Kinobetreiber Heinz Lochmann ist bundesweit mit seinen Filmtheatern präsent – eine Zeit wie diese hat er in seiner langen Karriere noch nicht erlebt. Foto: Gottfried Stoppel

Quer durch die Republik hat Corona die Filmtheater hart getroffen. Auch Esslingens Kommunales Kino und der örtliche Traumpalast leiden unter der Pandemie, weil das Publikum längst nicht so zahlreich wie gewohnt kommt.

Esslingen - Der Filmtheaterbranche setzt die Coronakrise tüchtig zu – und ein Ende scheint nicht in Sicht. Kino-Unternehmer Heinz Lochmann, der auch den Esslinger Traumpalast betreibt, beginnt angesichts ständig neuer Regelungen an seinem Optimismus zu zweifeln, und das Kommunale Kino (Koki) Esslingen reduziert seine Öffnungstage vorerst bis Ende Februar auf Donnerstag bis Sonntag, weil die Besucherzahlen eklatant eingebrochen sind. Diese Entscheidung sei den Verantwortlichen überaus schwer gefallen, betont die Geschäftsführerin Sibylle Tejkl: „Wir haben uns das wirklich nicht leicht gemacht, aber so können wir wenigstens einen Teil der Personal- und Betriebskosten einsparen. Angesichts der Befürchtungen, dass die Inzidenzen in den nächsten Tagen weiter stark ansteigen werden, wäre es wirtschaftlich betrachtet vermutlich sogar sinnvoll, wenn wir ganz schließen würden.“

 

Vorsichtige Besucher

Die Zahlen sprechen für sich. Im Vergleich zu 2019 verzeichnete das Kommunale Kino für das Jahr 2021 nur rund ein Fünftel der Besucherzahlen: „Das ist bitter, aber wir können es den Leuten nicht verdenken. Auch momentan sind viele wieder sehr vorsichtig und gehen nur noch für das absolut Notwendige vor die Tür. Für sie ist ein Kinobesuch im Moment ein verzichtbares Event“, so Sibylle Tejkl, die wie ihre beiden hauptamtlichen Kollegen wieder in Kurzarbeit ist. Dabei stellen die Koki-Macher die bestehenden Regelungen keineswegs in Frage. „Kritisch sehen wir allerdings das Vorgehen der Landesregierung, 2G plus auch außerhalb neuer Coronaverordnungen stetig neu zu interpretieren und zu verkomplizieren. Dies verunsichert und verwirrt potenzielle Besucher zusätzlich und stellt uns Veranstalter vor große Probleme“, schreibt das Kommunale Kino in einer Pressemitteilung.

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Dass von den mehr als 1150 Mitgliedern die allermeisten dem Koki-Verein über die vergangenen beiden Coronajahre treu geblieben sind, wertet Geschäftsführer Stefan Hart als positives Signal. Bei denjenigen, die derzeit in der Alarmstufe II mit 2G-plus-Regelung und FFP2-Maskenpflicht trotzdem ins Koki gehen, bedankt sich Sibylle Tejkl ausdrücklich: „Sie sind auf die Kontrolle der Pandemieauflagen gut vorbereitet, haben alles parat und sind sehr geduldig.“ Ihren Optimismus wollen sich die Kinomacher von der Maille nicht nehmen lassen: „Galgenhumor hilft“, weiß Stefan Hart. Und er berichtet, dass das Team derzeit für März die Fortsetzung der erfolgreichen Reihe „Architektur und Kino“ plant und einen Programmbeitrag für die Internationalen Wochen gegen Rassismus vorbereitet.

Genug vom Hü und Hott

Auch Heinz Lochmann, der knapp ein Dutzend Lichtspielhäuser in ganz Deutschland betreibt, hat das ständige Hü und Hott langsam satt: „Die sich dauernd ändernden Regelungen machen mürbe: Erst 2G, dann 2G plus, erst auch medizinische, jetzt nur noch FFP2-Masken, dazu die Vorschrift, dass wir zum Infektionsschutz nur 50 Prozent der Plätze auslasten dürfen.“ Hinzu komme, dass die Besucherzahlen in dieser Jahreszeit sowieso immer rapide zurückgehen: „Sobald nach Neujahr die Schule wieder beginnt und die Menschen wieder arbeiten, merkt jeder, dass er zugenommen hat. Dann macht er lieber Sport, als ins Kino zu gehen. Außerdem müssen im Januar viele Versicherungen bezahlt werden. Kombiniert mit der Coronakrise ist das eine kleine Katastrophe.“

Auch ein erfahrener Filmtheaterbetreiber wie Lochmann, der seit über 40 Jahren im Kinogeschäft ist, steht der Entwicklung ein Stückweit hilflos gegenüber: „Man überlegt sich ständig Neues und passt sich an. Aber man weiß heute nicht, was morgen noch gilt, und dann kommt eine neue Virusvariante um die Ecke, und wieder folgt eine Hiobsbotschaft auf die nächste“, beklagt er die andauernde Unsicherheit und beginnt, an seinem Optimismus zu zweifeln.

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Trotzdem will er nicht nur seufzen, sorgten doch in der zweiten Hälfte von 2021 einige Blockbuster für ordentliche Besucherzahlen im Traumpalast: „Der neue James Bond 007 ‚Keine Zeit zu sterben‘ und ‚Spider-Man – No Way Home‘ sind sehr, sehr gut gelaufen. ‚Matrix‘, ‚Eternals‘ und ‚Paw Patrol – Der Kinofilm‘ waren ganz ordentlich, und auch ‚House of Gucci‘ hält sich gut.“ Dabei seien die allermeisten seiner Kinobesucher sehr vernünftig: „Sie wissen, dass strenge Kontrollen zu ihrer eigenen Sicherheit sind.“ Und er hat sogar Verständnis, wenn einem Gast mal der Kragen platzt: „Er hat seine Eintrittskarte gekauft, als galt, dass er bis zu sechs Monate nach der Impfung ins Kino darf. Am Tag, als er die Karte einlösen wollte, hatten sich die Regeln geändert, seine Impfung war drei Monate und zehn Tage her, und er durfte nicht rein – dass dieser Mann im Dreieck springt, ist doch verständlich.“

Kino-Freuden auch während der Pandemie

Kommunales Kino
 Das Koki in der Maille nimmt im Februar mit „Contra“, „À la Carte – Freiheit geht durch den Magen“, „Eiffel in Love“ und dem Aretha-Franklin-Biopic „Respect“ vier Filme noch einmal ins Programm auf, die sich bislang unter Wert geschlagen haben. Außerdem gibt es mit „West Side Story“, „Ein Festtag“, „Wanda, mein Wunder“ und „Noch einmal, June“ vier neue Streifen für Erwachsene und drei Filme im Gonzo-Kinderprogramm. „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Leute in dieser Zeit im Kino ein bisschen Leichtigkeit und Unbeschwertheit erleben möchten“, betont Sibylle Tejkl.

Traumpalast
Heinz Lochmann setzt in seinen Kinos auf die für den Sommer angekündigten Streifen „Top Gun: Maverick“ mit Tom Cruise, der als Ausbilder die nächste Generation von Kampfpiloten fit macht, auf „The Batman“ mit Robert Pattinson in der Rolle des jüngeren Bruce Wayne und auf einige deutsche Filme wie „Der Nachname“, die Fortsetzung der Erfolgskomödie „Der Vorname“ von Sönke Wortmann. „Und ich freue mich jetzt schon auf nächsten Dezember, dann ist als absolutes Highlight ‚Avatar 2‘ angekündigt, die Fortsetzung des erfolgreichsten Films aller Zeiten. Die Menschen vermissen das Gemeinschaftsgefühl im großen Kinosaal, die große Leinwand und die tolle Tonqualität sehr. Das zeichnet das Kino gegenüber Streaming-Angeboten aus“, betont Heinz Lochmann.