Die Kandidaten fürs Schultesamt (von links): Thomas Hornauer, Andreas Schaffer, Fridi Miller und Christian Maier Foto: Gottfried Stoppel

Quantenspringen, aufräumen, zuhören oder auch mal beleidigen: Die vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Plüderhausen haben sich am Montagabend bei der offiziellen Kandidatenschau der Gemeinde in der Staufenhalle höchst unterschiedlich präsentiert.

Plüderhausen - Es ist die erwartet skurrile Kandidatenvorstellung in der voll besetzten Plüderhäuser Staufenhalle gewesen. Auf dem Podium einerseits die eher sachliche „Fraktion“: der 63-jährige Amtsinhaber Andreas Schaffer, der nach 32 Jahren als Schultes noch eine halbe Wahlperiode dranhängen will. Außerdem Christian Maier, 45, Vertriebsleiter mit Fortbildung im „Kontaktstudium Verwaltung“, der eine neue Herausforderung sucht.

Daneben die eher schrillen Selbstdarsteller: Fridi Miller, 48, Dauerkandidatin bei zig Schulteswahlen im Land, und Thomas Hornauer, 57, Unternehmer, Kristallpalastbetreiber und selbst ernannte königliche Hoheit, der an seinem Wohn- und Schaffensort gerne im Rathaus das Zepter in die Hand nehmen würde. Hinzu kam in Person des stellvertretenden Bürgermeisters und CDU-Fraktionschefs im Gemeinderat, Ulrich Scheurer, ein Versammlungsleiter, der peinlichst auf die Einhaltung der zugewiesenen Redezeit achtete und unfreiwillig für manchen Lacher sorgte.

Schaffer: Quantensprung aktiv vollziehen

Es sei eine Herzensangelegenheit, den „Quantensprung der riesigen Entwicklungsschritte“ der vergangenen Jahre noch aktiv vollziehen zu können, betonte Andreas Schaffer, der wie alle anderen Kandidaten keiner Partei angehört, in seiner Vorstellungsrunde. Er fühle sich nach wie vor „fit, neugierig und motiviert“. Plüderhausen sei eine „vitale Gemeinde in einer spannenden, dynamischen Phase“ – die es nicht verdient habe, von manchem seiner Mitbewerber als verschlafenes Nest hinter der Bretterwand schlechtgeredet zu werden.

Miller: Misswirtschaft aufdecken

Die Sindelfingerin Fridi Miller hingegen will „die bisherige Misswirtschaft von Herrn Schaffer aufdecken“ und „aufräumen in Plüderhausen“. Ihr Bürgermeisterinnengehalt werde sie in eine „Fridi-Peace-Stiftung“ investieren und mit „Kreativität, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen“ eine Gemeinde schaffen „über die 2040 noch gesprochen wird“.

Maier: Zuhören und Barrieren abbauen

„Maier hört zu“ lautet einer von insgesamt neun zentralen Leitsätzen, die sich Christian Maier in sein Wahlprogramm geschrieben hat und die von „Barrierefreiheit am Bahnhof“ bis „die Ostüberführung muss kommen“ reichen. Der Mann aus dem badischen Seebach hat sich offenkundig tief in die örtlichen Gegebenheiten eingearbeitet.

Hornauer: Fast keinen Bock mehr

Thomas Hornauer hingegen, angereist mit einem mit Fotos seiner selbst beklebten weißen Rolls-Royce, legte den Schwerpunkt auf Inszenierung. Zunächst weigerte er sich, auf dem Podium Platz zu nehmen – „als alter Rock ’n’ Roller gehöre ich nicht zu denen da oben“ –, dann wieder stand er auf und umkreiste das Auditorium, stets begleitet von einem mit einem Smartphone filmenden Lakaien. So ziemlich jeder bekam im Laufe des Abends von ihm sein Fett weg: Christian Maier wurde als Pfeife tituliert, der Gemeinderat als Schlafwagen, der Versammlungsleiter gleich mit mehreren unschmeichelhaften Titeln bedacht. Andreas Schaffer sei zwar eigentlich ein „feiner Kerle“, habe sich aber für seine Kumpels von der Lokalzeitung prostituiert. Auch das Publikum wurde nicht verschont, wenn es dem König nicht gewogen war: „Eigentlich habe ich gar keinen Bock mehr euch zu helfen“ – wer ihn belächle, sei selber schuld.

Publikum: Politischer Aschermittwoch

Und so konzentrierten sich die anschließenden Fragen aus dem Publikum vornehmlich auf Andreas Schaffers Bilanz und Christian Maiers mögliche Projekte. Eine Frau hingegen wollte wissen, wo Thomas Hornauer seine Kindheit verbracht habe, eine andere wähnte sich bei einer Spaßveranstaltung zum politischen Aschermittwoch. Ein Ehepaar aus dem benachbarten Urbach bekannte, genau aus diesem Grund in die Staufenhalle gekommen zu sein. Die beiden werden am Sonntag allerdings nicht mitwählen können.

Die Bürgermeisterwahl in Plüderhausen

Termin: Die Wahl in der knapp 9400 Einwohner zählenden Gemeinde Plüderhausen ist am kommenden Sonntag, 25. Februar. Sollte keiner der vier Kandidaten eine absolute Mehrheit der Stimmen erreichen, wird zwei Wochen später erneut zu den Urnen gerufen. An diesem Tag wird auch der Bürgermeister in Welzheim neu bestimmt. Auch zu dieser Wahl treten Fridi Miller und Thomas Hornauer an.

Amtsinhaber: Andreas Schaffer ist zuletzt mit 97,4 Prozent der Stimmen gewählt worden. Er hatte keinen Gegenkandidaten gehabt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: