Schauspieler Christian Bale als trinkfester Reporter in dem historischen Drama „The Promise – Die Erinnerung bleibt“. Foto: Verleih

Oscar-Gewinner Christian Bale über Superhelden, seinen neuen Film „The Promise“ und den Genozid an den Armeniern.

Berlin - In jungen Jahren machte er Werbung für „Pacman“ und spielte in der Astrid-Lindgren-Verfilmung „Mio, mein Mio“ mit. Weltbekannt wurde Christian Bale jedoch als Batman in Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie. Jetzt ist der Waliser als trinkfester Reporter in dem historischen Drama „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ zu sehen.

Mr. Bale, Ihr neuer Film „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ handelt von dem Untergang des Osmanischen Reiches und dem Völkermord an den Armeniern. Waren Sie mit diesem Kapitel der Geschichte vertraut?
Zu meinem eigenen Erschrecken wusste ich gar nichts über diesen Völkermord. Und war dann noch schockierter, dass ich damit längst nicht der Einzige war. Eigentlich hatte niemand, mit dem ich im Vorfeld des Films sprach, in der Schule oder sonst irgendwo etwas darüber gelernt. Als ich zum ersten Mal das Drehbuch in den Händen hielt, jährte sich dieser Genozid allerdings gerade zum 100. Mal. Plötzlich fingen Politiker auf der ganzen Welt endlich an, über die Ereignisse von damals zu sprechen.
Haben die im Film gezeigten Ereignisse aber auch heute noch eine Relevanz?
Oh ja, das wurde mir damals schnell klar. Im Fernsehen war zu sehen, wie in den nordirakischen Gebirgen Tausende Jesiden von der Terrormiliz Islamischer Staat eingekesselt und ermordet wurden. Die Ähnlichkeiten zu dem, was ich im Drehbuch zu „The Promise“ über das Schicksal der Armenier las, war erschütternd. Es ist fürchterlich, wie sich Geschichte immer aufs Neue wiederholt. Wenn ein Film wie unserer auch nur ein bisschen dazu beitragen kann, dass wir als Menschheit dazulernen, dann ist schon viel gewonnen.
Man muss dazu sagen, dass „The Promise“ auch von der Liebe erzählt. Genauer gesagt eine Dreiecksgeschichte, in der Sie und Oscar Isaac die gleiche Frau lieben. . .
Ich gebe zu, dass ich anfangs unsicher war, warum es unserem Regisseur und Drehbuchautor Terry George so wichtig war, das thematisch auf diese Art und Weise miteinander zu verbinden. Ich hatte irgendwie den Eindruck, man müsse die Brutalität der Ereignisse noch viel drastischer zeigen. Doch Terry hat mir erklärt, dass man gerade bei einem so wenig bekannten Kapitel unserer Geschichte versuchen müsse, ein möglichst breites und vor allem junges Publikum zu gewinnen. Hätte man ausschließlich und gnadenlos das reale Grauen gezeigt, wäre es schwer geworden, die Menschen zu erreichen, statt nur zu verstören. Aber über diese drei Figuren und ihre Liebesgeschichte gelingt es hoffentlich, einen persönlicheren Zugang zu dieser Thematik zu finden.
Sind die Unterschiede zwischen Ihnen und Isaac in der Realität so groß wie im Film?
Oscar ist ein toller Typ und ohne Frage einer der besten Schauspieler seiner Generation. Aber tatsächlich sind wir ziemlich verschieden. Wie gesagt: Er ist ein echter Schauspieler. Und ich bin das – ohne dass ich kokett sein will – irgendwie nicht.
Wie meinen Sie das denn?
Na ja, ich kann Ihnen zum Beispiel etwas darüber erzählen, wie ich meine Rolle in „The Promise“ gespielt habe. Aber über die Schauspielerei, als Handwerk und als Kunstform, weiß ich eigentlich nicht das Geringste. Deswegen bin ich anders als Oscar und die meisten anderen Kollegen bei Dreharbeiten so gar nicht gesellig.
Das müssen Sie bitte genauer erklären . . .
Für mich ist die Schauspielerei etwas, das ich aus dem Bauch heraus mache. Ich habe keine Technik, die es mir erlaubt, von einer Sekunde auf die nächste umzuschalten und zurück in der Rolle zu sein. Deswegen ziehe ich mich während der Arbeit zurück und bleibe in meiner eigenen kleinen Welt. Das tut mir manchmal leid, weil ich eine gewisse Distanz halte zu meinen Kollegen und der Crew. Aber wenn ich die zu gut kennenlerne, will ich mich als Privatmensch mit denen amüsieren und könnte mich nicht mehr darauf konzentrieren, vor der Kamera jemand anderes zu sein.
Privat sind Sie nicht so kontaktscheu, oder?
Nein, es gibt sicherlich größere Eigenbrötler als mich. Allerdings würde ich schon sagen, dass ich mich nicht selten umgeben von Kindern und Tieren wohler fühle als zwischen lauter smarten Erwachsenen. Das Gefühl zu haben, immer etwas Intelligentes zum Gespräch beitragen zu müssen, setzt mich manchmal unter Druck.
Dabei scheinen Sie jemand zu sein, der Druck aushalten kann. Zumindest gibt es nur wenige Schauspieler, die für Ihre Rollen so häufig so radikal psychische und körperliche Grenzen überschreiten . . .
Für mich war in dieser Hinsicht immer Jimi Hendrix ein Vorbild. Den habe ich als Kind, vermutlich im Fernsehen, Gitarre spielen sehen und war wie vom Donner gerührt. So wie er in dem Moment aussah, wollte ich auch wenigstens einmal im Leben fühlen. Dieser vollkommen selbstvergessene Gesichtsausdruck, diese Ekstase, die schon blutig gespielten Finger. Daran wollte ich – ohne mich annähernd mit Hendrix’ Talent zu vergleichen – zumindest ansatzweise mal in meinem Beruf herankommen. Und das geht nun einmal nicht ohne Hingabe und das Bringen von Opfern.
Ihre ersten Kino-Hauptrollen liegen inzwischen 30 Jahre zurück. Hätten Sie als Zwölfjähriger damit gerechnet, heute immer noch vor der Kamera zu stehen?
Im Leben nicht. Ich habe jeden Film, jede Reise, jede Party in dem Glauben genossen, das sei das letzte Mal. Mir hat das unglaublich viel Spaß gemacht, mein Leben verwandelte sich vorübergehend in einen Disneyland-Ausflug. Aber ich habe damals nicht viel an die Zukunft gedacht
Hatten Sie einen Plan B für die Zukunft?
Gar nicht. Ich war kein besonders guter Schüler, also wer weiß, ob ich studiert hätte. Mein Vater hat mir aber auch mit auf den Weg gegeben, dass man nicht zu viele Pläne machen soll, weil sowieso immer alles anders kommt. Abgesehen davon war ich damals ein Kind. Da hat doch kein Mensch eine Ahnung, was er für den Rest des Lebens machen will.
Werden wir Sie jemals wieder in einem Superhelden-Film sehen?
Nein, mit dem Thema bin ich durch. Verstehen Sie mich nicht falsch, denn ich bin sehr stolz auf die drei Batman-Filme, die ich mit Christopher Nolan gedreht habe. Wenn man schon Comic-Verfilmungen dreht, dann sollte man verdammt noch mal die besten drehen, die es gibt. Genau das ist uns gelungen. Aber Chris hatte immer gesagt, dass es bei drei Filmen bleibt, und ich war da stets seiner Meinung. Deswegen halte ich es für ziemlich ausgeschlossen, dass Sie mich je wieder in einem Superhelden-Kostüm sehen werden.

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