Zum Essen in Weiß, „Dîner en Blanc“ genannt, haben sich viele einander unbekannte Menschen in Weil der Stadt getroffen. Was macht diese Massenpicknicks aus? Ein Besuch vor Ort.
Es ist 16 Uhr. Die Sonne scheint auf die Tische auf dem neugestalteten Marktplatz. Weiße Tischtücher und weiß überzogene Stehtische erzeugen ein festliches Ambiente unter dem Keplerdenkmal. Zwischen den Gestecken mit den weißen Rosen stehen weiße Teelichter. Eine leichte Brise lässt die Luftballone, alle in Weiß, hin und her fliegen. Die Tische wurden mit Blumen und Kerzen dekoriert. Meist weiß sind auch die Teller, Tassen, Kaffeekannen, Wein- und Sektkühler, die sich die Dinnergäste mitgebracht haben. Ein Paar sitzt sogar unter einem weißen Schirm und prostet sich zu.
Essen muss selbst mitgebracht werden
„Wir wollen zusammen mit unseren Freunden Kaffee trinken und die Atmosphäre genießen“, sagt Elke Schneider, die wie die meisten ein weißes Shirt und eine weiße Hose trägt. Auch die Hüte passen wunderbar ins Bild, die einige Gäste vor den Sonnenstrahlen schützen. „Wir wünschen uns, dass viele in Weiß zum ersten „Dîner en Blanc“ kommen“, hatte der Citymanager der Stadt, Markus Wagner, im Vorfeld erklärt. Da man sich für das Zusammensitzen unter freiem Himmel nicht anmelden musste, dürfte er sich über die Gäste freuen, die nach und nach eintrudeln, bepackt mit Körben, Kühltruhen oder Tüten und Schachteln vom Bäcker.
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Jürgen Katz, Erster Beigeordneter der Stadt, hatte die Idee fürs Picknick als Belebung des Marktplatzes aufgebracht. Markus Wagner, der auch für die Wirtschaftsförderung verantwortlich ist, setzte sie dann mit seinem Team um. „Ursprünglich haben gleich mehrere Gastronomiebetriebe etwas zum Essen für das Event angeboten“, weiß der Citymanager, der bedauert, dass diese Angebote aufgrund der geringen Nachfrage dann wieder fallengelassen werden mussten.
Im Laufe des Nachmittags wird es voller
Da passt es, dass vor drei Wochen das neue Café am Marktplatz My story cake eröffnet hat, aus dem immer wieder weiß gekleidete Menschen kommen. Dort gibt es glutenfreies, laktosefreies und teilweise auch veganes Essen. Auch Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten haben eine Auswahl an Broten, Brötchen, Kuchen und anderen Leckereien. Die Betreiberin Napsugar Pavlovic, die ebenfalls individuelle Anforderungen berücksichtigt, backt alles zuckerreduziert, denn ihre Philosophie lautet: „Wir lassen weg, was man nicht braucht.“
Inzwischen ist es kurz nach 17 Uhr und die passende Loungemusik setzt ein. An einem Tisch wird der mitgebrachte Picknickkorb geleert und der Rhabarberkuchen auf den Tisch gestellt. Eine Frau trägt eine Etagere mit Kleinigkeiten zu einem der Tische. Die Tische füllen sich immer mehr, man rückt zusammen. Das „Dîner en Blanc“ kommt an. Wie gut, dass der Weiler Strandsommer in diesem Jahr wieder fest eingeplant ist; vom 16. Juli bis 14. August.
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