Statistisch gesehen ist Baden-Württemberg im neuen Bundestag deutlich überrepräsentiert. Genau genommen sind es sieben Schwaben zu viel.
Stuttgart - Egal wie die neue Bundesregierung aussehen wird, Baden-Württemberg hat im neuen Bundestag in jedem Fall an Gewicht deutlich zugelegt. Statt 95 stellt das Land zukünftig 101 Abgeordnete. Damit profitiert der Südwesten am stärksten vom gegenwärtigen Wahlsystem, wie eine Berechnung dieser Zeitung ergab. Die Unterschiede sind beträchtlich. Während im Bundesschnitt jeder der 735 Abgeordneten 63 725 Wähler vertritt, sind es in Baden-Württemberg nur 59 366. In Thüringen waren nach dieser Statistik sogar 67 368 Zweitstimmen nötig, in Sachsen-Anhalt 67 500. Selbst das zweitplatzierte Brandenburg liegt mit 61 200 Wählern pro Sitz klar hinter Baden-Württemberg. Setzt man die baden-württembergische Sitzzahl ins Verhältnis zur Bevölkerungsgröße, wird deutlich, wie überrepräsentiert das Land ist. Laut Statistischem Bundesamts leben 11,1 Millionen Menschen im Südwesten. Das sind 12,7 Prozent der Bundesbevölkerung. Im Bundestag liegt der Anteil baden-württembergischer Abgeordneter nun aber bei 13,7 Prozent.
Ein Prozentpunkt über dem Schnitt
Hintergrund sind die Überhangmandate, die in Baden-Württemberg zuhauf anfielen. Die CDU holte 24,8 Prozent der Zweitstimmen, gewann aber 32 von 37 Direktmandaten. Um das Verhältnis zwischen den Parteien anzupassen gab es Ausgleichsmandate, die die Gesamtsitzzahl weiter erhöhte.
Reform bremst das bayerische Wachstum
Lediglich in Bayern fielen noch mehr Überhangmandate an. Dort griff allerdings die jüngste Wahlrechtsreform, die den Sitzausgleich deckelt. Somit blieben am Ende drei der überzähligen Direktmandate im Freistaat zugunsten der CSU unausgeglichen. Tatsächlich war Baden-Württemberg schon in der vergangenen Legislaturperiode im Vorteil, wenn auch weniger stark. Trotzdem stellte das Land keinen einzigen Minister. Lediglich der Posten des Bundestagspräsidenten war durch den Offenburger Wolfgang Schäuble belegt.