Umweltschonend und günstig fahren – dafür werben OB Gabriele Zull, Horst Graef und Gerhard Ammon (rechts). Foto: Patricia Sigerist

Stadtwerke Fellbach steigen in die nachhaltige rein elektrische Mobilität mit vier Abhol- und Abgabestationen ein. In die Angebotspalette sollen auch Stromer kommen, die sich die Bewohner eines Hauses teilen.

Fellbach - Das Auto fährt an – und geht ab. Die starke Beschleunigung drückt den Fahrer in den Sitz, doch der Motor bleibt still. Der E-Golf, der in einer Kooperation der Stadtwerke Fellbach mit der Firma Deer zu mieten ist, jault nicht laut auf wie ein Verbrennungsmotor im ersten Gang beim Tritt aufs Gaspedal.

Der Tester ist positiv überrascht

Im E-Auto gibt es auch keinen Turbo, der erst mal Luft holen muss, wie in manchem Dieselfahrzeug. Der Tester ist positiv überrascht. „Das muss man erfahren, um zu erkennen, wie toll das ist“, sagt Stadtwerke-Chef Gerhard Ammon. Dass das neue Fahren auch Minuspunkte wie mangelnde Reichweiten hat, sei in der ersten Begeisterung mal ausgeblendet.

Die Chance, so einen Stromer im derzeitigen Stand der Technik zu testen, ist kein Privileg eines Journalisten. Wer einfach nur mal das Fahrgefühl genießen will, muss nicht einmal mehr bei einem Autohaus vorsprechen und baldige Kaufabsichten hegen. Die Stadtwerke Fellbach sind eingesprungen, vermieten mit dem Partner Deer GmbH, einem städtischen Start-up aus Calw, preisgünstig E-Fahrzeuge und wollen so Elektromobilität erfahrbar machen. „Die Zukunft der Mobilität wird weitestgehend elektrisch“, ist der Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon überzeugt. „Wir wollen beim Bürger Hemmungen dagegen abbauen“, sagt er. Oberbürgermeisterin Gabriele Zull sieht dieses Engagement wohlwollend: „Die Stadtwerke Fellbach widmen sich intensiv der Elektromobilität“, hebt sie hervor.

Es gibt vier öffentliche Lade-Stationen in Fellbach

An den vier neuen E-Ladesäulen im Stadtgebiet können Kunden die Energie für den Akku ihres privaten Stromers zum Preis von 30 Cent pro Kilowattstunde ziehen und in drei bis vier Stunden eine 40-Kilowattstunden-Autobatterie wie im E-Golf vollständig aufladen. Die Stadtwerke stellen aber auch ein Elektrofahrzeug zum Mieten an die Säulen. Die vier öffentlichen Lade-Stationen der Stadtwerke, am Fellbacher Bahnhof in der Eisenbahnstraße, am Rathaus, an der Bücherei in Oeffingen sowie in der Ortsmitte von Schmiden in der Bühnerstraße sind gleichzeitig Abhol- und Abgabestationen.

„Die meisten Autos stehen doch 23 Stunden am Tag nur in der Garage“, sagt Deer-Geschäftsführer Horst Graef, dessen Optimismus und Leidenschaft fürs elektrische Fahren ansteckend ist.

Die Stadtwerke bleiben auch beim Verleih am Straßenrand nicht stehen

Der Herr über 120 Elektroautos, die in 50 Kommunen als Kooperationspartner zur Miete bereitstehen, erwartet die Revolution in der Mobilität nicht schon durch Elektromotoren, sondern erst, wenn Autos gemeinsam genutzt werden: „Wir glauben, es wird sich durchsetzen, dass Autofahrer nicht mehr ein Fahrzeug kaufen, sondern nur noch für die genutzte Zeit zahlen. Wer ökonomisch und ökologisch fahren will, muss lernen zu teilen.“

Die Stadtwerke bleiben auch beim Verleih am Straßenrand nicht stehen. Sie denken daran, ins Fuhrparkmanagement für ihre Gewerbekunden einzusteigen. Carsharing-Angebote aus der Hand der Stadtwerke mit Komplett-Service, technisch betreut von der Firma Deer, könne es auch für ein größeres Wohnhaus geben: „Wenn sich mehrere Familien ein Elektroauto in der Garage teilen, könnte dies eine Alternative zum Kauf sein“, sagt Ammon.

Die vier stundenweise zu mietenden E-Autos, zwei VW E-Golf und zwei Renault ZOE, fahren voll geladen bis zu 300 Kilometer. Ein Tag kostet 35 Euro.

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