Ein totes Känguru, das sich im Zaun verfangen hat. Unsere Bilderstrecke zeigt Foto: dpa/David Mariuz

Die Brände in Australien wüten weiter. Premier Scott Morrison steht massiv in der Kritik. Nun hat er einen Milliardenfonds für die Folgen der Verwüstung angekündigt.

Sydney - Die Buschbrände in Australien wüten weiter, es ist noch kein Ende in Sicht. Der Qualm raubt den Menschen in den betroffenen Gebieten den Atem. In der Hauptstadt Canberra war die Luft am Montag gefährlich verschmutzt. Die Stadtregierung rief die Menschen dazu auf, drinnen zu bleiben. Einige Flüge wurden gestrichen. Museen, Geschäfte und Universitäten blieben geschlossen. Das Innenministerium forderte seine Mitarbeiter auf, für 48 Stunden zu Hause zu bleiben. An der Südostküste regnete es, was den Kampf der Feuerwehr etwas erleichterte.

Eine Entwarnung gab es aber nicht. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria loderten noch um die 170 Feuer. Die Helfer mussten weiter abgeschnittene Gebiete versorgen. Am Montag meldete die Polizei den Tod eines 71 Jahre alten Mannes. Seit Beginn der Brände im Oktober sind damit landesweit 25 Menschen ums Leben gekommen.

Wie viel Land ist abgebrannt?

Seit die ersten Brände im Frühling auf der Südhalbkugel begannen, sind zehn Millionen Hektar abgebrannt – das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Zum Vergleich: Im Amazonas-Regenwald zerstörten Feuer im vergangenen Jahr 900 000 Hektar, während in der sibirischen Steppe 2,6 Millionen Hektar in Asche verwandelt wurden. Die knochentrockene Landschaft – Australien leidet unter einer extremen Dürre – erlaubte dem Feuer, sich rasant auszubreiten. Selbst die Millionenstadt Sydney war zu einem Zeitpunkt von Feuern eingekesselt.

Neben der Armee wurden inzwischen auch  3000 Reservisten eingezogen, die helfen sollen, die Lage unter Kontrolle zu bringen, wie Australiens Premierminister Scott Morrison am Samstag verkündete. Außerdem sollen vier neue Flugzeuge im Kampf gegen die Feuer eingesetzt werden. Für viele Feuerwehrleute sei das jedoch „zu wenig und zu spät“, sagte der ehemalige Feuerwehrmann Dean Gray. Ihn verärgert besonders, dass ehemalige Feuerwehrchefs den Premierminister bereits im April treffen wollten, um ihre Besorgnis über die anstehende Buschfeuersaison zu äußern. Morrison hatte ein Treffen damals jedoch abgelehnt.

Wie reagiert der Premierminister Scott Morrison?

Überhaupt steht das Krisenmanagement Morrisons seit Tagen in der Kritik. Zunächst fuhr er mit seiner Familie nach Hawaii in Urlaub, später spielte er die Krise mit Worten runter wie: „Solche Katastrophen“ habe es „schon immer“ in Australien gegeben. Über Neujahr empfing er Cricketspieler in Sydney, während die Feuerwehr vor Ort ihr Leben riskierte. Als er mit Tagen Verspätung schließlich die ersten betroffenen Gemeinden besuchte, hatten Opfer und Feuerwehrleute nur noch wenig freundliche Worte für ihn. Etliche weigerten sich, ihm die Hand zu schütteln, viele buhten ihn aus. Der 51-Jährige gilt als Förderer der Kohleindustrie, die in Australien eine wichtige Rolle spielt. Er sieht die Brände als Naturkatastrophe und lehnt es ab, seine Klimapolitik zu ändern. Australien gehört auf den Klimakonferenzen zu den Blockierern.

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif und andere Wissenschaftler verweisen jedoch darauf, dass Australien schon seit Jahren immer neue Temperaturrekorde erlebe. Im südaustralischen Nullarbor wurden Ende Dezember 49,9 Grad gemessen – der heißeste jemals an einem Dezembertag gemessene Wert. Rekordverdächtig sei auch die lange anhaltende extreme Trockenheit: „Das sind klare Indizien dafür, dass der Klimawandel die Brände begünstigt“, so Latif.

Lesen Sie hier: Welchen Einfluss hat der Klimawandel konkret auf die Brände?

Milliardenfond für die Schäden

Nun hat der konservative Premier eine neue nationale Agentur ­angekündigt, die sich um die Folgen der Katastrophe kümmern soll. Ein Fonds soll in den nächsten zwei Jahren mindestens zwei Milliarden australische Dollar – etwa 1,2 Milliarden Euro – bekommen. Das Geld ist für die Farmer, kleine Geschäfte und betroffene Bewohner bestimmt.

Unter den Bränden leiden nicht nur die Menschen, sondern auch Australiens einzigartige Tierwelt. Bilder wie ein Foto eines verbrannten, vermutlich noch jungen Kängurus, das sich offenbar auf der Flucht in einem Maschendrahtzaun verfangen hat, gehen um die Welt. Auch im Naturparadies Kangaroo Island lodern die Flammen. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der insgesamt 50 000 Koalas auf der Insel gestorben sein könnte. Einige Tierarten könnten durch die Brände an den Rand des Aussterbens kommen.

Frustrierend für die Rettungskräfte ist, dass es nach wie vor Menschen gibt, die Feuer legen. So verhaftete die Polizei einen 79-jährigen Mann, der mit Absicht vier Feuer gelegt haben soll.

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