Mit hohem Druck wird Wasser in den Fluss zurückgeleitet, um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. Foto: dpa

Die schlimmsten Befürchtungen sind wohl nicht eingetroffen. Die Jagst ist nicht komplett tot und es gibt Grund zur Hoffnung.

Schwäbisch Hall - Positive Nachricht für die Jagst: Laut einem ersten Gutachten ist der Neckar-Zufluss nach dem Chemieunfall und dem massenhaften Fischsterben nicht ökologisch tot. Entgegen erster Befürchtungen hätten die allermeisten Kleinstlebewesen überlebt, teilte das Landratsamt Schwäbisch Hall am Mittwoch mit.

Auch nach Einschätzung der Fischereiforschungsstelle Langenargen habe der Neckar-Zufluss zwar einen schweren ökologischen Schaden erlitten, der sich langfristig auf die Zusammensetzung der Arten auswirken könne. Strukturell geschädigt sei die Jagst aber nicht. Der Fluss werde „in Zukunft auch sein vorher bekanntes ökologisches Potenzial aufweisen“.

„Erster Lichtblick“

Der Naturschutzbund wertete dies als „ersten Lichtblick“. Landeschef Andre Baumann warnte aber davor, schnell zur Tagesordnung zurückzukehren: „Der Patient ist noch am Leben, hat aber viele Wunden davon getragen. Ihn jetzt schon zu entlassen, wäre fahrlässig. Er muss unter fachkundiger Beobachtung bleiben.“ Es werde noch Jahre dauern, bis die Jagst wieder eine „ökologische Perle“ sei.

Auch der Landesfischereiverband mahnte an, den offiziellen Schadensbericht des Regierungspräsidiums abzuwarten, der in drei Wochen stehen soll. Der mögliche langfristige Schaden könne jetzt noch gar nicht abzuschätzen sein, warnte Geschäftsstellenleiter Reinhart Sosat. Beim Umweltministerium hieß es, die Entwicklung der Giftwerte aus der Jagst sei zwar seit Tagen positiv, für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. Ebenso wie die Diskussion um mögliche finanzielle Hilfen.

Selbst am Ort des Unglücks in Kirchberg werde der Fluss schnell wieder Leben zeigen, heißt es im Bericht des Landratsamts. Nach einem Mühlenbrand in der Nacht zum 23. August war mit dem Löschwasser Ammoniumnitrat aus Düngemitteln in das Gewässer gespült worden. Tausende Fische verendeten.

Fische müssen möglicherweise neu angesiedelt werden

Die Untersuchung des Stuttgarter Gewässerbiologen Walter Steineck habe ergeben, dass das ökologische Gesamtbild der Jagst unterhalb der Brandstelle dem der unbelasteten Jagst „recht ähnlich“ sei. Mit den Kleinstlebewesen sei die Nahrungsgrundlage für Fische vorhanden, die aber möglicherweise neu angesiedelt werden müssten.

Die 23 Kilometer lange Giftfahne treibt derweil weiter durch den Kreis Heilbronn Richtung Neckar, wo sie am Freitag oder Samstag erwartet wird. Da die Giftkonzentration immer weiter sinke, steige die Chancen, dass weitere Aktionen zur Bekämpfung auf dem Neckar gar nicht nötig seien, hieß es. Dennoch solle mit Eintreffen der Fahne am Neckar aufgestautes Wasser zugegeben werden, um die Giftbrühe weiter zu verdünnen. Um genug Wasser parat zu haben, werden Sportboote derzeit nicht mehr geschleust, Berufsschiffe hingegen schon.

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