Sechs Einrichtungen und Initiativen im Kinder- und Jugendbereich erhielten Spenden von insgesamt 2700 Euro. Foto: Georg Linsenmann

Erfolgsmeldungen und einige „heiße Themen“ prägten die 41. Hauptversammlung des Bürgervereins Zazenhausen.

Stuttgart-Zuffenhausen - Einen „Spitzensatz in Stuttgart“ nannte Reinhold Weible, Vorsitzender des Bürgervereins, die aktuelle Mitgliederzahl, die vergangenes Jahr erneut gestiegen ist und nun fast 300 beträgt, womit deutlich über zehn Prozent aller Zazenhausener im Bürgerverein sind. So wurde bei der Versammlung im voll besetzten TVZ-Vereinsheim auch die „magische Marke“ von 100 Teilnehmern gestreift. Nackte Zahlen: als Hinweis darauf, wie vital, relevant und fest in der Bürgerschaft verankert der „BVZ“ ist. Entsprechend engagiert und jenseits barer Routine verlief denn auch die aktuelle Versammlung, wobei unter den Regularien auch ein Einschnitt anstand. Brigitte Wellner gab die Funktion der Kassiererin ab, die sie 25 Jahre betreut und dabei „einen prima Job“ gemacht hatte, wie allseits gelobt wurde. Und ihre Nachfolgerin hatte Wellner bereits „angeworben“: Antje Sauter, die von der Versammlung einstimmig gewählt wurde.

In seinem Tätigkeitsbericht zum vergangenen Jahr hob Reinhold Weible den „legendären 14. Juli“ hervor, die Freilegung des historischen Gewölbekellers im Gewann Kräutlen. Hinter mehr als sieben Tonnen Abfall und Schutt wurde so ein künftiges Kleindenkmal wiederentdeckt, dessen Geschichte mindestens bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht. In Sachen Renaturierung des Feuerbachtales hatte der Verein für „die kritische Hochwassersituation sensibilisiert“ und so „starke Umplanungen“ angeregt, etwa für eine separate Hochwasserrinne.

Ein Thema, mit dem Weible den Stab weitergab an Inge Maass. Die Landschaftspflegerin, die auch in Zazenhausen an Projekten für die Biotop-Vernetzung arbeitet, skizzierte „13 Jahre Biotop-Vernetzung“. Ein im Grunde abendfüllendes Thema, bei dem Maass eine eindrucksvolle Liste an Beiträgen zum Naturschutz vortrug. Mit das Markanteste: die inzwischen fünf Kilometer Wiesenstreifen an und zwischen bewirtschaften Flächen. Und doch stand ein dickes Fragezeichen über ihrem Vortrag. Derzeit ist offen, ob Maass weiter im Teilort aktiv sein kann: „Weil im Amt für Umweltschutz alle Kräfte mit S 21 befasst werden, drohen wir zum Kollateralschaden von S 21 zu werden“, merkte der Vereinsvorsitzende an.

Ein hoch sensibles Thema ist die Sicherheit der Schulwege

Gebannte Zuhörer fand auch der „Statusbericht“ von Joseph Michl von der ARGE Nord-Ost zum „Dauerbrenner“ Nordring und Neckar-Querung. Der Widerstand dagegen hatte 1972 mit zur Gründung des hiesigen Bürgervereins geführt. Und nun? Entspannung auf breiter Front! Michl referierte, wie „das Projekt mit dem Regierungswechsel 2011 schnell beerdigt war“. Nun warte man nurmehr darauf, dass das Planfeststellungsverfahren auch offiziell kassiert werde. Michl erhielt mehrfach Beifall. Schließlich resümierte er: „Der Widerstand aus der Bevölkerung heraus hat bewirkt, dass diese Straße nicht gebaut wird. So bleibt uns wichtiges Ackerland und ökologisch wertvolle Landschaft erhalten.“ Erfreulicher Nebeneffekt: Für erwartete Prozesse hatte der Bürgerverein Rückstellung gemacht, die nun aufgelöst werden. So gab es für sechs Einrichtungen und Initiativen im Kinder- und Jugendbereich insgesamt 2700 Euro.

Weiter unter den Nägeln brennen dem Verein vor allem zwei Themen: die Nahversorgung im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker sowie die Schulwegsicherheit. In Sachen Einkauf scheint sich die Ansiedlung von „Drehpunkt“ zu konkretisieren. Das von einstigen Schlecker-Mitarbeiterinnen getragene Unternehmen bietet neben Kosmetikartikeln auch Lebensmittel, von Edeka oder Rewe. Reinhold Weible meinte dazu: „Wir sollten das nicht ablehnen. Es ist besser als nichts.“ Für Kopfschütteln und vernehmliches Murren sorgte übrigens die Nachricht, dass die Post einen Briefkasten im Neubaugebiet befürwortet, die Genehmigung durch das Bauamt aber seit einem halben Jahr auf sich warten lässt.

In Sachen Kindergartenplätze sah sich Kathrin Scheck nach der Eröffnung von Educcare erstmals „etwas entspannter“ vor der Versammlung stehen. Zudem signalisierte die Stadt Stuttgart jüngst, dass sie sich im Bereich des alten Kindergartens am Entenweg temporäre Lösung vorstellen könnte. Ein Signal der Hoffnung für „viele Eltern, die verzweifelt nach einem Platz suchen“.

Ein hoch sensibles Thema ist nach wie vor die Sicherheit der Schulwege mit diversen kritischen Bereichen, wie auch eine Frau aus der Versammlung ausführte. Kathrin Scheck appellierte einstweilen, die eingerichteten „Lauf-Haltestellen“, an denen sich die Kinder sammeln, zu nutzen: „Zusammen zu Fuß zur Schule zu gehen, das ist gut machbar.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: