Städten.

Stuttgart dürfte einer der nächsten Standorte sein. „Stuttgart ist und bleibt ein attraktiver Markt für uns. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht“, sagt Sprecher Falk Sluga. Vor Ort klingt das allerdings etwas anders. „Es hat Kontakte zwischen der Genehmigungsbehörde und Free Now gegeben“, bestätigt man bei der Stadt. Dabei geht es um die Frage, ob eine Genehmigung notwendig ist. „Ein konkreter, schriftlicher Antrag liegt noch nicht vor“, heißt es im Rathaus. In Taxikreisen geht man allerdings von einem geplanten Starttermin im Frühjahr aus. Free Now suche bereits nach Subunternehmern in der Region.

Daimler fühlt sich rechtssicher

Befürchtungen, dass man mit dem Angebot ähnliche Probleme wie Uber bekommen könnte, hegt man bei Free Now mit Sitz in Hamburg offenbar nicht. „Wie bei allen unseren Angeboten erfüllen wir auch mit Ride die Voraussetzungen des jeweiligen Marktes“, betont Sluga. Vor jedem Start und im laufenden Prozess gehe man immer mit den zuständigen Genehmigungsbehörden ins Gespräch, „um sowohl unseren Fahrgästen als auch unseren Fahrern einen sicheren, transparenten und vor allem regelkonformen Qualitätsservice bieten zu können“.

Dem Vernehmen nach denkt die Taxibranche bereits über ein juristisches Vorgehen auch gegen Free Now Ride nach. Bei der Stadt Stuttgart hofft man, dass sich die Wogen irgendwann glätten: „Wir haben den Vorschlag gemacht, dass Free Now und Taxigewerbe gegenseitig das Gespräch suchen“, heißt es im Rathaus.