Die Mitarbeiter des Café Kaiserbau dürfen ihre Kunden wieder an Tischen bedienen. Eis von der Gelateria gibt es weiterhin nur zum Mitnehmen. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Seit wenigen Tagen gelten gelockerte Regeln in Stuttgarter Cafés und Eisdielen. Dolce Vita herrscht aber noch nicht. Eine zweite Corona-Welle würde für etliche Gastronomen den Genickbruch bedeuten.

Stuttgart - Für die zwei Paare aus Fellbach, die an einem der Tische vor dem Café Kaiserbau am Marienplatz sitzen, ist es ein besonderer Tag. „Wir sehen uns zum ersten Mal wieder seit März“, sagt Sylvia Aldinger (52). Für dieses Wiedersehen haben sie sich den Stuttgarter Blaustrümpflerweg vorgenommen. Doch zuerst einmal gibt es einen Espresso zur Stärkung. „Man hat schon ein mulmiges Gefühl, plötzlich wieder in einem Café zu sitzen“, sagt Avanelle Dieterich (57). Da hilft auch der vergrößerte Abstand zwischen den Tischen wenig. „Drinnen würden wir uns noch nicht hinsetzen. Die befürchtete zweite Welle wäre das Schlimmste, was passieren kann“, sagt Jörg Aldinger (54).

Eine zweite Welle wäre der Genickbruch

Für Francesco Troiano würde eine zweite Welle wohl den Genickbruch bedeuten, gibt er zu. Troiano ist der Inhaber des Cafés Kaiserbau und der benachbarten Gelateria, außerdem verantwortet er die beliebte Pizzeria L.A. Signorina mit. „Wir machen zurzeit etwa 50 Prozent des normalen Umsatzes, an schönen Tagen vielleicht 60 Prozent.“ Und der verlorene Umsatz aus der Phase, in der sie nicht öffnen durften, lasse sich nicht aufholen.

Seit wenigen Tagen gelten in der Gastronomie gelockerte Regeln. Allerdings dürfen nur die Bars und Cafés ihre Gäste an Tischen bedienen, die als Speisewirtschaft gelistet sind. Deshalb wird bei der Gelateria Kaiserbau auch weiterhin nur Eis zum Mitnehmen angeboten. Die Tische draußen sind nur für Besucher des Cafés. „Wir dürfen aber viel weniger Tische als normalerweise aufstellen, um den Abstand einzuhalten.“ Und nach jedem Gast müssen Tisch und Stühle desinfiziert werden. Immerhin: An sonnigen Tagen herrscht wieder das altbekannte Bild vor der Gelateria; durch die Abstandsregel stehen die Leute nun teilweise über den gesamten Marienplatz Schlange. „Unsere Kunden verhalten sich vorbildlich, die meisten halten sogar mehr Abstand als sie müssten“, sagt Francesco Troiano.

Am Bismarckplatz ist es wieder lebendiger

Auch Donatella Conte vom Eiscafé Fragola am Bismarckplatz in Stuttgart-West lobt ihre Kunden. „Alle sind sehr vorsichtig und passen gut auf.“ Viele der Stammkunden seien auch in den vergangenen Wochen täglich gekommen, um einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen. „Ich bin aber froh, dass wir jetzt wieder die Tische draußen aufstellen durften.“ Auch wenn es nur halb so viele Tische wie normalerweise seien, „es ist jetzt wieder lebendiger hier“, sagt Donatella Conte.

Eine der Stammkundinnen sitzt mit ihrem Sohn an einem der fünf Tische draußen. Stella Maris Culture (50) kommt seit 15 Jahren jeden Tag, sagt sie, sie wohnt nur 50 Meter vom Eiscafé Fragola entfernt. „Als die Tische noch nicht standen, habe ich mir einen Kaffee mitgenommen oder mich auf die Wiese davor gesetzt.“ Sie sei froh, dass es sich nun langsam wieder nach Normalität anfühle: „Am Anfang der Pandemie war es wie tot hier. Einmal musste ich sogar heulen, weil mich das so traurig gemacht hat“, gibt sie zu.

Biergarten-Konzept im Café Da

Auch im Café Da in der Innenstadt hat seit Freitag die Außenterrasse wieder geöffnet, der Innenraum bleibt gesperrt. „Weil der Gastraum lang gezogen und eher eng ist, könnten wir den Mindestabstand dort kaum einhalten, das wäre zu gefährlich“, erläutert Arnim Emrich. „Wir haben nun ein Konzept wie in einem Biergarten: Man bestellt am Fenster, nimmt an einem der Tische draußen Platz und holt sein Essen ab, wenn es ausgerufen wird.“

Parallel wartet das Paar auf Rückmeldung der Stadt, ob sie ihre Außenfläche etwas vergrößern können, sodass dort mehr als drei Doppeltische hinpassen. Über die Erweiterung wäre das Paar auch deshalb dankbar, weil die vergangenen Wochen nicht einfach waren. Viele würden eben deshalb ins Café gehen, weil sie sich gemütlich hinsetzen und aus einer Porzellantasse trinken wollten – und nicht, um sich ein Stück Kuchen mitzunehmen, weiß Arnim Emrich. „Was aber schön war: Es gab lauter nette, kleine Gesten.“ Manche hätten für das Café Da gespendet, andere hätten Gutscheine für die Nach-Corona-Zeit gekauft, und manche hätten seiner Frau sogar Blumen geschenkt. „Wir haben plötzlich Solidarität erlebt.“

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