Der Komiker Ralf Schmitz kommt am 14. Mai mit seinem Soloprogramm nach Stuttgart. Foto: Robert Recker

Sendungen wie „Genial daneben“ oder „Schillerstraße“ haben ihn populär gemacht: Ralf Schmitz zählt zu Deutschlands bekanntesten Comedians. Sein Markenzeichen: Hibbeligkeit und Spontaneität. Im Interview verrät er, wer sein großes Vorbild ist.

Stuttgart - Er mimte den Zwerg Sunny in den Otto-Waalkes-Erfolgsfilmen „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“, sang das Titellied der Serie „Shaun, das Schaf“, wurde durch Sendungen wie „Genial daneben“ oder „Schillerstraße“ populär: Ralf Schmitz (43) zählt zu Deutschlands bekanntesten Comedians. Was Speedy Gonzales für die Cartoon-Landschaft, ist Ralf Schmitz für die Comedy-Szene. Oder, Herr Schmitz?

Herr Schmitz, in Ihrem Programm „Schmitzenklasse“ nehmen Sie das Publikum mit auf eine imaginäre Klassenfahrt. Blicken Sie jetzt, mit Anfang vierzig, öfter zurück auf Ihre Jugend? Oder, anders formuliert: Sind Sie in der Midlife-Crisis?
Die Frage ist nicht unberechtigt, aber nein, ich glaube nicht, dass ich in einer Midlife-Crisis bin. Es geht mir gut! Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich immer noch das tun darf, was ich liebe, nämlich auf der Bühne stehen. Auf das Thema Schule bin ich gekommen, als ich mir den Titel „Schmitzen klasse“ überlegt habe. Dabei sind auch alte Erinnerungen aus meiner Schulzeit hoch gekommen.
Apropos alte Erinnerungen: Die Neuauflage der RTL-Sendung „Genial daneben“ ist unlängst gestartet. Ist das auch ein Versuch, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen?
Das ist wie eine Art Klassentreffen, man trifft alte Weggefährten wieder. Ich schätze Hugo Egon Balder sehr und mochte es immer, dort zu sitzen und der Fantasie Zucker zu geben. Das ist ein sehr spontanes, direktes und pures Konzept: Man kann sich innerhalb von wenigen Sekunden verrückte Dinge überlegen, und das gefällt mir sehr gut.
Sie haben vor einigen Jahren einmal gesagt, die Zeit des großen Zynismus sei vorbei, die Menschen hätten ein Bedürfnis nach Komik, die nicht auf Kosten anderer geht. Bei Sendungen wie „Circus Halligalli“, „Neo Magazin Royale“ oder der „heute-show“ gewinnt man einen anderen Eindruck. Haben Sie sich mit Ihrer damaligen Einschätzung getäuscht?
Ich stehe nach wie vor zu dieser Einschätzung. Obwohl es natürlich stimmt, dass bei der „heute-show“ beispielsweise der Finger in die Wunde gelegt wird. Aber das hat klassisches politisches Kabarett schon immer gemacht, und das soll auch so sein. Ich habe trotzdem das Gefühl – gerade in Zeiten von Hatern und Trollen im Internet –, dass das Publikum grundsätzlich weniger Bedürfnis nach Zynismus hat, sondern sich eher nach einem verbindlichen Humor sehnt. Erfolgreiche Leute wie Otto Waalkes, Chris Tall oder Luke Mockridge spiegeln ja nun nicht gerade den puren Zynismus wieder.
Wie nehmen Sie die deutsche Comedy-Szene wahr?
Sie ist vielfältiger geworden, die Grenzen verwischen sich, und jeder, der gut ist, findet einen Platz. Es gibt einen blödelnden Otto Waalkes neben einem gesellschaftspolitischen Dieter Nuhr, es gibt einen Chris Tall, der über seine Mutti redet, und es gibt einen Ralf Schmitz, der spontan und schnell unterwegs ist. Keiner steht dem anderen im Weg, das ist doch schön.
Ist Otto Waalkes ein Vorbild für Sie?
Ja, klar, ein beeindruckender Mann, den ich menschlich sehr schätze und mit dem mich Freundschaft verbindet. Er ist seit vielen Jahrzehnten erfolgreich, das ist eine große Leistung. Auch Loriot, Heinz Erhardt oder Jerry Lewis sind alles Größen, zu denen ich aufblicke. Sie sind sich treu geblieben und haben aus ihrer eigenen komischen Sicht geschöpft, ihre „Funny Bones“ ausgelebt.
Komik ist Tragik in Spiegelschrift, heißt es. Sehen Sie das auch so?
Klar, man muss alle Facetten des Lebens aufsaugen, um das Komische herauszufiltern. Komikern wie Jerry Lewis oder Louis de Funès wirft man vor, sie seien nur albern gewesen. Das konnten sie aber nur sein, weil sie die ernste Seite des Lebens konterkariert haben.
Manche Komiker sind privat Misanthropen. Sie aber bestimmt nicht, oder?
Ich mache mir Gedanken über viele Dinge, aber grundsätzlich bin ich auf der positiven Seite. Für mich macht das mehr Sinn, als sich permanent selbst auszubremsen. Aber auch ich möchte auch mal nur da sitzen und ein Buch lesen.
Als Comedian ernst genommen zu werden – geht das überhaupt?
Komikern wird oft unterstellt, dass sie die Ernsthaftigkeit des Lebens nicht verstanden haben. Das ist ein großes Missverständnis.
Lesen Sie Ihre Kritiken noch?
Nicht alle. Ich gebe mir große Mühe, sie alle zu lesen, breche aber auch ab, wenn ich merke, da hat jemand ein Vorurteil gegen alle Comedians oder auch gegen mich persönlich. Dann erspare ich mir das lieber.

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