Michael Isert plagt sich in seinem zweiten Jahr am Cocoloco Beach in Welzheim nicht nur mit bürokratischen Hürden. Wetter, Kostensteigerung, Zurückhaltung bei Gästen sind Herausforderungen. Mit neuen Ideen rüstet er sich für die Zukunft.
Das Cocoloco Beach ist ein kleines Stück Südsee am Feuersee mitten in Welzheim. Doch für den Wirt Michael Isert hat das Paradies unter Palmen, das er im Mai 2022 eröffnet hat, und das nur in den Sommermonaten geöffnet ist, einige Risse bekommen. Wie viele andere Gastronomiebetriebe kämpft sich der 41-Jährige von Monat zu Monat durch. Der verregnete Frühsommer hat nicht gerade dazu beigetragen, dass sich die Lage verbessert hat.
Bunt angestrahlte Palmen, reichhaltige Getränkekarte von Aperitifs, Longdrinks, Cocktails über kultiges Markenbier bis zu Weinen vom örtlichen Weingut, Snacks und Fingerfood: Das Cocoloco Beach wertet Welzheims Mitte auf. Die gute Lage hat aber auch ihre Tücken. Die Strandbar ist umgeben von Nachbarn, auf die es Rücksicht zu nehmen gilt. „Wir haben ein Soundsystem, dass den Lärm nur nach innen, nicht nach außen abgibt“, sagt Michael Isert.
Der Einkauf hat sich um ein Viertel verteuert
In den Nachrichten wurde dieser Tage zwar vermeldet, dass die Gastronomiebetriebe und Hotels in den ersten Monaten dieses Jahres wieder mehr Umsatz gemacht haben. Aber das Vor-Corona-Niveau ist noch längst nicht erreicht. Die steigenden Kosten – und das nach wie vor fehlende Personal – bringen viele Betriebe an den Rand der Existenz. „Der Aufwand hinter jedem einzelnen Projekt wird meist von den Außenstehenden nicht ganz wahrgenommen. Zudem ist man ständig mit neuen Auflagen, Ergänzungen, Verbesserungen und zielführenden Maßnahmen beschäftigt“, sagt Michael Isert. Eine davon ist seit Anfang August die aufgrund der allgemeinen Verteuerung kostensparende – und wegen der noch immer vorhandenen Zurückhaltung beim Publikum nachvollziehbare – Verkürzung der Betriebszeiten im Cocoloco. „Ein Gastro-Besuch ist ein Luxusgut, da wird als erstes daran gespart.“ Doch Preiserhöhungen seien auch für ihn unumgänglich, sagt er. Schließlich sei der Preis für Spirituosen im Einkauf im Schnitt um 25 Prozent gestiegen.
„Bürokratische Hürden wohin das Auge reicht“, beklagt Michael Isert. Dazu langwierige Abwicklungsprozesse und immer höher werdende Barrieren für Veranstaltungen. Nächtliche Unruhen und Sachbeschädigungen, fehlendes Verständnis und mangelnde Wertschätzung seien alltäglich, hingegen fehle der Anstand im Umgang miteinander. „Alles das kann einem schon die Lust auf die Gastronomie vermiesen“, sagt der Wirt, der vor dem Cocoloco Beach die Coco Loco Bar am Waldsee betrieben hat. „Der wichtige Wir-Faktor für gemeinsame Aktionen ist immer seltener da.“ Dabei ist ihm die Gemeinschaft wichtig. Bei der ersten „Langen Strandnacht“ im Juni habe er alle Nachbarn auf einen Welcome-Drink eingeladen. „Lediglich ein Ehepaar ist gekommen.“
Investitionen für ein zweites Standbein
Obwohl der vorgegebene Rahmen wenig Raum für Innovationen und zeitgemäße kulturelle Entwicklungen biete, so der 41-Jährige, hat er investiert. Fast 60 000 Euro hat Michael Isert vor Saisoneröffnung in den Betrieb der Strandbar im Schwäbisch-Fränkischen Wald gesteckt. „Wir haben unseren Food-Trailer in einen Bar-Trailer umgebaut, neue Pavillons sowie Dekoration angeschafft“, sagt Michael Isert, der sich zudem ein zweites Standbein aufgebaut hat. „Rent your event stuff“, ein Verleihservice für private Kunden, Geschäftskunden und Kommunen. „Damit können wir nahezu jede Veranstaltung realisieren.“ Der Welzheimer hat auch noch eine Catering-Firma, die bei der Seebad-Eröffnung im Bud-Spender-Bad in Schwäbisch Gmünd oder beim Sommerevent der Stadtwerke Waiblingen im Einsatz war und mit der mobilen Cocktail-Bar auch beim Treff an der Treppe in Iserts Heimatstadt.