Links ist die alte, rechts die neue Grafik von Command & Conquer zu sehen. Für Remaster wurden alle Einheiten- und Gebäudemodell neu gestaltet. Foto: EA

Command & Conquer begründete in den 90ern das Genre der Echtzeit-Strategiespiele und wurde Kult. 25 Jahre später bekommen „Tiberiumkonflikt“ und „Alarmstufe Rot“ ein Remaster. Wir haben die Neuauflage getestet.

Stuttgart - „Es ist 1996...“, wer jetzt den Ohrwurm „Jein“ von Fettes Brot hat, dem sei gesagt „gern geschehen!“ Nur geht es in diesem Artikel nicht darum, dass ein junger Mann alleine daheim verweilt, während sich seine Freundin in der Südsee bräunt. Oder vielleicht doch? Er hätte dann immerhin jede Menge Zeit gehabt, Command & Conquer (C&C) ausgiebig zu zocken. Denn 1996 erschien mit „Alarmstufe Rot“ bereits der zweite Teil der Serie, die inzwischen Kult-Status genießt. Ein Jahr zuvor hatte alles mit Command & Conquer Tiberiumkonflikt begonnen – und das Genre des Echtzeit-Strategiespiele (RTS) wurde gegründet.

Verdammt lang her ist das Ganze also und während man „Jein“ noch immer gut anhören kann, sind die C&C-Spiele von damals weniger gut gealtert und aus heutiger Sicht ein ziemlicher Pixelbrei. Weil die Serie aber weiterhin eine große Fangemeinde hat, hat Electronic Arts (zusammen mit vielen ehemaligen Westwood-Entwicklern bei Petroglyph) Teil eins und zwei als Remaster in 4K-Auflösung herausgebracht. Wir haben unseren Pentium I mit 200 Megahertz mit 16 Megabyte RAM angeschmissen und die Neuauflagen getestet.

Spielinhalt

Die Remastered Collection enthält „Tiberiumkonflikt“, „Alarmstufe Rot“ sowie alle dazugehörigen Erweiterungen wie „Ausnahmezustand“, „Gegenschlag“ und „Gegenangriff“. Außerdem gibt es obendrauf alle Zusatzmissionen, die damals den Konsolenversionen vorbehalten waren. Wem es gefällt, kann es also mit seiner Armee auch mit Riesenameisen oder Dinos aufnehmen. Inhaltlich bleibt alles beim Alten: In „Tiberiumkonflikt“ gibt es die GDI- und NOD-Kampagnen, in „Alarmstufe Rot“ können die Missionen mit Alliierten oder den Sowjets gespielt werden. Die Missionen, sobald sie freigeschaltet wurden, sind mitsamt ihren Videos einzeln anwählbar. Zudem gibt es für beide Spiele einen Multiplayermodus und auch einen Map Editor, mit dem eigene Schlachtfelder und Missionen gestaltet werden können.

Hier gibt es einen Trailer zur Remastered Collection:

Grafisch wurden beide Teile stark aufgewertet und verfügen nun über eine 4K-Auflösung. Mit nur einem Tastenanschlag kann aber auch zurück in die Originalauflösung gewechselt werden. Die gefilmten Videosequenzen wurden ebenfalls hochskaliert. Auch der Sound wurde überarbeitet: Originalkomponist Frank Klepacki hat seine Musik neu gemastert. Als Schmankerl gibt es eine Bonusgalerie, in der bisher unveröffentlichte Szene von den damaligen Dreharbeiten und dem Making-of gezeigt werden.

Stärken

Grafisch gesehen machen die beiden C&C-Spiele einen großen Sprung. Die neuen Modelle von Mammutpanzern, Bauhöfen und Co. sind nun gestochen scharf und trotzdem nah am Original. Die Menüleiste ist dank dreier Spalten pro Reiter deutlich übersichtlicher. Mit der Warteschlangen-Funktion können nun auch mehrere Einheiten des gleichen Typs nacheinander gebaut werden. Das rein- und rauszoomen verschafft in der Hitze des Gefechts einen guten Überblick. Der Gefechtsmodus, den es zuvor nur in „Alarmstufe Rot“ gab, gibt es jetzt auch für „Tiberiumkonflikt“.

Der Retro-Charm des Spiels geht trotz neuer Grafik nicht verloren. Dafür sorgt zum einen der ikonische Soundtrack von Frank Klepacki, zum anderen die Sprachausgabe. Wenn Tanya „Komm Blechbubi, tanz mal!“ und andere Sprüche zum Besten gibt, fühlt man sich glatt zurückversetzt an seinen kleinen Röhrenmonitor von damals. Für deutsche Spieler gibt es außerdem einige Videoszenen erstmals zu sehen, denn die Remastered Collection ist unzensiert. Das bedeutet auch, dass die Einheiten nun keine Cyborgs mehr, sondern Menschen sind. In den Dialogen, die nicht angepasst wurden, wird noch immer von Cyborgs gesprochen.

Schwächen

Die KI ist leider komplett dieselbe wie vor 25 Jahren. Schon nach wenigen Minuten im Spiel macht sich dies bemerkbar, wenn der Erz- oder Tiberiumsammler irrsinnige Wege fährt oder Truppen sich gegenseitig blockieren. Wenn das Remaster auch ein paar Komfortoptionen wie die Warteschlange im Baumenü eingeführt hat, so fehlt es andererseits an der Möglichkeit, Weg- oder Sammelpunkte setzen zu können. Etwas Feintuning hätte dem Spiel an dieser Stelle gutgetan. Die Videosequenzen mit den Schauspielern wirken matschig, die Rendersequenzen sind noch die alten und dementsprechend schlecht anzusehen.

So schick die neue 4K-Auflösung auch ist, bis auf die höheren Texturen wurde nichts nachgebessert. Bei der Neuauflage von Age of Empires I und II wurden beispielsweise auch Effekte und Animationen überarbeitet.

Der Multiplayer-Modus funktioniert soweit gut, bietet aber ähnlich wenig Komfort wie das Spiel selbst. Es ist zum Beispiel nicht möglich, eine private Sitzung zu eröffnen, um nur gegen Freunde zu spielen.

Fazit

Für C&C-Fans ist die Remastered-Collection eine großartige Sache. Zwei Spiele und drei Erweiterungen in hochauflösender Grafik, garniert mit ein paar Extras wie den Konsolen-Missionen zu einem guten Preis. Der Geist der Serie ist dank der Mitwirkung alter Westwood-Entwickler und Frank Klepacki erhalten geblieben – das ist keine Selbstverständlichkeit. Andererseits wird das Spiel kaum neue Anhänger dazugewinnen, da die KI zu viele Schwächen hat für die heutigen Ansprüche.

Wertung

Grafik: 3 von 5 Punkten

Spielmechanik: 2,5 von 5 Punkten

Atmosphäre: 4,5 von 5 Punkten

Command and Conquer Remastered Collection ist ab 16 Jahren freigegeben und für den PC erhältlich. Der Preis liegt bei rund 20 Euro.

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