Während eine erste, durch das Coronavirus ausgelöste Infektionswelle in diesem Herbst abzuklingen scheint, befördern Erkältungen und Grippe viele Menschen ins Bett. Die Krankenkasse AOK verzeichnet einen Rekordwert an Atemwegserkrankungen.
Corona ist aus den Köpfen vieler Menschen fast gänzlich verschwunden. Weg ist das Virus aber nicht, im Gegenteil: Im Hintergrund hat sich der Erreger in den vergangenen Wochen ausgebreitet, jetzt zeigt die Tendenz wieder nach unten: „Die Zahl der Patientinnen und Patienten, die wegen oder mit Corona in unseren Häusern behandelt werden, ist im Vergleich zur Vorwoche erfreulicherweise gesunken. Die erste Coronawelle in diesem Herbst scheint am Abklingen zu sein“, berichtet Christiane Karrar, Pressesprecherin der Alb-Fils-Kliniken.
Auch das Gesundheitsamt teilt mit, dass die gemeldeten Infektionszahlen fallen – und dies seit etwa zwei Wochen. „So wurden uns in der Kalenderwoche 44 insgesamt 127 Fälle gemeldet, in der KW 45 waren es nur noch 63 und Stand heute sind es für diese Woche bis jetzt 37 Erkrankungsfälle“, sagt Clarissa Weber, Pressesprecherin des Landratsamts, und fügt hinzu: „Dies ist aber nur ein Bruchteil der Erkrankungen, da kaum noch getestet wird. Ein Trend lässt sich aber erkennen.“
In den Pflegeeinrichtungen im Kreis gebe es immer wieder positiv getestete Menschen. Im November sei bisher eine Person gestorben, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden war, berichtet Weber.
36 Patientinnen und Patienten sind Covid-positiv
An den beiden Klinik-Standorten werden rund 500 Patientinnen und Patienten behandelt. Davon sind 36 Covid-positiv. Von diesen 36 wiederum liegen vier auf der Intensivstation, drei davon werden beatmet. Die Zahlen spiegeln die Situation von Dienstag, 14. November, 8 Uhr wider. Auch bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten ist Entspannung in Sicht: „Die Zahl der erkrankten Mitarbeitenden befindet sich auf hohem Niveau, die Ausfälle aufgrund einer Covid-Infektion sind aber rückläufig“, berichtet Klinik-Sprecherin Karrar.
Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, bitten die Alb-Fils-Kliniken weiterhin Besucher, Patienten sowie Beschäftigte, in patientennahen Bereichen und auf den Bettenstationen Masken zu tragen. Die Besucher reagierten überwiegend verständnisvoll auf diese Regelung und zeigten eine hohe Bereitschaft, sich selbst zu schützen, sagt Karrar. Ob weitere Maßnahmen hinzukommen, werde diese Woche in der sogenannten Corona-Runde geprüft. „Bisher mussten nur wenige Operationen verschoben werden“, betont die Pressesprecherin.
Das Gesundheitsamt betrachtet das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung durchaus als sinnvoll, weil sie nicht nur vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, sondern auch mit anderen zirkulierenden Erregern wie dem Grippevirus schützt. Da es jedoch keine Vorschriften mehr dazu gibt, müsse jeder für sich entscheiden, ob er eine Maske aufsetzt und dadurch sich selbst und andere schützen will.
Die Behörde empfiehlt während der aktuellen Erkältungssaison insbesondere älteren Personen und Menschen mit einer chronischen Erkrankung, die sogenannten AHA-Regeln einzuhalten, also Abstand halten, Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen beherzigen und eben bestenfalls Maske tragen. Eine gesunde und vitaminreiche Ernährung, genügend Schlaf und frische Luft sorgten ebenfalls dafür, gut durch den Herbst und Winter zu kommen.
45 228 Krankschreibungen wegen Atemwegsinfektionen
Die Krankenkasse AOK in Baden-Württemberg berichtet aktuell von ungewöhnlich vielen Atemwegsinfektionen in dieser Erkältungssaison. Landesweit wurden bei der Krankenkasse 45 228 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen solcher Erkrankungen übermittelt. Analyseexperte bei der AOK Baden-Württemberg, Simon Dally, sagt dazu: „In unserem Datenarchiv findet sich kein Jahr, in dem der Krankenstand wegen Atemwegsinfekten in diesem Zeitraum höher war als in diesem Jahr.“ Im vergangenen Jahr sei die Herbst-Anfangs-Krankheitswelle nach bisherigem Stand sogar noch etwas höher gewesen – habe aber ein klein wenig früher begonnen. Simon Dally: „Da wir uns aktuell weiterhin in der Welle befinden und die Daten noch nicht vollständig sind, könnten die Zahlen in diesem Jahr das Allzeithoch von 2022 noch übertreffen.“
Zahlen deuten auf steigende Tendenz bei Krankschreibungen hin
Ausnahme
Laut einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse AOK in Baden-Württemberg liegt die Zahl der Krankschreibungen wegen Atemwegsinfekten zurzeit auf ungewöhnlich hohem Niveau. „Bei der Gesundheitskasse gab es noch kein Jahr, in dem der Krankenstand ihrer Versicherten wegen Atemwegserkrankungen in der Woche vom 16. bis 22. Oktober so hoch war. Das gilt auch für die AOK Neckar-Fils“, teilt die AOK mit.
Anstieg
Insgesamt seien in den Landkreisen Esslingen und Göppingen in diesem Zeitraum 3371 Arbeitsunfähigkeiten wegen Erkrankungen der Atemwege gezählt worden – damit sei ein Höchstwert erreicht worden. Im Vergleich dazu: 2022 waren es 3071 und 2021 lediglich 2042 Krankschreibungen. Vor der Coronapandemie im Jahr 2019 lag die Zahl bei 1922. Landesweit wurden der Krankenkasse AOK 45 228 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen Atemwegsinfektionen übermittelt.