Der 39-Jährige tritt am 1. September den Posten des Geschäftsführers beim SV Leonberg/Eltingen an und folgt auf Tobias Müller – noch arbeitet er bei der SV Böblingen.
Toto Wolff, der Teamchef der Formel-1-Mannschaft von Mercedes, hat einmal gesagt: „Nur abzuwarten, was passiert, ist die schlechteste aller Strategien – man muss handeln, auch auf das Risiko hin, einen Fehler zu begehen.“ Nun sind die Aufgaben eines Vereinsmanagers nicht zwingend mit denen eines Formel-1-Bosses gleichzusetzen, und doch gelten ähnliche Gesetze, wenn es um das Vorankommen, die Taktik und das Erkennen von Chancen geht. „Diese Stelle bietet eine solche Chance, die konnte ich auf keinen Fall ausschlagen“, sagt Carsten Nestele.
Der Mann ist 39 Jahre alt und derzeit noch stellvertretender Vereinsmanager der SV Böblingen – doch am 1. September tritt der Familienvater von drei kleinen Kindern den Posten des Geschäftsführers beim SV Leonberg/Eltingen an. Tobias Müller, der den Job seit Februar 2019 erledigte, verabschiedet sich dann wunschgemäß zur MTG Wangen ins Allgäu. Nestele arbeitet seit 15 Jahren bei der Sportvereinigung, ist als stellvertretender Vereinsmanager zweiter Mann auf der Geschäftsstelle – nun sah er die einzigartige Chance, auf die Pole-Position in Leonberg vorzurücken. Denn einfach nur zu warten, bis Harald Link, derzeit 55 Jahre alt, den Staffelstab in Böblingen vielleicht an ihn weiterreicht, das war ihm zu unsicher und der Zeithorizont zu ausgedehnt. „Ich musste handeln“, betont Carsten Nestele.
Bereits im Mai, kurz nachdem der Vorstand des SV Leonberg/Eltingen die Kündigung von Tobias Müller erhalten hatte, kam der erste Kontakt zustande – der Leonberger Clubchef Michael Hager kontaktierte den gebürtigen Böblinger und klopfte so an, ob denn ein Wechsel nach jenseits der Autobahn unter den Engelberg infrage käme.
Nestele war zwar nicht auf der Suche, war rundum glücklich mit seinen Aufgaben in Böblingen, aber das Gespräch hatte ihn angefixt; nachdem er mit seiner Ehefrau das Für und Wider erörtert hatte, gab er dem Vorstand des SV Leonberg/Eltingen seine Zusage. „Die Familie muss nicht umziehen, mein Arbeitsplatz ist gut erreichbar – und ich kenne das Umfeld des Clubs auch ein klein wenig“, erzählt der künftige Geschäftsführer.
Sportwelt-Bau war richtiger Schritt
Der Wechsel an die Spitze war irgendwie ein logischer Schritt auf der Karriereleiter eines Sportmanagers. Der Sportverein mit seinen 4800 Mitgliedern ein Stück mitgliederärmer als die Sportvereinigung mit 6600, unterscheidet sich die Struktur nur unwesentlich voneinander. In Böblingen steht seit 2001 ein Sportzentrum, in Leonberg wurde vor zwei Jahren eines gebaut; und Nestele ist überzeugt, dass dies der einzig richtige Schritt war. „Blickt man in die Szene“, betont er, „stellt man fest, dass Großvereine von 2000 Mitgliedern aufwärts in den vergangenen 20 Jahren diesen Weg beschritten haben.“ Siehe Herrenberg, Sindelfingen, Calw und so weiter. Ein besonderes Lob hat Nestele für die Leonberger und Eltinger übrig, die den Großverein mit der Fusion von TSV Eltingen der TSG Leonberg gründeten. „Ich weiß“, sagt er, „dass es da Reibungspunkte gibt, und doch ist es gelungen. Das wäre zwischen der SV Böblingen und dem VfL Sindelfingen undenkbar.“
Finanzprobleme gilt es zu lösen
Tischtennis ist der Sport des Carsten Nestele, er steht immer noch gerne an der Platte. Dass sein neuer Job aber kein lässiges Hin-und-Herspielen des Balles wird, weiß er längst. Bei der Delegiertenversammlung am 15. Juni, als leidenschaftlich über die Finanzprobleme des Vereins diskutiert und gestritten wurde, saß er auf den Zuschauerrängen. Mit den Vorständen hat er Einblick in die Bücher genommen, denn „ich möchte diese zentrale Aufgabe zeitnah lösen“, bekräftigt er. Am 1. August steht ein Rundgang über die Liegenschaften des Clubs an, und dann folgt einen Monat später der Startschuss beim SV Leonberg/Eltingen. Carsten Nestele geht von der Pole-Position ins Rennen um einen prosperierenden Großverein.