Eine kleine Party in Dettingen hat sich zum Corona-Hotspot entwickelt. Von dort aus hat sich das Virus weiter verbreitet, betroffen sind Schulen, Vereine und Unternehmen in Bad Urach, Metzingen, Reutlingen und Esslingen. Foto: SDMG/SDMG / Kohls

Eine Party zum Ende der Sommerferien mit 33 Gästen in Dettingen/Erms zieht Kreise. Mittlerweile sind 19 Corona-Infektionen in dem Zusammenhang erfasst – nicht nur im Kreis Reutlingen.

Reutlingen - Es war keine große Party. 33 junge Leute feierten am 12. September in Dettingen/Erms (Kreis Reutlingen) einen Geburtstag und das Ende der Ferien. Am Ende der ersten Schulwoche stand fest: Mindestens einer der Feiernden war mit dem Corona-Virus infiziert. Insgesamt 14 positive Tests im Zusammenhang mit der Fete hatte das Kreisgesundheitsamt Reutlingen bis zum Wochenende registriert.

Die Folge: 450 weitere Personen, die mit den Infizierten länger als 15 Minuten in einem Abstand von weniger als anderthalb Metern zu tun gehabt hatten, wurden mit den Betroffenen in Quarantäne geschickt und gebeten, sich testen zu lassen. Bis Montagnachmittag ist die Zahl der Infizierten auf 19 Personen gestiegen, und der Landrat Thomas Reumann (parteilos) rechnet damit, dass es noch mehr werden, wenn die Ergebnisse der Abstriche in den kommenden Tagen eintrudeln.

Bad Urach hat es besonders getroffen

Damit könnte sich auch der Kreis der betroffenen Schulen, Kindergärten, Vereine und Unternehmen noch ausweiten. Bislang sind Klassen in acht Schulen in Bad Urach, Reutlingen, Metzingen und der gewerblichen Schule in Esslingen in Quarantäne geschickt worden. In Dettingen wurde ein Kindergarten mit 64 Kindern und 21 Mitarbeitern vorerst bis 28. September geschlossen. Dort wurden ein Kind und eine Erzieherin positiv getestet.

Besonders stark betroffen ist aber die Stadt Bad Urach mit dem Graf-Eberhard-Gymnasium und drei weiteren Schulen, die in der Vorwoche von insgesamt sechs Infizierten besucht wurde. Knapp 300 der 450 bis zum Wochenende ermittelten Kontaktpersonen besuchen Uracher Schulen, allein 191 davon das Gymnasium mit seinen 702 Schülern. Die Schulleiterin Susanne Müller hat die komplette Kursstufe 1 und 2, also die Klassen 11 und 12, und zwölf Lehrer in die häusliche Quarantäne und damit in den Fernunterricht schicken müssen. Damit fehlt der Rektorin ein Fünftel ihres Lehrerdeputats. Bis auf einige Randfächer würden die übrigen Klassen aber regulär unterrichtet, sagt Müller. Am Montag mussten acht weitere Lehrer vorsorglich zuhause bleiben, weil einer der Schüler in Quarantäne über Corona-Symptome geklagt hatte. Nachmittags kam aber Entwarnung: Der Test des Schülers ist negativ, die acht Lehrer dürfen am Dienstag unterrichten.

Landrat: Beschimpfungen per Internet, „das geht gar nicht“

Die Geburtstagsfeier war erlaubt, Privatfeiern mit bis zu hundert Teilnehmern sind auch ohne Hygienekonzept zulässig. Dass zwei betroffene Schülerinnen in Internetforen nun mit Schuldzuweisungen überzogen würden, „das geht gar nicht“, kritisiert der Landrat Thomas Reumann. Dass eine kleine Feier eine so große Wirkung haben könne, sei aber schon „eine klare Mahnung an uns alle, Verantwortung füreinander zu übernehmen“ und sich an Abstandsregeln und Hygienevorschriften zu halten.

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