Sonne, drei Tage Wochenende, Zahltag, der Wasen strebt vor der zweiten Woche nach neuen Rekordmarken. Foto: Peter-Michael Petsch

Das Volksfest rüstet sich für den Ansturm während des Wochenendes – So viele Besucher wie nie.

Stuttgart - Selten hat man sich über den Besuch eines altes Weibleins so gefreut. Sepideh heißt die Dame, die beim Volksfest alle strahlen lässt. Das Hoch beschert uns einen herrlichen Altweibersommer. Sonne, drei Tage Wochenende, Zahltag, der Wasen strebt vor der zweiten Woche nach neuen Rekordmarken.

Nein, zählen will man eigentlich nicht mehr. Superlative wie einst, als die Verkehrsdirektoren beim Volksfest die Besucherzahlen fantasievoll schätzten und sich auf Augenhöhe mit dem Oktoberfest jazzten, ist nicht die Sache der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Fünf Millionen? Sechs Millionen? Darf's noch ein bisschen mehr sein? Dieses Spiel will man nicht mitmachen. "München ist die Nummer eins", sagt in.Stuttgart-Chef Andreas Kroll, "aber wir sind unangefochten die Nummer zwei der Volksfeste in Deutschland." Wohlgemerkt was die Quantität, also die Menge der Besucher, angeht.

"Wir setzen auf Qualität", sagt Kroll, "und da brauchen wir uns nicht verstecken." Im Gegenteil, da setze das Volksfest die Maßstäbe. Im vergangenen Jahr seien die Wirte aus München nach Ende des Oktoberfests nach Stuttgart gekommen und hätten gestaunt. "Da sei ja das hässlichste Zelt in Stuttgart schöner als das schönste in München", hätten die Wirte zu ihm gesagt, erinnert sich Kroll.

Aus aller Welt auf den Wasen

Dieses Beharren auf Qualität zahle sich aus. Nicht nur, dass viele Italiener mittlerweile lieber aufs Volksfest als aufs Oktoberfest gehen, weil es weniger aggressiv und nicht so teuer ist. Auch aus ganz Deutschland fährt man mittlerweile auf den Wasen. "Die Hotels sind ausgebucht", sagt Marcus Christen, Abteilungsleiter bei in.Stuttgart, "dieser Tage waren Journalisten aus England da, die mussten bis nach Karlsruhe fahren, um ein Hotel zu finden."

Genauso rar ist am Wochenende ein Platz im Zelt. "So viele Reservierungen wie nie", hätten seine Kollegen und er verzeichnet, sagt Wirtesprecher Werner Klauss. Selbst an Montag- und Dienstagabenden, als man sich früher in einer Holzausstellung für Bänke und Tische wähnte, kann man sich nur noch irgendwo dazuquetschen. Dass man am Wochenende für eine Reservierung bis zu vier Bier und ein halbes Hähnchen abnehmen muss, stört offenbar niemand. 40 Euro sind das pro Besucher.

Nun sind wir doch bei Zahlen. Ganz ohne geht es auch nicht. Wenn man renommieren will, muss man doch beeindruckend Buchhalterisches zu bieten haben. "100.000 Besucher sind beim Familientag am Mittwoch da gewesen", sagt Kroll. Insgesamt werde man vier Millionen Besucher erreichen dieses Jahr, ist Kroll zuversichtlich. Dabei verlässt man sich nicht aufs Schätzen. An diesem Wochenende wird jeder Besucher erfasst, denn für das Überprüfen und Verbessern des Fluchtwegekonzepts muss man genau wissen, wie viele Leute auf dem Wasen sind.

Polizei freut sich über Zweitdirndl

Wie viele in Dirndl und Lederhose kommen, wird nicht gezählt. Aber Marcus Christen ist sich sicher, dass es bereits die Mehrzahl ist. Viele Besucher würden sich gar mehrere Garnituren zulegen. Der Trend geht zum Zweitdirndl.

Was auch die Polizei freut. Wer sich für teures Geld verkleidet, hat normalerweise kein Interesse daran, sich zu prügeln. So sagt Bruno Reinhard, Leiter der Wasenwache: "Es ist ein ruhiges Fest, es gibt keine Besonderheiten." Bis auf einen Ausraster eines Unbekannten. Der in einem Festzelt Reizgas sprühte. 300 Gäste mussten eine Nische verlassen, neun Menschen wurden verletzt.

Insgesamt verzeichnete die Polizei dieses Jahr nach sieben Tagen 342 Straftaten. Das sind 71 mehr als im Vorjahr. Aber damals war das Wetter schlecht und wesentlich weniger Besucher auf dem Platz.

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