So war’s einmal: Messeherbst im Jahr 2019, das für viele Menschen inzwischen so weit weg erscheint. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Insgeheim haben es viele genau so kommen sehen, jetzt ist es Realität: Die Messe Stuttgart bleibt erst einmal zu. Stimmen aus Branchen auf den Fildern, die diese Neuigkeit besonders hart trifft.

Filder/Esslingen - Die schlechte Nachricht hat Stephan Grupp im Urlaub erreicht. Er ist nicht nach Österreich gereist, um sich etwa von einem arbeitsreichen Jahr zu erholen, sondern um alles vorübergehend hinter sich zu lassen. Und dann hat es ihn doch wieder eingeholt. Der Messebauer aus Stuttgart-Plieningen hat erfahren, dass der Messeherbst dieses Jahr gestrichen ist. Damit folgt auf acht Monate mit jeweils null Euro Einnahmen, wie er sagt, eine weiterhin ungewisse Zeit.

Am Montag hat die Stuttgarter Landesmesse bekannt gegeben, was die meisten ohnehin befürchtet hatten, seitdem sich die Corona-Lage wieder verschärft. Der Messeherbst ist abgesagt; er sollte vom 19. bis 22. November in einem ohnehin abgespeckten Rahmen stattfinden. 700 Aussteller haben sich laut Messe daran beteiligen wollen.

Der Grund sind die aktuellen Infektionszahlen

„Die positiven Entwicklungen der vergangenen Monate sowie zahlreiche in der gesamten Republik durchgeführte Messen haben gezeigt: Messen in Deutschland sind mit entsprechenden Sicherheits- und Hygienekonzepten für alle Beteiligten sicher umsetzbar“, lässt sich Guido von Vacano, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe, zitieren. „Deshalb haben auch wir die Planungen für den Stuttgarter Messeherbst mit aller Kraft und voller Zuversicht vorangetrieben.“ Die aktuellen Infektionszahlen würden dies aber nicht mehr zulassen.

Für Leute wie Stephan Grupp waren die Herbstmessen ein kleiner Lichtblick nach einem Totalausfall, der Ende Februar seinen Lauf nahm. Nun ist es wieder dunkel am Ende des Tunnels. Überrascht sei er trotzdem nicht gewesen, erzählt der 55-jährige Plieninger, bei dessen Messebaufirma 25 Mitarbeiter beschäftigt sind. Sie alle seien in Kurzarbeit, würden sich mit 450-Euro-Nebenjobs über Wasser halten. Kam ihm denn in den vergangenen acht Monaten nie der Gedanke, das Messegeschäft an den Nagel zu hängen und beruflich lieber umzuschwenken? Nein, sagt Stephan Grupp, ohne lange nachzudenken. „Ich halte an meinem Unternehmen fest, es ist mein Baby“, sagt er. Er mache das seit 33 Jahren – und könne auch nichts anderes. „Das Spiel ist vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift.“

Orientiert er sich beruflich um?

Die Messebauer sind nicht die einzige Branche, die die Absage des Messeherbstes nun hart trifft. Auch Hotels gehören zu denen, die in normalen Zeiten von den Messen profitieren – und nun eben besonders darben. So zum Beispiel das Hotel Filderhof, das in Echterdingen 31 Zimmer anbietet.

Vielleicht wieder Kurzarbeit

Die Betten seien normalerweise schon ein, zwei Jahre im Voraus der jeweiligen Messen ausgebucht, sagt die Hotel-Leiterin Helene Deifel. So war es auch für dieses Jahr Ende November. Inzwischen sei alles wieder storniert worden. Aktuell sei immerhin die Hälfte der Betten vergeben, an Monteure oder Geschäftsreisende, wobei Letztere spürbar weniger geworden seien, sagt sie. „Es ist eine sehr schwierige Situation“, sagt Helene Deifel. Es könne passieren, dass Kollegen wieder in Kurzarbeit geschickt werden müssten. Die Zeit von April bis Juni hätten sie dieses Jahr vor allem für Büroarbeit und Renovierungen im Hotel genutzt. „Da müssen wir jetzt durch“, sagt Helene Deifel.

Stephan Grupp, der Messebauer aus Plieningen, hat sich ebenfalls vorgenommen, positiv gestimmt zu bleiben. Trotz allem. Auch wenn er nicht damit rechnet, dass das Geschäft bereits im Frühjahr 2021 wieder normal läuft. „Dann hoffen wir eben auf den Herbst“, sagt er. Und im Hoffen ist er ja jetzt Meister.

Die schriftliche Mitteilung zur Absage des Messeherbstes jedenfalls versucht, zuversichtlich zu enden: „Der nächste Stuttgarter Messeherbst findet vom 18. bis 21. November 2021 statt.“

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