Auch in der Stuttgarter Porsche-Arena macht Carolin Kebekus klar: Sie ist die Ausnahemerscheinung in der populären deutschen Comedy. Foto: dpa

Die deftig formulierende Komikerin Carolin Kebekus brummt und quietscht sich in der Porsche-Arena in Rage. Dass Frauen immer zuerst an den Brüsten abnehmen, hält sie für den Beweis, dass keine gütige Macht über uns wacht.

Stuttgart - Ich sag ‚Alpha‘, ihr sagt ‚Pussy‘!“, ruft Carolin Kebekus. Das Publikum sieht, wie die Künstlerin auf der Bühne respektive den beiden Großbildschirmen erscheint und tut, wie ihm geheißen. „Alphapussy“ heißt das aktuelle Programm der 37-jährigen Komikerin.

Von Comedians, die wie Kebekus Stuttgarts Porsche-Arena füllen, ist selten filigrane Hochkomik zu erwarten. Im besten Fall gesellen sich zu ein paar unerhörten Pointen noch Botschaften, die nicht zur Gänze belanglos sind. Unter diesen großkalibrigen Spaßmachern ist Kebekus vermutlich die kantigste. Allerdings nicht wegen ihres Proletensprechs („Bitches“, „Pussys“, „Hurensohn“), den man aushalten muss, wenn man ihre Shows besucht. Auch nicht, weil sie Witze über Blähungen reißt („Ich furze für alle Frauen auf der Welt“), was aus wundersamem Grund als progressiv gilt, handelt es sich hier doch tatsächlich um eine Frau: „Ich steh seit 15 Jahren auf der Bühne, aber ich bin immer noch ein Weltwunder!“, entgegnet sie jenen, die sie auch im Jahre 2017 noch darauf ansprechen, wie es sei, so als Dame auf der Bühne.

Minderwertige Porno-Angebote

Nein, Kebekus hebt sich zumindest ein bisschen ab, weil sie in angenehm radikaler Manier Positionen bezieht. Gemeint ist nicht die deutliche Ablehnung der AfD, dafür braucht ja keinen Mut, sondern lediglich gesunden Menschenverstand. Doch neben der Verherrlichung von Sauferei und Mettbrötchenkonsum spricht die Kölnerin an diesem Abend auch über Gender-Pay-Gap und ein minderwertiges Pornografieangebot für Frauen, das in müden Streifen wie „50 Shades of Grey“ kulminiert: „Ich hab‘ ja wohl was Besseres zu tun, als mich von so ‘nem Milchbubi im Seidenschlafanzug verhauen zu lassen“, urteilt Kebekus.

Ferner geht es um irrsinnigen Schönheitskampf, ein erst nach der folgenreichen Kölner Silvesternacht reformiertes Sexualstrafrecht und um den Atheismus der überzeugten Karnevalistin. Komplexe Themen, bei denen sich die Comedienne auch mal schreiend, quietschend, brummend in Rage redet und die sie mit Sätzen wie „Frauen nehmen immer erst an den Brüsten ab - es kann keinen Gott geben, der das zulässt“ auf niederes Niveau herunterbricht.

Hilfe für den Bruder

Selbiges ist im Grunde das einzige, was man ihr ankreiden kann. Doch wer heutzutage rhetorisch stark oder gar feinsinnig formuliert, spielt eben leider nicht vor 5000, sondern allenfalls vor 500 Besuchern. So erreicht Kebekus mit ihrem Vokabular womöglich Menschen, die anders nicht mehr zu erreichen wären. Darüber hinaus nutzt sie ihren Ruhm übrigens auch, um ihrem ebenfalls als Comedian auftretenden Bruder David Aufmerksamkeit zu verschaffen, der die große Schwester nach der Pause eine Viertelstunde lang ganz ordentlich vertritt. Am Ende des Abends verkündet diese wiederum in ironischem Ton: „Man muss die Männer eben unterstützen! Es gibt so wenige lustige Männer!“ Stimmt.

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