Hinein in die Wildnis: Der Lotharpfad verläuft mitten im Nationalpark Schwarzwald. Foto: dpa

Die Skepsis gegenüber dem Nationalpark Schwarzwald hat sich weitgehend gelegt. Klaus Michael Rückert (CDU), Landrat von Freudenstadt und Chef des Nationalparkrats, erklärt warum.

Herr Rückert, es ist still geworden um den Nationalpark. Kommt er voran?
Er kommt ganz hervorragend voran. In diesem und im letzten Jahr sind ja spektakuläre Entscheidungen gefallen. So haben wir festgelegt, wo das große Besucherzentrum gebaut wird. Außerdem wurde der Architektenwettbewerb entschieden – mit einem exzellenten Entwurf als Ergebnis. In der jüngsten Ratssitzung wurde uns schließlich das Ausstellungskonzept vorgestellt. Ich kann nur sagen: Wir waren überwältigt, denn das wird richtig gut. Ich bin sicher: Sobald im Herbst 2018 das Besucherzentrum eröffnet ist, werden auch jene Menschen positiv gestimmt sein, die dem Nationalpark noch kritisch gegenüber stehen.
Gibt es die denn noch? Und wie intensiv ist der Protest?
Man hört immer weniger. Der Protest ist leiser geworden, auch weil wir bewiesen haben, dass wir den Borkenkäfer im Griff haben. Das hatte ja für große Befürchtungen gesorgt. Die Kontrollen greifen, so dass sich der Käfer kaum ausbreiten konnte. Im übrigen stellt sich die Region auch touristisch auf. Auf der Stuttgarter Tourismusmesse CMT gab’s im vergangenen Jahr eine kleine Sensation, weil sich die Gemeinden um den Nationalpark zusammen geschlossen hatten und gemeinsam aufgetreten sind.
Die Landtags-CDU scheint sich zwar mit dem Nationalpark zu arrangieren, will aber Korrekturen vornehmen. Womit rechnen Sie bei einem Regierungswechsel?
Ich bin sicher, dass wir auch jede andere Landesregierung als die jetzige davon überzeugen können, dass wir auf den richtigen Weg sind. Ich rechne deshalb nicht mit wesentlichen Korrekturen.
Würden sich die Nationalpark-Gemeinden ihren Park überhaupt wieder nehmen lassen?
Ganz sicher nicht. Da gäb’s erheblichen Protest. Die würden für den Nationalpark kämpfen. Und ich würde mich persönlich an die Spitze der Bewegung stellen. Ich bin überzeugt von diesem Park, auch wenn nichts, was wir Menschen tun, perfekt ist. Auch der Nationalpark nicht. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Ich glaube deshalb nicht, dass wir für den Park kämpfen müssen.
Wie entwickelt er sich touristisch?
Die Besucherzahlen entwickeln sich sehr positiv. Die Angebote der Ranger werden immer stärker nachgefragt – auch von Schulen, denn wir haben ja ein tolles Angebot. Aber so richtig entfalten kann es sich natürlich erst, wenn das Besucherzentrum fertig ist. Touristisch hat sich im übrigen die Nationalparkregion formiert. Sie wird auf der CMT vertreten sein und beweisen, dass das Naturschutzprojekt Nationalpark auch touristisch Gewinn bringt.
Wer die Schwarzwaldhochstraße entlang fährt, sieht aber noch immer eine Hotelruine nach der anderen. Haben Sie Hinweise auf Besserung?
Ich bin überzeugt, dass das mittelfristig besser wird. Aber wenn der Landtag ein Nationalparkgesetz beschließt, können Sie nicht erwarten, dass am nächsten Tag die Hotels anders aussehen. Ich weiß aber, dass eine attraktive Umgebung Investoren anzieht. Ich bin deshalb der festen Überzeugung, dass die Objekte an der Schwarzwaldhochstraße in einigen Jahren ganz anders aussehen. Allerdings ist es nicht primär staatliche Aufgabe, für Investoren zu sorgen.
Haben Sie denn Interessenten am Haken?
Ich persönlich nicht. Aber ich weiß, dass es Gespräche gibt. Spätestens, wenn der Bau des Besucherzentrums beginnt, werden sich Investoren für das Drumherum interessieren. Denn sie sehen, dass die Politik handelt.
Noch immer nutzen viele Lkw die Schwarzwaldhochstraße als Ausweichstrecke, um die Autobahnmaut zu sparen. Wann gibt es ein Verkehrs- und Wegekonzept?
Daran arbeiten wir gerade mit Hochdruck. Beim Verkehrskonzept geht es um die Frage, wie die Menschen zum Park und wieder weg kommen, aber auch darum, wie sie sich innerhalb bewegen. Beim Wegekonzept geht es um Wander- und Radwege sowie um Loipen. Dafür wird es im nächsten Jahr eine intensive Beteiligung der Öffentlichkeit geben. Zum Ergebnis kann ich deshalb noch nichts sagen. Ich habe aber immer betont: Ich möchte nicht, dass die Schwarzwaldhochstraße gesperrt wird.
Darf man sich ein öffentliches Transportsystem vorstellen?
Ja. Ich bin aber mehr für Anreize als für Verbote. Der öffentliche Personennahverkehr muss so gut werden, dass die Menschen ihn gerne nutzen. Wir müsse da ein innovatives, nachhaltiges Konzept vorlegen, wie man zum Beispiel von den Bahnhöfen im Rhein- und im Murgtal umsteigen kann. Es sollte aber auch die Möglichkeit geben, mit dem Auto hochzufahren.
Haben Sie sich denn mal in einem anderen Nationalpark angeschaut, wie das funktionieren könnte?
Das Problem ist, dass sie kein Vorbild finden werden, weil jeder Park unterschiedliche topografische Voraussetzungen hat. Aber wir versuchen natürlich, uns die eine oder andere Idee abzugucken.
Wie stehen Sie zum Vorhaben, beim Nationalpark einen Tierpark anzusiedeln, um Touristen eine weitere Attraktion zu bieten? Der Hotelier Meinrad Schmiederer hat dazu ja einen Förderverein ins Leben gerufen.
Dazu stehe ich grundsätzlich positiv. Ich bin ja auch mit dabei. Der Verein erarbeitet jetzt zunächst ein Konzept. Ich halte einen Tierpark jedenfalls für eine gute Ergänzung zum Nationalpark, denn Tiere zu erleben ist für die Menschen immer etwas sehr Emotionales. Wir können ja nicht garantieren, dass jemand, der im Nationalpark wandert, ein seltenes Tier zu Gesicht bekommt. Ein Tierpark würde da einen intensiveren Kontakt ermöglichen, ohne dass das ein Zoo wird. Ein Zoo würde nicht zum Nationalpark passen.
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