Es ist zu begrüßen, dass immer mehr Hersteller in die Produktion von Brennstoff- und Batteriezellen gehen, meint Markus Grabitz. Doch es lauern auch Gefahren.
Stuttgart - Die Autohersteller schlagen ein neues Kapitel in ihrer Strategie für mehr Klimaschutz im Verkehr auf. Bislang hatten die deutschen, mit dem Verbrennungsmotor groß gewordenen Hersteller bei den CO2-freien Antrieben eher einen Bogen um die Batteriezellen für die E-Autos und um die Aggregate für die Brennstoffzelle gemacht. Das ändert sich jetzt. Sie wollen das Geschäft mit den teuersten Bauteilen der Zukunftsmobilität nicht mehr den asiatischen Zulieferern überlassen, sondern mischen selbst mit. Ein Hersteller nach dem anderen steigt in die Produktion von Batteriezellen oder Brennstoffzellen-Aggregaten ein. VW, Porsche, Daimler sie alle tun es – nur BMW bislang (noch) nicht.
Für Trucks ist die Brennstoffzelle interessant
Während die E-Mobilität beim Pkw das Rennen zu machen scheint, ist bei den schweren Lastwagen auf der Ferndistanz auch die Wasserstofftechnologie interessant. Bei Distanzen von mehr als 500 Kilometern würden im Gütertransport die Batterien zu schwer. Auch die CO2-Bilanz sähe bei der Produktion der für schwere Trucks benötigten riesigen Batteriezellen nicht mehr so gut aus. Daher ist es sinnvoll, dass die Marke mit dem Stern nun mit einem Partner in die fabrikmäßige Großproduktion von Brennstoffzellen einsteigen will.
Die Kurskorrektur ist nicht nur stimmig, sondern auch aus Sicht der Volkswirtschaft zu begrüßen. Denn mit dieser Strategie werden Wertschöpfung und Jobs im Automobilbau in den Regionen gehalten, wo die deutsche Schlüsselindustrie seit über hundert Jahren erfolgreich ist und für viel Wohlstand gesorgt hat.
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Die Ansiedlung von Fabriken für die Fertigung von Brennstoffzellen in großindustriellem Maßstab vollzieht sich in Europa und nicht in Regionen, wo die Lohnkosten niedriger sind. Ein Grund: hohe Summen an Subventionen sind im Spiel. Der deutsche Steuerzahler schiebt die Transformation mit Milliardengeldern an. Und die EU-Kommission drückt alle Augen beim Wettbewerbsrecht zu, um zu gewährleisten, dass in Europa ein Champion der Wasserstofftechnologie entstehen kann.
Doch es lauern auch Gefahren: In der Vergangenheit ist mehr als eine Technologie durch Kampagnen von interessierter Seite kaputtgemacht worden. Hier ist etwa an die Diesel- sowie Hybrid-Technologie zu denken. Nicht immer waren die Argumente überzeugend. Jetzt formiert sich bereits der Widerstand gegen die Brennstoffzelle. Umweltschützer bemängeln, dass beim Prozess der Energiegewinnung im Aggregat Edelmetalle mit Wasser in Berührung kommen und über Umwege ins Trinkwasser geraten könnten. Es bleibt nur zu hoffen, dass da nicht schon wieder einer hoffnungsvollen Technologie der Garaus gemacht werden soll.