Das Jugendcafé ist zu, genau wie das Rathaus gegenüber. Foto: factum/Andreas Weise

Auch in Sindelfingen liegt das öffentliche Leben lahm: Bis Ende April schließen wegen des Coronavirus alle Einrichtungen in der Stadt, auch die Rathäuser. Bars, Kinos und Clubs werden zugemacht.

Sindelfingen - Auch die Stadt Sindelfingen sagt wegen des grassierenden Coronavirus alle städtischen Veranstaltungen ab und schließt alle Sporthallen, Jugendtreffs, Schwimmbäder, Kultureinrichtungen und Bars. Lange hatte am Freitag der Krisenstab getagt. Spät am Abend kam dann die Pressemitteilung. Am Samstag folgte eine weitere: Auch das Rathaus sowie die Bezirksämter in den Stadtteilen sind für Besucher in den kommenden Wochen geschlossen. Dringende persönliche Termine müssen im Vorfeld telefonisch unter der Nummer 0 70 31 /9 40 oder per E-Mail mit den jeweiligen Ämtern vereinbart werden.

Die Schließungen in Sindelfingen sind sogar für fast sieben Wochen angeordnet – deutlich länger als in den meisten anderen Städten. Bereits einige Stunden zuvor hatte die Nachbarstadt Böblingen mitgeteilt, dass das öffentliche Leben von Montag an praktisch lahmgelegt werde. Auch dort fallen alle Veranstaltungen aus, auch dort und schließen Rathäuser, Museen und sämtliche andere öffentlichen Einrichtungen – allerdings vorerst nur bis 19. April, zwei Wochen kürzer als in Sindelfingen.

Pause auch für Sportler und Schwimmer

Konkret werden in Sindelfingen folgende Einrichtungen zugemacht: Kultureinrichtungen jeglicher Art, insbesondere Museen und Galerien, Theater, Freilichttheater, Kinos, Schwimm- und Hallenbäder und Saunen, Volkshochschulen und Jugendhäuser, Jugendfarm, Stadtteiltreffs, Abenteuerspielplätze, Bibliotheken und ihre Zweigstellen. Außerdem werden sämtliche Vergnügungsstätten, Diskotheken, Prostitutionsbetriebe, Bars, Shisha-Bars und Nachtlokale, Turn- und Sporthallen, sowie die Schule für Musik Theater und Tanz (SMTT) geschlossen. Die städtischen Bürgertreffs und Stadtteiltreffs, Festhallen und Veranstaltungsräume sind alle bis Ende April dicht.

Der einzige Treffpunkt für Bürger dürfte in den kommenden Wochen sowohl in Böblingen als auch in Sindelfingen der Wochenmarkt sein. Dieser soll weiterhin stattfinden, da er der Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln dient. Auch die Restaurants bleiben geöffnet. „Wir wissen, dass diese Entscheidung weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben hat und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt in ihrem Alltag stark einschränkt, aber sie ist die einzig logische Konsequenz, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus einzudämmen“, erklärt der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und wirbt um Verständnis für die harten Eingriffe in den Alltag. „Nur wenn wir im öffentlichen und auch im privaten Bereich konsequent die Anzahl der Kontakte reduzieren, können wir sicherstellen, dass die Zahl der Infizierten nicht exponentiell ansteigt.“ Und er appelliert an alle Bürger: „Ich bitte Sie, auch in diesen schwierigen Zeiten besonnen und solidarisch zu handeln und zu überlegen, wie Sie anderen, und insbesondere Menschen, die Unterstützung brauchen, helfen können.“

Notbetreuung nur für Kinder, deren Eltern in der Krise unentbehrlich sind

Wie bereits berichtet, schließen von Dienstag an auch sämtliche Schulen und Kindertagesstätten im ganzen Land. Dies hatte die Landesregierung am Freitag angeordnet. Um die Betreuung der Kinder von Eltern zu sichern, die in Pflegeberufen oder anderen zur Bewältigung der Corona-Krise wichtigen Positionen tätig sind, will die Stadt eine Notbetreuung einrichten. „Eine Notfallbetreuung kann angeboten werden für Kinder, bei denen beide Elternteile oder der alleinerziehende Elternteil im medizinischen Bereich oder der Pflege, im Bundesgrenz- oder Bevölkerungsschutz, im hoheitlichen Bereich der Verwaltung oder dem Gesundheitsamt, in kritischen Infrastrukturbereichen der Verwaltung auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene sowie dem ÖPNV oder der Lebensmittelbranche tätig sind“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. Betroffene Familien können sich telefonisch oder per E-Mail von Montag, 14 Uhr, an, melden (jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr unter der Nummer 07031/94-600 oder per E-Mail an notbetreuung-kita@sindelfingen.de).

Für Montag hat die Stadt eine Pressekonferenz angekündigt, bei der der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer sowie Mitglieder des Corona-Krisenstabs weitere Informationen geben werden. Auf seiner Facebookseite erklärt Vöhringer bereits die Absagen und Schließungen.

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