Mit Video-Umfrage - Das Cannstatter Volksfest ist in aller Munde. Die Besucher drängt es auf den Wasen – aber alle zur gleichen Zeit. Nun will man versuchen, den Gästen auch andere Tage schmackhaft zu machen: Sie sollen nicht nur feiertags und am Wochenende kommen.

Das Cannstatter Volksfest ist in aller Munde. Die Besucher drängt es auf den Wasen – aber alle zur gleichen Zeit. Nun will man versuchen, den Gästen auch andere Tage schmackhaft zu machen: Sie sollen nicht nur feiertags und am Wochenende kommen.

Stuttgart - Sensationen, Skurriles und Kuriositäten kennt Andreas Kroll als Wasenchef zur Genüge. Doch auch er kann noch staunen. Dass der Besucherandrang am 3. Oktober „bundesweit ein Thema war“, hat ihn verwundert. Ist doch seit Jahren dieser Feiertag der besucherstärkste Tag mit allen Begleiterscheinungen wie Sperren der Zugänge und Umleiten der Bahnen. Doch zu solchem Aufsehen führte das bisher nie: „Jetzt hat wohl der Letzte begriffen, dass das Volksfest ein attraktives Fest ist.“ Was dazu führen könnte, dass noch mehr Menschen kommen. Doch wie damit umgehen? Kroll: „Das Volksfest boomt, da ist es normal, dass es an der einen oder anderen Ecke knirscht.“ Doch, und das ist ihm wichtig, „unser Sicherheitskonzept hat gut funktioniert“. Dies bestätigen auch die anderen beteiligten Behörden, Polizei und Verkehrsbetriebe.

Vor drei Jahren hatte man das Sicherheitskonzept erstellt. Eine halbe Million Euro kosteten zwei Fluchttreppen über die Stadtbahngleise hinweg. Man hatte die Gassen verbreitert auf bis zu zehn Meter, die Beschicker lästerten über „Autobahnen, die die Stimmung töten“, und verordnete den Zelten breitere Fluchtwege. All dies wegen der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg 2010, bei der 21 Menschen gestorben waren. Die ­Sicherheitsexperten Willi Siegfried und ­Rüdiger Haas aus Braunschweig hatten ein Gutachten und einen Notfallplan erstellt, bei dem man 100 000 Menschen binnen kürzester Zeit vom Platz bekommen kann. Das ist ein Szenario für extreme Situationen, beispielsweise ein Attentat auf dem Platz.

„Doch natürlich ist unser Sicherheitskonzept abgestuft“, sagt Kroll, „wir haben mittlerweile ein dickes Buch, das wir abarbeiten.“ Man beobachtet also via Kameras den Platz, bespricht sich mit Ordnern und der Polizei, der Bahn und den SSB. Und schließt gegebenenfalls nach und nach die Zugänge, lässt nur noch Menschen hinaus. Zuletzt öffnet man die Notfalltreppen, damit die Menschen den Wasen verlassen können, ohne mit den Ankommenden zu kollidieren. Dies bedeutet natürlich, dass die Stadtbahnlinie U 11 nur bis zur König-Karls-Brücke fährt. So hat man niemals mehr als 100 000 Menschen auf dem Volksfestgelände, in diesem Jahr liegt die Grenze wegen des Landwirtschaftlichen Hauptfests bei 70 000.

Wird es am Cannstatter Bahnhof zu voll, schließt man auch dort die Zugänge. Wegen des Bahnhofs sei man in Gesprächen mit Verkehrsminister Winfried Hermann, sagt Marcus Christen von in.Stuttgart. Doch baulich lässt sich wenig ändern. Wie sich auch der Wasen nicht vergrößern lässt. Und eine Diskussion, ob man mehr als acht Zelte braucht, will Kroll nicht führen. 32 000 Sitzplätze gibt es beim Fest. „Das ist kein Thema“, sagt Kroll, „das Volksfest ist ein Fest mit eigenem Charakter, bei dem die Schaustellerbetriebe ihren Platz haben.“ Man werde das Fest nicht aufblasen.

Denn die Zahl der Besucher ist ja nicht angeschwollen. Schon vor vier Jahren zählte man vier Millionen Besucher, eine Zahl, die heuer ähnlich ausfallen wird. Kroll: „Wir müssen daran arbeiten, den S-Bahn-Halt Neckarpark ins Bewusstsein zu rücken, ebenso wie die Tatsache, dass das Volksfest 17 Tage dauert.“ Denn der Wasen platzt nicht andauernd aus den Nähten. Im Gegenteil. Wasenbürgermeister Michael Föll: „Wir reden über Einzeltage.“ An diesen müsse man überlegen, ob man den Zulauf großflächiger regeln könne, „aber das sind Nuancen, das Konzept funktioniert ja augenscheinlich“. So erfreulich der Zustrom ist, so gerne würden auch die Wirte die Kundschaft besser verteilen. Wirte-Sprecher Werner Klauss: „Wir bauen das Mittagsangebot aus und weisen darauf hin, dass wir an manchen Tagen durchaus freie Plätze haben.“ Doch weil der Mensch ein Herdentier ist, will er partout samstags ins Zelt. Und zahlt dafür jeden Preis. Klauss: „Unsere Reservierungen werden mittlerweile bei E-Bay zum doppelten Preis versteigert.“

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