Die Kandidaten Thomas Bernlöhr und Amanda Köhler-Eisenmann (Dritter und Vierte von links) trennen quasi Welten vom Mitbewerber Thomas Hornauer (rechts). Foto: Gottfried Stoppel

Inhaltlich bringt die Kandidatenvorstellung in der Justinus-Kerner-Halle wenig Neues. Für Unterhaltung sorgen allenfalls Thomas Hornauers fäkal angehauchte verbale Ausfälle.

Welzheim - Sie hätte ein echter Wahlkampf-Marathon werden können, die öffentliche Kandidatenvorstellung der Stadt Welzheim für die am 11. März anstehende Bürgermeisterwahl. Fünf Kandidaten gibt es, die sich für den Chefsessel bewerben, und für jeden hat das Protokoll der Veranstaltung 20 Minuten Redezeit und eine weitere halbe Stunde für Fragen der in der Justinus-Kerner-Halle versammelten Bürger vorgesehen. Vier Stunden und zehn Minuten hätte die Sache bei Ausnutzung aller Limits gedauert – fast bis Mitternacht. Es ist anders gekommen. Bereits kurz nach halb Neun, gut eineinhalb Stunden nach Beginn, wanderte die nicht allzu große Schar der Wahlkampfinteressenten aus der kaum halb gefüllten Hallenhälfte wieder nach Hause. Mit eher wenig neuer Erleuchtung für das Wahlverhalten in einer Woche.

Nur drei von fünf Kandidaten auf der Bühne

Ein Grund für den Mangel an Anstößen ist schon einmal die Tatsache gewesen, dass nur drei der fünf Kandidaten mit dabei waren. Fridi Miller, die selbsternannte Aufklärungskandidaten bei allerlei Schulteswahlen und Lokalmatador Michael Uhl hatten sich entschuldigen lassen. So blieben für das streng getrennt gehaltene Schaulaufen, nur Amtsinhaber Thomas Bernlöhr, die Welzheimer Verwaltungsfachfrau und Mutter Amanda Köhler-Eisenmann und das kürzlich in Plüderhausen mit gut vier Prozent der Wählerstimmen bedachte untehaltungsmediale Unikum Thomas Hornauer übrig, der sich von Beginn an betont abseits der Mitbewerber hielt.

Mit leicht fäkal angehauchter Schimpftirade wider eine angebliche kriminelle Bürgermeister-Lokalzeitungs-Connection hat der für skurrile Auftritte bekannte Unternehmer, Kristallpalastbetreiber und selbst ernannte königliche Hoheitstitelträger diesmal eher für verbale Schmuddelfarbe im Wahlkampf gesorgt. Er bedaure es zutiefst, so verkündete Hornauer, nach zunächst knapp zwei lange Minuten währendem bedeutungsschwangerem Schweigen, dass er bei einer vergangenen Veranstaltung den Amtsinhaber gelobt habe. Inzwischen habe er von Absprachen erfahren, die es wider ihn gegeben habe. Der Bürgermeister sei dem Moderator jener Veranstaltung und damit der Lokalzeitung, so die deutlich drastischere Hornauer-Formulierung in den Allerwertesten gekrochen. Und angesichts der gegen ihn inszenierten Verschwörung mit Zensur und Verstößen gegen Meinungs- und Wortfreiheit könne das korrupte Tun seiner Gegner nur als „professionelles, organisiertes, kriminelles Handeln“ bezeichnet werden.

Die zwei, drei Fragen nach Wahlprogramm oder Schulbauplänen, nach denen der Wissensdurst der Welzheimer rasch versickerte, beantwortete Hornauer mit gedanklichen Ausflüge in seine Welten medialer Transzendenz. Eins sei klar: „Ich kann nicht verlieren – ich habe schon 100 neue Berufe geschaffen und 100 Menschen zu Millionären gemacht.“

Fragen zu Notarzt, Industrieansiedlung und Drogeriemarkt

Etwas detaillierter war da zuvor der Austausch zwischen Amtsinhaber Bernlöhr und den Anwesenden gewesen. Für die angestrebte Stationierung eines Notarztes in Welzheim gebe es noch kein konkretes Konzept, da müsse noch in verschiedenen Gremium dran gearbeitet werden. Und bei aller Wertschätzung für neue Ansiedlungsmöglichkeiten von Unternehmen werden man in Welzheim unter seiner Regie natürlich auch die Interessen der Landwirtschaft nicht aus dem Auge verliere.

Ihr liege – mit bedingt durch die Schwerpunkte ihrer Verwaltungsausbildung – der Bereich E-Government am Herzen und die dazu nötige Modernisierung i der Welzheimer Verwaltung, betonte Amanda Köhler-Eisenmann. Die Pläne für einen Drogeriefachmarkt sind ihr dagegen ein Dorn im kommunalen Auge – der bedrohe bestehende Einzelhandelsläden.

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