In Zeiten der Krise brauchen die Menschen etwas zu lachen. Nimrod Eisenberg ist ein professioneller Clown und gibt aktuell Ehrenamtlichen der Organisation Truemoments Tipps.
Wenn Nimrod Eisenberg seine rote Clownsnase aufsetzt, legt er alles ab, was ihn von anderen Menschen abgrenzen könnte. Dann besitzt er keine Nationalität mehr, gehört keiner Religion an, keiner politischen Richtung, keiner sozialen Sparte. Er ist nur noch eins: ein Mensch. „Das ist das Geheimnis von Clowns“, sagt er. „Und der Grund, warum wir dazu in der Lage sind, Menschen ein Gefühl von Hoffnung, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit zu geben.“
Nimrod Eisenberg kommt ursprünglich aus Israel. Andere Menschen zum Lachen zu bringen, hat er nach eigener Aussage schon immer genossen. Schon in der High School gab er mit einem Freund Shows zum Besten und amüsierte damit die Mitschüler. Später führte ihn der Weg nach Frankreich und Italien, wo er spezielle Schulen für Clowns besuchte. Ja, so etwas gibt es tatsächlich. „Allerdings heißt es fachlich „physical theatre“, sagt Nimrod Eisenberg. Und in diesen Schulen geht es auch nicht darum, gemeinsam herumzualbern. „Der Unterricht reicht sehr tief, hat einen sehr poetischen und philosophischen Charakter.“
Als Clown auf der ganzen Welt unterwegs
Clowns sind nämlich mehr als nur Kasper. Ihre Kunst kann, richtig eingesetzt, eine Menge bewirken. Als Clown ist Nimrod Eisenberg inzwischen auf der ganzen Welt unterwegs. Seit 2003 ist er Teil der israelischen Organisation Dream Doctors. Dort sind über 100 Clowns beschäftigt, die Projekte zur emotionalen Traumahilfe, humanitären Hilfe, Bildung und Forschung leiten.
Als „medical clown“ besucht Nimrod Eisenberg zum Beispiel Kinder in Krankenhäusern und füllt dort die Zimmer mit Lachen, Spielen und Freude. „Wir bringen Glück zu einem Ort voller Traurigkeit“, sagt Nimrod Eisenberg. Diese Diskrepanz zwischen Schmerz und Glück begleite Clowns schon seit jeher. „Man muss nur den Großvater aller Clowns, Charlie Chaplin, anschauen“, so Eisenberg. „Probleme über Probleme, und wir lachen darüber.“ Aber nicht, weil die Menschen schadenfroh sind. „Sondern weil es Charlie Chaplin gelingt, seine Probleme auf lustige Art zu lösen – und das gibt uns Hoffnung.“
Jüdische Tradition: Rausgehen, Abenteuer suchen und anderen Menschen helfen
Hoffnung zu vermitteln, ist auch Teil des zweiten großen Standbeins von Dream Doctors. Die Clowns werden auch oft in Krisengebiete oder zu Menschen geschickt, die Traumata erlitten haben. „Das liegt in der Natur der jüdischen Tradition“, sagt Nimrod Eisenberg. „Rausgehen, Abenteuer suchen und anderen Menschen helfen.“
Nun fragt man sich vielleicht, was ein Clown in Kriegsgebieten oder nach einer Umweltkatastrophe bewirken kann. Die Antwort: eine ganze Menge. So ist ein Clown zum Beispiel dazu in der Lage, nonverbale Brücken zu bauen. Die Kommunikation dieser Theaterarbeit braucht keine Sprache. „Außerdem kombiniert ein Clown das Mindset eines Erwachsenen mit den Emotionen eines Kindes“, sagt Nimrod Eisenberg. Das sei vor allem für Kinder in Kriegsgebieten entscheidend, die das Vertrauen in Erwachsene verloren haben. „Der Clown zeigt ihnen, dass sie Bedeutung haben, gesehen werden und dass es auch Erwachsene gibt, die es gut mit ihnen meinen.“
Der Clown gibt Kurse zu seinem Tun
Sein Wissen über die Spielideen, Improvisationen und nonverbale Kommunikation teilt Nimrod Eisenberg inzwischen auch mit anderen Menschen. Zum Beispiel mit den Helfern, die an humanitären Projekten beteiligt sind. Diese lernen durch Eisenbergs Kurse zum Beispiel, wie sie traumatisierten Familien Hoffnung schenken können.
Auch im Kreis Böblingen gibt es eine Organisation, die Kindern durch die Arbeit mit Clowns hilft. Die „Truemoments Clowns“ aus Weil im Schönbuch haben zum einen das Prinzip der Klinikclownerie auf Schulen angepasst und unterstützen Schulen auf dem Weg zu einem guten Klima. Zum anderen sind die „Truemoments Clowns“ aber auch sehr aktiv im Bereich der Flüchtlingsarbeit.
Zusammenarbeit mit Flüchtlingshilfe in Weil im Schönbuch
Hier kam 2016 auch eine erste Zusammenarbeit mit Eisenberg zustande. Der Profi wurde eingeladen, um die Clowns von „Truemoments“ bei ihrer Arbeit mit syrischen Flüchtlingen zu unterstützen. „Daraus ist eine Freundschaft entstanden“, sagt er.
In dieser Woche gibt er nun Workshops für Ehrenamtliche und Mitarbeitende der Flüchtlingshilfe in Weil im Schönbuch. Sein Motto lautet: „Where there are no words there can be a smile.” (In etwa: Wo wir sprachlos sind, kann trotzdem ein Lächeln sein) Und je mehr Menschen das so sehen, desto mehr Menschen kann geholfen werden.