Gala zum zehnjährigen Bestehen des Circus Praguli: Der spektakuläre und lehrreiche Auftritt am Würfeltrapez. Foto: Susanne Müller-Baji

Akrobatik, Magie und ein Nagelbrett – an der Pragschule in Stuttgart-Nord steht Zirkus auf dem Stundenplan. Die Drittklässler lernen dabei nicht nur für die Manege, sondern auch fürs Leben: Koordination, Rücksichtnahme und Teamgeist beispielsweise.

S-Nord - Das Licht geht aus und das Publikum jubelt bereits voller Vorfreude: Kinder lieben Zirkus, das ist klar. An der Pragschule weiß man außerdem: Sie können vom Zirkus sehr viel lernen. Seit einem Jahrzehnt bereits gibt es hier einen verbindlichen Zirkusunterricht für alle in den dritten Klassen. Jetzt feiert der Circus Praguli mit einer Gala Jubiläum.

„Heute ist ein besonderer Tag“, sagte Rektor Peter Burkhardt bei der Begrüßung am Mittwoch: „Heute können wir endlich beginnen, zehn Jahre Circus Praguli zu feiern.“ Und das mit mehreren Vorstellungen, die feierliche Jubiläumsgala am Donnerstag wurde überdies durch Einblicke in zehn Jahre Schulzirkusleben ergänzt. Drei Tage Ausnahmezustand und ein ganzes Jahr unmittelbare Vorbereitung, bis Burkhardt schließlich die magischen Worte sprechen konnte: „Manege frei!“

Und was gibt es dann alles zu sehen! Tücher ändern ihre Farbe, Seilspringen macht in Gruppen viel mehr Spaß und die Clownsfamilie bekommt eine hochoffizielle Einladung: „Ich hoffe, Sie können kommen. Tschüss!“ liest Vater Clown vor, und man macht sich auf den Weg. Aber die Grundschüler von Praguli gehen zum Beispiel auch über Glasscherben, liegen auf einem echten Nagelbrett und schweben am Würfeltrapez fein ausbalanciert zu mehreren zwischen Himmel und Erde.

Das Zirkusprojekt ist auch ein Lehrstück in Sachen Demokratie

„Der Zirkus ist unglaublich viel Arbeit“, sagt Rektor Peter Burkhardt, der 2005 die Idee hatte, den Zirkus buchstäblich Schule machen zu lassen. Aber natürlich liebt er die besondere Atmosphäre und ganz besonders das Würfeltrapez. Denn es steht im Grunde für das, was das Projekt ausmacht: Ohne Koordination, Rücksichtnahme und Teamgeist geht hier nichts. „Wir halten es mit dem Zirkus so, dass er auch eine Herausforderung sein soll“, erklärt Burkhardt. Praguli sei ein hervorragendes pädagogisches Mittel, weil es wichtige Fähigkeiten mit viel Spaß vermittelt.

An der Pragschule ist der Zirkus übrigens auch ein Lehrstück in Sachen Demokratie. Als man das Projekt konkret in Angriff nahm, sollten sowohl Schüler als auch Eltern voll hinter dem Vorhaben stehen. „Wir hätten das ja auch einfach abstimmen können“, so der Rektor. Doch er beraumte eine allgemeine, freie und geheime Briefwahl an. Mit überwältigendem Erfolg: „Über 85 Prozent der Eltern und 98 Prozent der Schüler beteiligten sich an der Abstimmung. Die Zustimmung lag bei beiden jeweils über 86 Prozent“ – nachzulesen in dem schön ­gestalteten Jubiläums­programm.

Eine echte Manege, tolle Lichteffekte, ungewöhnliche Requisiten: Über die Jahre ist der Schulzirkus immer professioneller geworden. Möglich macht das auch die Zusammenarbeit mit den Zirkuspädagogen des Circus Circuli und dessen Direktor Karl-Heinz Ramminger. Jeweils zwei Stunden pro Woche werden alle Drittklässler von den Trainern in unterschiedlichen Disziplinen unterrichtet.

Die Kinder tragen selbst zur Finanzierung bei

Um das zu finanzieren ist die Solidarität aller Kinder und ihrer Eltern nötig: „Unsere Schüler putzen ihre Klassenzimmer selbst, soweit das möglich ist. Das Geld, das wir so einsparen, verwenden wir für Praguli“, sagt Burkhardt. Er ist sich sicher, dass die Kinder dabei fürs Leben lernen: Etwas gemeinsam mit Anderen über einen längeren Zeitraum erarbeiten, auch mal Frustrationen auszuhalten und Ängste überwinden – und schließlich etwas können, das sogar Erwachsene in Staunen versetzt.

Nachgefragt bei Lara (9), die zuvor mit ihren Mitschülern gekonnt am Würfeltrapez aufgetreten ist: Hatte sie Lampenfieber?  „Ein bisschen“, gibt sie zu: Aber dann stelle man sich auf, wird von Zirkusdirektor Ramminger noch mal angefeuert – „und dann geht’s!“ Sie hat in ihrem Zirkusjahr unter anderem unterschiedliche Akrobatikformen ausprobiert: „Normales Trapez, Ringtrapez, Laufkugel und so.“ Aber das Würfeltrapez ist das Beste von allem, erklärt sie und ist auch schon wieder weg – die anderen Kinder vor ihren Auftritten anfeuern!

Aufführung:
An diesem Freitag, 15. Juli, gibt es noch eine Vorstellung des Circus Praguli, in der Turnhalle der Pragschule, Friedhofstraße 74. Beginn ist um 18 Uhr, es sind noch Karten an der Abendkasse erhältlich.

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