Götz Otto als Götz von Berlichingen Foto: Braun

Prominenz auf der Bühne, Kampfszenen und barocke Tänze: Regisseur Michael Bogdanov eröffnet die Burgfestspiele Jagsthausen mit Goethes „Götz von Berlichingen“ mit Götz Otto und Alexandra Kamp.

Prominenz auf der Bühne, Kampfszenen und barocke Tänze: Regisseur Michael Bogdanov eröffnet die Burgfestspiele Jagsthausen mit Goethes „Götz von Berlichingen“ mit Götz Otto und Alexandra Kamp.

Jagsthausen - Angeblich soll Götz Otto mit den Worten „Ich bin groß, ich bin böse, ich bin kahlköpfig und deutsch“ seine Rolle in dem James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ als Stamper, Handlanger des Bösewichts Elliott Carver, bekommen haben.

Bei den Burgfestspielen Jagsthausen zeigt er ein ganz anderes Gesicht: Da agiert über lange Strecken ein jovialer, freundlicher und gutherziger Götz von Berlichingen. Das Kämpfen und Rüpeln überlässt er lieber anderen, die davon ausgiebig Gebrauch machen. Auch als er Adalbert von Weislingen gefangen genommen hat, blitzt da eher die frühere Jugendfreundschaft mit ihm durch als die Rochade mit dem Bischof von Bamberg. Dieser Götz von Berlichingen ist fast schon wie Nathan der Weise.

In der 65. Spielzeit der Burgfestspiele Jagsthausen hat sich einiges getan. Mit Axel Schneider wurde ein neuer Intendant gefunden, der zugleich eine neue Konzeption vertritt. Als Leiter von vier Kleintheatern in Hamburg kann er bereits praxiserprobte Produktionen hier im Süden ins Freie bringen. Und nach wie vor werden wie bisher in Jagsthausen selbst für diesen besonderen Ort in der Burg Inszenierungen erarbeitet. Für die Umsetzung vor Ort ist die Co-Intendantin Eva Hosemann zuständig, die langjährige Leiterin des Theaters Rampe. Gemeinsam holen sie prominente Theaterpersönlichkeiten an die Jagst, neben Götz Otto hier unter anderen den Regisseur Michael Bogdanov.

Es ist wohl seiner Noblesse zu verdanken, dass hier so ein eleganter und hoffähiger Götz auf der Bühne steht. Natürlich kann Otto diese Haltung nicht bis zum Ende durchziehen, zu viele machen ihm da einen Strich durch die Rechnung. Und der berühmteste aller Fluchsätze mit dem A-Wort darf natürlich auch nicht fehlen, doch Otto redet sich nur sehr kontrolliert und möglichst rational in Rage. Eine weitere Prominente ist Alexandra Kamp. Als Adelheid von Waldorf agiert sie ungewöhnlich dramatisch. Vor ihrem ersten Auftritt schwärmen viele von ihrer Schönheit, sie selbst zeigt sich dann aber sehr direkt und zupackend. Intrigen, über mehrere Ecken gedacht, sind nicht so ihr Ding, sie setzt auf ihre unmittelbare Wirkung. Und mit Andreas Brucker als Adalbert von Weislingen hat sie dafür einen idealen Spielball. Klaus Falkhausen als Bischof ist für solche Dinge zu distanziert. Verena Wolffen dagegen ist mit ihrer natürlichen Eleganz dagegen eine gute Ehefrau für diesen Götz.

Doch Theater im Freien will noch mehr, und Bogdanov bedient dies entsprechend: Es gibt Massenszenerien mit einer umfassenden Statisterie, Dialekte spielen immer wieder eine Rolle, es wird getanzt in barocker Manier, und es gibt natürlich beachtliche Kampfszenen, insbesondere die Böller sind von beachtlicher Wucht. Und als der Tod von Adelheid von Waldorf beschlossen wird, treten Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit Fackeln in der Hand auf. Das ist ein eindrucksvolles Bild zu vorgerückter Stunde, das auch inhaltlich eine gewisse Entsprechung hat, vergnügt sich diese Adelheid doch noch kurz zuvor mit Weislingens Sohn im Bett.

Weitere Aufführungen bis zum 24. August. Karten unter 079 43 / 91 23 45

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