Ausgelassen ohne Abstand: So wird die Fasnet diesmal nicht aussehen. Foto: Lichtgut/Leif-Henrik Piechowski

Die Narren in der Region Stuttgart sind wütend über die Coronavorgaben des Landes – vor allem die 2-G- und 3-G-Regeln werden zum Zankapfel. In Neuhausen wurde der Umzug bereits abgesagt, auch andernorts wird es eng.

Neuhausen/Wernau/Weil der Stadt - Die schlechte Nachricht vorneweg: In Neuhausen auf den Fildern wurde der Umzug, zu dem vor Corona bis zu 35 000 Zuschauer kamen, wegen der Coronapandemie abgesagt. Auch auf den Kinderumzug am Faschingsdienstag sowie den Hexentanz am Schmotzigen Donnerstag wird verzichtet, ebenso auf Besuche bei anderen Umzügen. Trotz allem wird auch in Neuhausen an diesem Donnerstag die Fasnetsaison eingeläutet: Bei der Auftaktsitzung werden die Prinzenpaare vorgestellt, es gibt Tanz, Büttenreden, Sketche, Musik. Für die kommenden Monate sind weitere Prunksitzungen geplant.

 

In Wernau wird noch mit Umzug geplant

Ob man es Fasnet, Fasnacht oder Karneval nennt – von Normalität kann zum Beginn der närrischen Zeit keine Rede sein. Weder in Neuhausen noch in den anderen Fasnethochburgen der Region. „Corona hat uns immer noch fest im Griff“, sagt Markus Mirbauer, der Vorstand der Wernauer Narren. Noch plant man dort mit einem Umzug. 78 Gruppen haben bereits zugesagt, was rund 2500 Teilnehmern entspricht. „Und es kommen jeden Tag mehr Anfragen“, sagt Mirbauer. Klar sei aber, dass ein Umzug mit 2-G- oder auch 3-G-Regel „völlig utopisch“ wäre.

Denn dafür müsste die Strecke zu allen Seiten abgesperrt werden, „das wäre exorbitant teuer“. Mache das baden-württembergische Sozialministerium bis dahin keine „realistischeren Vorgaben“, werde auch der Umzug in Wernau ausfallen, sagt Mirbauer.

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Weil viele Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen behandelt werden müssen, gilt im Land die Warnstufe. Das bedeutet, dass bei öffentlichen Veranstaltungen – auch im Freien – die 3-G-Regel greift: Teilnehmer müssen getestet, geimpft oder genesen sein. Und weil die Zahl der Patienten stetig ansteigt, wird aller Voraussicht nach bald die Alarmstufe ausgerufen – mit noch strengeren Regeln. Dann sind nur noch Geimpfte und Genesene erlaubt, also 2 G.

Ärger, weil bei Weihnachtsmärkten andere Regeln gelten

Noch sind es mehrere Wochen bis zum Höhepunkt der Fasnet, aber selbst wenn die Zahlen bis dahin deutlich sinken, wird es eng für Umzüge und Großveranstaltungen. Auch in der eher unkritischen Corona-Basisstufe greift die 3-G-Vorgabe, sobald im Freien mehr als 5000 Menschen zusammenkommen. „Zum Umzug in Wernau kommen um die 20 000 Menschen“, sagt Mirbauer. „Allerdings sitzen oder stehen die ja nicht direkt nebeneinander, sondern verteilen sich auf zwei Kilometer.“ Viele Fasnetvereine ärgern sich deshalb über die ihrer Ansicht nach laxeren Regeln für Weihnachtsmärkte: Dort brauchen Besucher voraussichtlich nur dann einen Nachweis, wenn sie an einem Stand Lebensmittel verzehren.

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Nicht nur deshalb kritisiert Mirbauer die bisherigen Vorgaben für die Fasnet: Sie seien zu pauschal gehalten, nicht verhältnismäßig. Zum einen sei die schwäbisch-alemannische Fasnet Weltkulturerbe, zum anderen drohe vielen Vereinen der „Exodus“, wenn diese erneut ausfalle. Er hofft auf „zielführende Maßnahmen“, das heißt für ihn: Maskenpflicht für Zuschauer, 3-G-Vorgabe für die Narrenvereine, Desinfektionsmittelspender bei allen Veranstaltungen.

Vieles in Wernau soll draußen statt drinnen stattfinden

Falls der große Umzug abgesagt werden muss, wollen die Wernauer eine kleine, alternative Open-Air-Veranstaltung machen. Ansonsten haben sie vieles nach draußen verlegt: das Häs-Abstauben, den Schulsturm, den Rathaussturm, den Hexentanz, das Narrengericht und das Fasnetbegräbnis. Hallenveranstaltungen wird es wohl keine geben, weil diese mit abgespeckter Kapazität unwirtschaftlich und wenig stimmungsvoll wären. Zudem lehnen die Narren die 2-G-Regel ab, auch zu 2-G-Veranstaltungen von anderen Vereinen fahren sie nicht. „Ein Verein muss vereinen. Und ich will nicht, dass Ungeimpfte dann zu Hause bleiben“, sagt Markus Mirbauer – der selbst geimpft ist.

In Weil der Stadt wartet man noch ab

Noch höchst unklar sind die Pläne für Weil der Stadt, eine Fasnethochburg im Kreis Böblingen. „Wir würden gerne einen Umzug machen“, erklärt Frank Gann, der Vorstand der Narrenzunft AHA. „Aber wenn das nur mit 2 G oder 3 G geht, müssten wir einen Stadtteil absperren. Und dann stellt sich die Frage: Was macht man mit den Menschen, die dort leben?“

Noch schwieriger ist die Organisation von Veranstaltungen, die nicht im Freien stattfinden: „Möglicherweise können wir mit der 2-G-Regel und einer niedrigeren Auslastung Hallenveranstaltungen durchführen, aber bisher ist alles unter Vorbehalt.“ Die Narren hatten sich intensiv und mit großer Vorfreude auf die Saison vorbereitet. Alles sollte so werden, wie es vor Corona war. Das ist nun nicht mehr möglich. In welcher Form genau gefeiert werde, sei völlig unklar, sagt Gann. „Auf jeden Fall im Freien.“

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