Chrytsa Bell kommt am Dienstag nach Stuttgart Foto: Promo

Im Bann von David Lynch – Die US-amerikanische Sängerin Chrysta Bell tritt an diesem Dienstag im Jazzclub Bix in Stuttgart auf.

Stuttgart - Sie ist schön, sie ist blass, sie trägt den Namen einer romantischen Spukgestalt. Auf dem Cover ihres ersten Albums sieht man unter dem linken Auge von Chrysta Bell einen Namenszug: „David“ steht dort, unter ihr anderes Auge ist eine Träne gezeichnet. Die Sängerin aus Texas hat eine sinnliche Stimme, die zugleich ätherisch und körperlos zu klingen scheint. In David Lynchs Film „Inland Empire“ hörte man sie zum ersten Mal. Chrysta Bell ist die Muse des enigmatischen Regisseurs, so sehr, wie er die ihre ist. Sie singt seine Lieder, verwirklicht sich in Lynchs Universum – und tritt in dieser Woche im Stuttgarter Jazzclub Bix auf.

Am Telefon klingt Chrysta Bell ganz und gar nicht wie ein Gespenst. Sie ist herzlich, lebhaft und begeistert. Sie steht im Bann des David Lynch, seitdem der Regisseur sie in Texas entdeckte. Für den Soundtrack von „Inland Empire“ sang sie das Stück „Polish Poem“. 2011 veröffentlichte sie ihr Debütalbum – Lynch schrieb sämtliche Songs, spielte alle Instrumente und übernahm die Produktion. Chrysta Bell schwärmt noch heute von den Arbeiten in Lynchs Studio in Hollywood Hills, von seiner „Voice Booth“, der Kabine für Gesangsaufnahmen: „Es ist so still darin, dass du hören kannst, wie dein Körper arbeitet.“

„This Train“ wurde in kleiner Auflage nur in den USA veröffentlicht und erregte dort kaum Aufmerksamkeit. „Das hat uns nicht wirklich überrascht“, sagt die Sängerin. „Go to where it is hot for you“, empfahl ihr David Lynch – sie tat es. In Europa erlebte ihr Album nun erst seine eigentliche Veröffentlichung, und hier blieb die Aufmerksamkeit nicht aus. Auch das überrascht nicht, denn dem Zauber dieser Femme Fatale erliegt man leicht. Chrysta Bell ist unter den Frauenstimmen, die in David Lynchs Filmen und auf seinen Alben erklingen, die kräftigste, sie ist am stärksten vom Blues, vom Soul geprägt. „Das“, sagt sie, „habe ich mit David gemein. Auch er hat einen sehr starken Bezug zum Blues.“

In ihren Konzerten singt Chrysta Bell nicht nur die Songs ihres Debütalbums. Ihr Repertoire erstreckt sich über alle Filme David Lynchs, einige Coverversionen anderer Künstler kommen hinzu – welche, will sie freilich nicht verraten. „Sycamore Trees“, das Stück aus dem Kinofilm, den Lynch seiner TV-Serie „Twin Peaks“ folgen ließ, singt sie nur noch auf ausdrücklichen Wunsch des Publikums. Aber auch neue Songs trägt sie vor, die sie gemeinsam mit ihrer Live-Band geschrieben hat.

Das zweite Album entsteht, David Lynch ist nicht mehr der Mittelpunkt, aber sein künstlerisches Genie schwebt über Chrysta Bell: „Ich versuche ganz bewusst nicht, mich von Davids Einfluss zu befreien“, sagt sie – David spiegelt sich in Chrysta, Chrysta spiegelt sich in ­David.

Eigentlich heißt sie Chrysta Bell Zucht und hat österreichische Vorfahren. Ihre Mutter benannte sie nach einem Gedicht der englischen Romantik: „Christabel“ von S. T. Coleride ist eine mysteriöse, Fragment gebliebene Vampirgeschichte mit erotischen Untertönen. Vielleicht war es ja dieser Name, der David Lynch zuerst auf Chrysta Bell aufmerksam machte.

„Ich weiß wirklich nicht, wo David all ­diese dunklen und zwiespältigen Bilder her nimmt“, sagt sie, und lacht. Jener letzte Film des Kultregisseurs, der nun nur noch Musiker und Künstler sein will, der Film, für den sie selbst sang, blieb auch ihr ein Rätsel – eines jedoch, dass sich für sie auf die einfachste und unerklärlichste Weise löste. Die Filmpremiere von „Inland Empire“ erlebte Chrysta Bell gemeinsam mit David Lynch – und in der Gegenwart des Regisseurs erschien der Sängerin jedes der dunklen Bilder folgerichtig, nachvollziehbar und klar, jenseits aller Vernunft und Interpretation.

Chrysta Bell begann ihre Karriere als Model. Wenn die Gegebenheiten vor Ort es erlauben, wechselt sie während ihrer Show die Kostüme, arbeitet mit Projektionen, mit Multimediaelementen – eben mit jenen dunklen, surrealen Bildern. Man darf darauf gespannt sein, inwieweit das Bix ihr Gelegenheit gibt, ihre Bühnenshow umzusetzen. Auf der Bühne spielt sie selbst eine Les-Paul-Gitarre, das Instrument ihres Bassisten ist von Rickenbacker. David Lynch gehört nicht zu Chrysta Bells Live-Band - auch dies wiederum ist keine Überraschung. Anwesend ist David Lynch dennoch immer, wenn Chrysta Bell spielt und singt. Im Geiste.

An diesem Dienstag um 20.30 Uhr im Club Bix (Gustav-Siegle-Haus). Karten unter www.bix-stuttgart.de.
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