Windschnittig und unverwechselbar: Der Colani GT ist bald in der neuen Ausstellung der Galerie Stihl Waiblingen zu sehen. Foto: /Gottfried Stoppel

Ein Auto kann Kunst auf Rädern sein. Der Beweis ist am Donnerstag in Waiblingen in Form eines knallroten Colani GT angekommen. Das Fahrzeug ist ein Exponat in einer Ausstellung über den Designer Luigi Colani.

Eine „fahrende Kunstskulptur“, ein „rasantes Schnabeltier“ oder doch eher eine „Polyesterflunder“? Die Spitznamen, die für den Colani GT kursieren, beweisen: Der Anblick dieses Autos erzeugt auf jeden Fall Emotionen. Am Donnerstag ist ein knallrotes Modell des ungewöhnlich geformten Fahrzeugs aus glasfaserverstärktem Kunststoff in Waiblingen gelandet – als erstes Exponat der am 18. November beginnenden Ausstellung „Luigi Colani. Popstar des Designs“ in der Galerie Stihl Waiblingen. Sie widmet sich dem Lebenswerk des bekannten Berliner Industriedesigners Lutz alias Luigi Colani.

 

Tempo 130 sei die maximale Geschwindigkeit, die der rote Flitzer von Colani schaffe, erzählt Karsten Engelbert. Angesichts nicht vorhandener Sicherheitsgurte und fehlendem Dach hat der Oldtimerfan aus Verl in Nordrhein-Westfalen den Colani GT dann doch lieber per Anhänger nach Waiblingen gebracht. „Einen Unfall sollte man damit besser nicht haben“, sagt Karsten Engelbert, dessen Herz vorwiegend für Oldtimer der Marke Mercedes schlägt. Er kümmert sich aber im Auftrag des Colani-Fans und Sammlers Gerd Siekmann um dessen Colani GT. Dieser sei im Prinzip unverwüstlich – allerdings brauche er einen jährlichen Ölwechsel und regelmäßig Bewegung.

Die Karosserie besteht aus drei Teilen

Ganz vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter, lässt Karsten Engelbert den Colani GT über eine Rampe vom Anhänger rollen. Dann steigt er ins Auto und schwingt dazu erst sein rechtes, dann sein linkes Bein über die Seitenwand – Türen gibt es an der aus drei Teilen bestehenden Karosserie aus Kunststoff nämlich gar keine. Das Fahrgestell, Motor und Achsen stammten von einem VW Käfer, erklärt Karsten Engelbert und dreht dann den Zündschlüssel. Sofort ertönt das vertraute Geknatter eines Käfer-Motors.

44 PS habe dieser Colani GT unter der hinteren Haube, es gebe aber auch Modelle mit 34 PS, ja sogar eines mit 96-PS-Porschemotor, berichtet Karsten Engelbert. Wie viele Colani GT gebaut wurden, dazu gebe es unterschiedliche Zahlen – ob es tatsächlich 361 Fahrzeuge waren – wer weiß. Fest steht für den Oldtimerfan allerdings: „Jeder Wagen ist ein Unikat, denn jeder Besitzer hat ihn ein bisschen umgebaut.“ Das sei kein Problem gewesen, weil Umbauten nicht genehmigt und eingetragen werden mussten. Das Modell, das Karsten Engelbert jetzt nach Waiblingen gebracht hat, stammt wohl aus dem Jahr 1965. Es hat ein Oldtimer-Kennzeichen und ist auch etwas breiter als andere Exemplare. Der praktische Nebeneffekt: In den gewölbten Seitenwänden lässt sich Gepäck unterbringen, das nicht in den Kofferraum passt, weil dieser wenig Platz bietet. „Ich habe Bekannte, die fahren mit dem Auto in Urlaub.“

Tank und Kofferraum sitzen unter der Vorderhaube

Wie der Kofferraum sitzt auch der Tank unter der vorderen Haube. Dem Flitzer genüge der billigste Sprit, sagt Karsten Engelbert: „Colani wollte ein möglichst alltagstaugliches Auto bauen, das wenig Sprit braucht und doch deutlich schneller fährt als ein Käfer.“ Das sei mit dem aerodynamischen Automodell gelungen.

Letzteres ist das größte Exponat in der kommenden Colani-Ausstellung, aber nicht das einzige dreidimensionale Objekt, verrät die Kuratorin Mirjam Kreber. Neben Skizzen und Entwurfszeichnungen Colanis aus der Privatsammlung des in Berlin lebenden Sammlers und Hauptleihgebers Gerd Siekmann werden im Kunstmuseum an der Rems auch allerlei Alltagsgegenstände präsentiert, die Colani entworfen hat.

Aschenbecher, Klobürstenhalter, Flugzeuge – alles im Colani-Design

Die Bandbreite seines Schaffens war enorm – sie reichte vom Aschenbecher über den Klobürstenhalter bis zum Flugzeug. In der Galerie Stihl wird beispielsweise ein Doppelwaschbecken ausgestellt, das Colani für Villeroy & Boch entworfen hatte, außerdem Möbelstücke wie der Anfang der 1970er Jahre entworfene, multifunktionale rote Kinderstuhl „Zocker“ oder das Teeservice „Drop“ der Firma Rosenthal. „Der Sammler Gerd Siekmann hat sich schon sehr früh für Colani interessiert und überall nach seinen Stücken gejagt“, sagt Mirjam Kreber.

Karsten Engelbert hat derweil eine Runde ums Museum gedreht. „Autos wie dieses erkennt man wenigstens noch von Weitem“, sagt der Oldtimerfan – und fährt das rote Unikat dann hinein in die Galerie.