Spiele wie „Fang den Hut“ erwachen zum Leben und tanzen über die Bühne. Foto: Jacqueline Fritsch

Mehr als 150 Schauspieler und Tänzer im Alter von vier bis 20 Jahren zeigen am Wochenende das Stück „Schach Boom Bang“. Bei einer der letzten Proben mussten nur noch Kleinigkeiten verbessert werden.

Vaihingen - Dominosteine, Mikadostäbchen und Spielkarten tanzen abwechselnd über die Bühne. Durcheinander und doch gemeinsam nehmen sie die Zuschauer mit in die Spielewelt, in der die Figuren zum Leben erwachen. An diesem Samstagmittag proben die 150 Schauspieler und Tänzer erst das dritte Mal gemeinsam. Trotzdem scheint jeder genau zu wissen, wann er was tun muss. Nur selten greift Anke Marx ein und sagt: „Das war das Stichwort, los!“ Die Theater- und Medienwissenschaftlerin hat den Text zu „Schach Boom Bang“ selbst geschrieben. Das Tanz- und Theaterstück feiert am Wochenende Premiere.

Kinder kämpfen sich durch die Spielewelt

In dem Stück geht es um ein paar Freunde, die sich eines Abends zum Spielen treffen. Als sie den Dachboden erkunden wollen, finden sie eine alte Kiste mit Gesellschaftsspielen. Die Kinder fangen an, die Kiste auszupacken, wissen aber nicht, was die Weiße Königin und der Schwarze Peter mit ihnen vorhaben. Im Reich der Spiele müssen sie durch tanzende Dominosteine und ein kniffliges Labyrinth wieder zusammenfinden. Das stellt ihre Freundschaft auf die Probe.

Vor zwei Jahren hatten Anke Marx vom Theater Malutki und Sandra Irrgang vom Tanzatelier die Idee, ihre Schüler gemeinsam auftreten zu lassen. „Das geht natürlich nur mit einem selbst geschriebenen Stück“, sagt Marx. Für sie war klar, dass sich die Darsteller mit dem Inhalt identifizieren sollten, damit die Umsetzung gelingt. Deshalb haben die Verantwortlichen ein kinderfreundliches Thema ausgewählt, auch wenn die ältesten Tänzer bereits 20 Jahre alt sind. Die jüngsten Tänzer sind gerade einmal vier. So sei das Stück „Schach Boom Bang – Aufruhr in der Spielewelt“ entstanden, das die gut 150 Jungen und Mädchen nun ein Jahr lang geprobt haben.

Es gibt gleich zwei Schwarze Peter

In welche Rolle die jungen Darsteller schlüpfen wollen, haben sie sich größtenteils selbst ausgesucht. Einige besetzen sogar mehrere Rollen. Die zehnjährige Ida zum Beispiel mischt beim Memory mit und tanzt als Dominostein über die Bühne. Sie ist sowohl in der Theater- als auch in der Tanzgruppe und hat sichtlich Spaß daran. „Ich würde es nie aufgeben“, sagt sie mit strahlenden Augen.

Eher unfreiwillig sind Patricia und Natalie an ihre Rollen gekommen. Sie verkörpern den Schwarzen Peter, der den Kindern, die in der Spielewelt gefangen sind, immer wieder das Leben schwer macht. Mittlerweile spielen sie diesen Part aber gerne. „Es ist toll, wie verschiedene Charaktere in dieser einen Rolle vereint sind“, sagt Natalie. Die 20-Jährige tanzt bereits seit 16 Jahren. Die Gegenspielerin des Schwarzen Peters ist die Weiße Königin. Sie regiert im Land der Spiele und entscheidet über das Schicksal der Kinder. „Es macht Spaß, mal die ganzen Kinder rumkommandieren zu dürfen und der Chef zu sein“, sagt Emma, die den Part der Weißen Königin übernimmt.

Wenige gemeinsame Proben

Lange haben die Tänzer und die Schauspieler getrennt geprobt. Erst im September hat es den ersten Gesamtdurchlauf gegeben. „Beim ersten Mal war es schon sehr chaotisch“, sagt Sandra Irrgang, „viele kennen sich ja gar nicht und müssen dann etwas auf die Bühne bringen, das zusammenpasst.“ Aber nicht nur optisch muss alles passen, auch die Musik ist genau auf das Stück abgestimmt. Patrick Müller hat extra einige Lieder komponiert. „Es ist ein Luxus, dass wir schon so früh mit Musik proben konnten. Oft hat man den Sound ja erst ein paar Tage vor dem Auftritt“, sagt Marx.

Weitere Auftritte im kommenden Jahr

Bei den Aufführungen am Sonntag rechnen die Verantwortlichen mit rund 360 Zuschauern pro Vorstellung. Im Sommer 2018 bringen die Schauspieler und Tänzer das Stück noch einmal auf die Bühne – dann sogar mit Livemusik.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: